Heinz Nobel blickt auf 50 Jahre in der Gastronomie zurück

„Früher war der Wirt Seelentröster“

Hier fühlt er sich wohl: Heinz Nobel am Zapfhahn hinter dem Tresen seines Restaurants. - Foto: Ehlers

Moordeich - Von Sandra Bischoff. Hinter der Theke fühlt Heinz Nobel sich am wohlsten: Kein Wunder, seit mittlerweile 50 Jahren ist der Platz an Zapfhahn und Kaffeemaschine sein zweites Zuhause. Auch wenn der 70-Jährige, der am Donnerstag seinen runden Geburtstag gefeiert hat, eigentlich schon im Ruhestand ist.

„Mein Beruf ist meine Passion, ich bin mit vielen fröhlichen Leuten zusammen. Ich wüsste nicht, was schöner wäre“, sagt der Gastwirt, der im Alter von acht Jahren eigentlich Gärtner oder Musiker werden wollte. Seine Familie betreibt seit 1869 eine Wirtschaft an der Stelle, an der das Restaurant Nobel auch heute noch steht. „Meine Eltern haben mich nicht gezwungen, den Betrieb zu übernehmen, genauso wenig wie ich meinen Sohn.“ Freud und Leid lägen in seinem Beruf dicht beieinander. „Früher war der Wirt Seelentröster, damals trank er auch noch mit. Das ist lange vorbei.“ Nobel vergleicht seinen Job mit dem eines Pastors: „Der hat auch erst eine traurige Beerdigung und dann eine fröhliche Hochzeit.“

Geboren am 4. August 1946 im früheren Elternschlafzimmer des Hauses am Neuen Weg, der heutigen Teestube, besuchte der Spross acht Jahre lang die Schule und ließ sich dann im Bremer Überseehotel zum Kellner ausbilden. Eine Lehre zum Koch im Lloyd Hotel schloss sich an. Während dieser Zeit verstarb sein Vater. Heinz Nobel arbeitete nach seiner Bremer Zeit in Bad Zwischenahn. „Eigentlich wollte ich immer noch aufs Schiff, ein mondäner Gast hatte mir diese Flausen ins Ohr gesetzt.“ Aber durch den frühen Tod des Vaters wurde Nobel in Moordeich gebraucht, wo Mutter und Tante den Betrieb am Laufen hielten.

Die Tante war für die Küche zuständig, Heinz Nobel bediente. Kurze Zeit später stellte er einen Koch sowie Kellner ein. 1971 wurde aus dem Gasthaus ein Restaurant. Zehn Jahre später, mit 35 Jahren, übernahm er das Geschäft.

Er denkt gerne daran zurück. „Das war eine andere Zeit: Es wurden Bälle gefeiert, die Kegelbahn war gut frequentiert, und das Vereinsleben war ein ganz anderes“, erinnert er sich. Die Leute kamen in die Gaststube, um Gesellschaft zu haben und etwas zu trinken. „Heute trinken die Leute zu Hause, sie kommen nur zum Essen.“ Während früher meistens Schnaps und Bier über den Tresen gingen, bestellten die Gäste jetzt eher Wein und Bier, aber auch viele alkoholfreie Getränke. „Die Leute sind gesundheitsbewusster geworden, und sie achten mehr auf Kalorien.“ Viele kämen mit dem Auto und hielten sich deshalb mit Alkohol zurück. Ähnliches gilt für das Essen. „Früher haben wir viele Menüs verkauft, das gibt es heute kaum noch, die Leute wollen nicht mehr so viel Geld ausgeben.“ Und dass, obwohl die Preise laut Nobel konstant geblieben seien, Euro hin oder her. „Die Menschen haben immer noch Stammlokale, aber sie gehen querbeet essen und bevorzugen oft italienische oder griechische Restaurants, nicht unbedingt die deutsche Küche“, sagt der Senior.

Auch die Feierkultur habe sich verändert, weiß der Wirt. „Hochzeiten waren früher viel größer und die Leute feierten bis morgens um 4 Uhr. Heute feiert man in kleinerem Kreis, um spätestens 2 Uhr ist alles vorbei“, berichtet er. Damals, da hatte der Wirt auch weniger Probleme, Personal zu bekommen. „Wir haben sogar eine Zeit selber ausgebildet. Aber heutzutage fehlt einfach der Nachwuchs.“

Obwohl sein Sohn die Zügel in der Hand hält, so richtig loslassen kann der 70-Jährige nicht: „Ich sprinte immer noch durch den Laden und gucke, wo ein Glas Wein fehlt“, sagt er verschmitzt. Aber gleichzeitig genieße er auch seine neugewonnene Freiheit, etwa für ausgedehnte Fahrradtouren.

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