Familie verstößt gegen Waffengesetze

Beretta unter dem Kissen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Stuhr - Von Dieter Niederheide. Das Sicherheitsbedürfnis eines Stuhrers war so groß, dass er nachts mit einer halbautomatischen Pistole, einer Beretta, unterm Kopfkissen schlief. Das ging so lange gut, bis im August 2015 die Gemeinde Stuhr nicht nur die Beretta einkassierte, weil der Mann keine Waffenbesitzkarte hatte, sondern auch diverse Jagdgewehre.

Jetzt stand der Stuhrer als Angeklagter wegen des Vergehens gegen das Waffengesetz vor einer Strafrichterin, mit ihm Sohn und Tochter.

Der Senior sagte aus, dass er aus Vorsichtsgründen mit der Beretta unter dem Kissen geschlafen hatte. „Bei uns in Stuhr ist es recht gefährlich.“

Bei Sohn und Tochter ging es um die Jagdgewehre. Für die gab es früher Papiere, die den Vater als Eigentümer deklariert hatten. Als der den Jagdschein abgab, bestand für ihn kein berechtigtes Interesse mehr, die Waffen zu besitzen. Der Sohn bekam sie vielmehr zur Aufbewahrung, weil er beabsichtigt haben soll, seinerseits einen Jagdschein zu erwerben.

Da das unterblieben sein soll, forderte die Kommune die Waffen ein. Weil der Forderung nicht nachgekommen wurde, gab es Besuch einer Gemeindemitarbeiterin zu Hause. Dabei stellte sich heraus, so die Verwaltungsangestellte als Zeugin, dass nicht nur der Sohn an den Hort der Gewehre kam, sondern auch Vater und Tochter. „Wer keine Waffenbesitzkarte hat, darf keinen Zugriff auf den Schrank haben“, sagte die Zeugin.

Der Sohn habe nicht genau sagen können, wo der Schlüssel zum Schrank lag. Er habe schließlich den Vater fragen wollen, wo der Schlüssel ist, und am Ende die Schwester fragen müssen. Aber, so die Zeugin weiter, weder Vater noch Schwester hätten Zugriff haben dürfen, nicht einmal wissen dürfen, wo der Schlüssel zum Schrank aufbewahrt ist.

Die bislang unbescholtenen Angeklagten zeigten sich durchweg einsichtig. Gegen die Tochter wurde das Strafverfahren gegen eine Geldauflage von 1000 Euro eingestellt. Die Vertreterin der Anklage forderte gegen den Sohn eine Geldstrafe wegen des Überlassens von Waffen. Rechtlich schwerer wog der Vorwurf gegen den Vater, gegen den die Anklagevertreterin wegen des Besitzes der halbautomatischen Waffe eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten (gesetzlich vorgeschriebene Mindesstrafe) mit Bewährung forderte. Der Vater: „Wenn das im Gesetz so verankert ist, sehe ich das ein“. Der Sohn räumte ein, dass es ein Fehler war, nicht sorgsam genug mit dem Schlüssel zum Waffenschrank umzugehen. Er sah ein, dass nur er den alleinigen Zugang zum Waffenschrank haben durfte.

Die Strafrichterin verurteilte den Sohn wegen des Überlassens von Waffen zu einer Geldstrafe von 2700 Euro (90 Tagessätze zu 30 Euro). Der Vater bekam sechs Monate Gefängnis, die ohne jegliche Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Richterin wies in der Urteilsbegründung auf die gefährliche Situation hin, die im Falle eines Falles mit der Waffe in der Hand entstehen kann. „Ich bin froh in einem Land zu leben, in dem das Waffengesetz so ist“, sagte die Richterin.

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