Nabu-Ortsverband warnt vor heimischer Giftpflanze

Gelb und gefährlich: Jakobskreuzkraut bekämpfen

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Mit Säcken und Handschuhen bewaffnet haben Dieter Sommer (v.l.), Heiner Segelken, Rita Wolff, Horst Ewald und Irmtraut Wolfrum vom Nabu-Ortsverband Stuhr am Montag auf der Wiese von Bio-Bauer und Nabu-Mitglied Hilmer Schumacher im Osterbruch das Jakobskreuzkraut ausgerissen und entsorgt.  

Stuhr - Von Katrin Köster. Wenn Rita Wolff vom Stuhrer Ortsverband des Naturschutzbundes (Nabu) Jakobskreuzkraut entdeckt, klingelt sie auch an fremden Haustüren. Die unscheinbar aussehende Pflanze mit leuchtend gelb Blüten wuchert derzeit vermehrt auf Weiden, Grünstreifen und eben auch auf privaten Grundstücken. „Rausreißen und ab in die Restmülltonne“ ist dem Nabu zufolge das beste Mittel gegen das hochgiftige Kraut.

„Wenn ich die Pflanze sehe, dann spreche ich die Leute darauf an“, sagt die Stuhrerin, die seit rund fünf Jahren bei den Umweltschützern aktiv ist. Dabei geht es ihr nicht um Vorhaltungen mit dem erhobenen Zeigefinger. Vielmehr möchte sie unbedingt verhindern, dass sich das Jakobskreuzkraut unkontrolliert in der Region ausbreitet.

Da ist viel Handarbeit gefragt: Am Montagvormittag waren Wolff und ihre Mitstreiter Dieter Sommer, Heiner Segelken, Horst Ewald und Irmtraut Wolfrum gemeinsam mit dem Bio-Landwirt Hilmer Schumann auf einer Wiese im Osterbruch bei Brinkum, um dem Kraut den Garaus zu machen. Stundenlang haben die Helfer gemeinsam mit dem Landwirt die „Senecio jacobaea“ aus dem Boden gerissen und entsorgt.

Das Jakobskreuzkraut ist laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine meist zweijährige, krautige Pflanze und wird zwischen 30 und 100 Zentimeter hoch. Im ersten Jahr bildet sie eine Rosette am Boden, die aus etwa 20 Zentimeter langen Blättern besteht. Der oft dunkelrot überlaufene, aufrechte Stängel mit gelben Blüten entwickelt sich erst im zweiten Jahr. Seinen Namen verdankt das Gewächs im Übrigen seinem Blühtermin um Jacobi, den 25. Juli. Eigentlich beginnt die Blühzeit schon Anfang Juni. Die Blütenstände werden aber erst im Hochsommer voll ausgebildet.

Giftig für Mensch und Tier

„Das Kraut breitet sich enorm aus“, betont Rita Wolff. Wer die Pflanze bei sich im Garten oder am Wegesrand entdeckt, solle sie ausreißen und idealerweise in der Mülltonne entsorgen, sagt sie. Aber: „Nie ohne Handschuhe!“, warnt die Expertin. Das Kraut ist giftig für Mensch und Tier. Doch zum großen Bedauern der Naturschützer erkennen viele Menschen die Pflanze gar nicht. „Manche lassen sie wegen der gelben Blüten sogar bewusst stehen und mähen drumherum“, hat Wolff in Stuhr beobachtet.

Fatal, denn vor allem für Pferde und Rinder können alle Pflanzenteile gefährlich werden. „Pferde reagieren dabei empfindlicher als Rinder, gefolgt von Schafen und Ziegen“, berichtet Dr. Bernhard Werner von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Werner zufolge enthalten die Pflanzen zwar Bitterstoffe, weshalb sie Tiere eher verschmähen. „Problematisch wird es aber spätestens dann, wenn keine Alternativnahrung vorhanden ist, die Tiere unerfahren sind oder die Kreuzkrautdichte zu hoch ist. Ein sehr großes Problem ist das Verfüttern von belastetem Raufutter, da beispielsweise im Heu die Bitterstoffe verloren gehen, die Giftigkeit aber bleibt“, berichtet der Fachmann. Daher rät auch er, Wiesen, Weiden und benachbarte Flächen von Jakobs-Kreuzkraut freizuhalten.

Pflanze vermehrt sich rasant

Landwirt Hilmer Schumacher hat die betroffen Wiese seit rund fünf Jahren vom Nabu gepachtet. Mit dem dort gewonnenen Heu versorgt er im Winter rund 30 Rinder. Schumacher ist dankbar für die praktische Unterstützung durch die Naturschützer: „Für mich allein wäre das gar nicht zu schaffen“, sagt er. Das Gewächs sei bei höherem Gras schlecht zu sehen und damit steige das Risiko, dass es mit ins spätere Heu gerate. Spritzen mit Pestiziden darf der Öko-Landwirt nicht. Bloßes Abmähen reicht nicht aus, da sich die Pflanze rasant vermehrt und selbst abgeschnitten eine Notblüte oder Aussamung zu Wege bringen kann, so Rita Wolff. „Darum sollte man das entfernte Kraut auch nicht in den Kompost geben“, rät sie.

Der Einsatz in Gummihandschuhen scheint erste Früchte zu tragen: Hilmar Schumann hat im Laufe der Jahre einen langsamen Rückgang der Pflanze beobachtet. „Es ist besser geworden“, sagt er mit Blick auf sein „Revier“. Für dieses Jahr hat er es geschafft: Die Heuballen sind gepresst und offenbar krautfrei.

Allerdings sei es ein Kampf, der stets aufs Neue geführt werden müsse, wenn man das Jakobskreuzkraut in den Griff bekommen wolle, sind sich Schumann und Wolff einig. Darum bitten sie die Stuhrer, einen kritischen Blick auf ihre Gärten oder den Grünstreifen am Haus zu werfen und die Störenfriede gegebenenfalls herauszureißen.

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