Kindheit zwischen den Waschbecken verbracht

Salon Jutta feiert am Sonnabend sein 60-jähriges Bestehen

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60 Jahre Salon Jutta: Inhaberin Jutta Falk (r.) und ihre Mitarbeiterin Anja Grevé freuen sich auf die Feier mit ihren Kunden am Sonnabendvormittag an der Hauptstraße. 

Seckenhausen - Von Sandra Bischoff. Jutta Falk kennt sich nicht nur mit Schnitten und Farben aus, sondern auch mit dem Seelenleben ihrer Kunden. „Oft sehe ich genau, wie es einem Stammkunden geht, wenn er zur Tür hereinkommt“, sagt die Friseurmeisterin. Seit 1978 steht sie in dem Salon an der Hauptstraße, der am Sonnabend sein 60-jähriges Bestehen feiert.

Schon als Kind war der Salon ihr Zuhause, erzählt die heute 57-Jährige. „Ich saß meistens auf den Wäschekörben zwischen den Waschbecken, wenn meine Eltern arbeiten mussten.“ Es war also gar keine Frage, dass sie das Handwerk ebenfalls erlernen und das Geschäft ihrer Eltern einmal übernehmen würde.

Ihr Vater, der Friseurmeister Günter Mazzoni und seine Frau Ilse hatten sich mit dem kleinen Geschäft am 10. September 1956 an der Hauptstraße selbstständig gemacht. 1965 zog der Salon Mazzoni nur einige Häuser weiter an den heutigen Standort. Tochter Jutta lernte das Friseurhandwerk in Erichshof, und kam nach der Lehre 1978 in das elterliche Geschäft. Bis kurz vor ihrem Tod standen Mutter und Vater noch im Laden, um die Kunden zu frisieren.

1997 übernahm Jutta Falk die Räume. Sie renovierte von Grund auf, legte ihre Meisterprüfung ab und nannte das Geschäft fortan Salon Jutta. Heute arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Angestellten Anja Grevé in dem Salon.

In erster Linie sind es Stammkunden, die Jutta Falk und ihre Mitarbeiterin frisieren. „Wir haben ganze Familien hier, vom Kleinsten bis zum Vater“, sagt die Inhaberin. Viele von ihnen kennt sie seit ihrer Kindheit. Dass diese noch heute zu ihr kommen, erfüllt sie mit Stolz. „Viele Kunden erzählen im Friseurstuhl von dem, was sie belastet, und wenn die wieder mit einem Lächeln aus der Tür gehen, dann wissen wir, dass wir gute Arbeit geleistet haben.“

Auch nach rund 40 Jahren liebt Jutta Falk ihren Beruf. Es seien die Gespräche mit den Menschen, die die langen Tage auf den Beinen attraktiv machten. „Es ist fast schon ein freundschaftliches Verhältnis.“

„Früher haben wir viel Dauerwellen gelegt“

Die Wünsche der Kunden haben sich im Laufe der Jahrzehnte allerdings gewaltig verändert, sagt die Friseurmeisterin. Besondere Schnitte und viele Farben stünden ganz oben auf der Liste. „Früher haben wir in erster Linie Dauerwellen gelegt. Das machen wir heute bei unseren älteren Gästen noch immer, aber die jüngeren wollen modische Schnitte und probieren auch Farben aus, man spielt mehr.“ Die Kunden zu beraten und der Persönlichkeit durch die neue Frisur Ausdruck zu verleihen, das sei ebenfalls tägliche Motivation.

Der Großteil derjenigen, die sich an der Hauptstraße frisieren lassen, sei Stammkundschaft. Die erstrecke sich mittlerweile nicht nur über das gesamte Gemeindegebiet, sondern bis nach Bremen und Oyten. „Das sind die Kunden, die von hier weggezogen sind, sich an ihrem neuen Wohnort keinen neuen Friseur suchen möchten.“ Aber auch spontan kämen Frauen und Männer hinein, um sich die Haare schneiden zu lassen. „Durch die Bundesstraße haben wir guten Zulauf. Und wenn wir die Zeit haben, dann machen wir es auch.“

Für diejenigen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, oder aber nicht mehr mit dem Auto kommen können, gibt es sogar eine Hol- und Bringdienst. „Wir holen die Kunden ab und fahren sie wieder nach Hause. Das hat mein Vater schon so gemacht.“

Die Feier mit den Kunden am Sonnabend ab 11.30 Uhr ist für sie auch ein Stück Erinnerung an ihre Eltern. „Sie wären sicher sehr stolz, wenn sie wüssten, dass wir 60 Jahre voll haben.“

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