Schulsanitäter proben in zwei Pausen den Ernstfall an der KGS Brinkum

Fahrradunfall mit täuschend echten Verletzungen

Nach der Erstversorgung der „verletzten“ Schülerin Emely beruhigen die Schulsanitäter das Mädchen, bis der Rettungswagen der Malteser eintrifft. - Fotos: Ehlers

Brinkum - Von Sandra Bischoff. Alica weiß genau, was zu tun ist. Routiniert legt sie der auf dem Boden liegenden und blutenden Schülerin Verbände an Händen und am Kopf an. Auch ihre „Kollegen“, die anderen Schulsanitäter, lassen sich von den umstehenden Schülern nicht aus der Ruhe bringen. Bei zwei Übungen in den beiden großen Pausen haben die Mitglieder der Schulsanitäts-Arbeitsgemeinschaft (AG) der KGS Brinkum gestern den Ernstfall geprobt.

Lehrerin Natalie Saar war im Gespräch mit einer Schülerin über den Schulhof gelaufen, als die 15-jährige Emely auf ihrem Rad abgelenkt wurde, die Lehrerin rammte und beide stürzten – so das Szenario. Die benachrichtigten Schulsanitäter eilten herbei und versorgten die Verletzten.

„Wir haben Frau Saar sofort einen Halsstabilisator angelegt, weil sie mit dem Hinterkopf auf das Pflaster gefallen war und über Schmerzen klagte“, berichten Joshua und Tom aus der G 8b. Die Sanitäter wickelten die Verletzten in Rettungsdecken ein, damit sie nicht auskühlten. Alicia redete zudem beruhigend auf die zitternde Schülerin am Boden, bis der Rettungswagen der Malteser aus Delmenhorst eintraf.

Mit sicheren Griffen legen Tom und Joshua Lehrerin Natalie Saar den Halsstabilisator an.

„Die Schüler haben das super gemacht, waren sehr überzeugend und haben sich gut um uns gekümmert“, sagt die „verletzte“ Lehrerin Natalie Saar. „Die Handgriffe saßen, auch den Halsstabilisator haben die Jungs sehr gut angelegt.“ Leon hatte die Aufgabe, die umstehenden Schüler auf Abstand zu halten, damit die Sanitäter ungestört Erste Hilfe leisten konnten.

20 Mädchen und Jungen der siebten bis neunten Jahrgänge sind zurzeit in der Schulsanitäts-AG aktiv, sagt Lehrer Björn Siemers, der die Übungen geplant hat. Jannik Böttjer von der sogenannten realistischen Unfalldarstellung der Johanniter Delmenhorst hatte die Beteiligten geschminkt, die Wunden sahen täuschend echt aus. Viele der Schüler, vor allem die jüngeren, gingen zunächst von einem echten Unfall aus. „Einige Fünftklässler sind richtig böse geworden, als sie sahen, dass ich für unsere Dokumentation die Versorgung der Verletzten mit meinem Handy fotografiert habe. Sie gingen von einem Ernstfall aus“, sagt Siemers.

In der ersten großen Pause hatte sich gestern bereits ein weiterer Vorfall ereignet: In dem Szenario hatten sich zwei Mädchen geprügelt und gegenseitig verletzt. „Die Sanitäter und das Lehrerkollegium wussten, dass es Übungen sind“, so der Pädagoge.

Von Februar bis zu den Sommerferien haben die Mitglieder der AG mit 50 Stunden eine laut Siemers recht intensive Ausbildung in Erster Hilfe erhalten. „Im Anschluss daran organisieren wir immer einen Aktionstag, damit die Schüler Einsatzerfahrungen sammeln und lernen, auch unter Druck zu helfen.“ Für die anderen Schüler sei es zudem ein positives Signal, dass die Sanitäter schnell Hilfe leisteten.

Wie neulich, als sie eine Praktikantin im Lehrerzimmer versorgen mussten, die wahrscheinlich wegen eines Kreislaufzusammenbruchs nicht mehr ansprechbar war. „Die Sanitäter haben wirklich toll gehandelt. Die Lehrer nehmen die Schüler in ihrer Rolle sehr ernst und lassen sie das machen, was sie gelernt haben“, sagt Schulleiter Michael Triebs. Überhaupt sei er sehr stolz auf das, was die Mitglieder der AG leisteten.

Einsätze im dreistelligen Bereich habe es im vergangenen Schuljahr gegeben, berichtet Siemers. Meist seien es kleinere Verletzungen gewesen wie aufgeschlagene Knie oder Insektenstiche, aber auch Bauch- oder Kopfschmerzen. „Die Sanitäter kümmern sich dann, bis die Eltern den Kranken abholen.“

Die neu ausgebildeten Ersthelfer zeigten sich zufrieden mit ihrem ersten großen Einsatz. „Ich war ein bisschen unter Stress, weil so viele zugeschaut haben, aber es hat gut geklappt“, sagt der 13-jährige Tom, dessen Cousin ebenfalls in der AG gewesen war und ihn motiviert hatte, dort mitzumachen. Alica hingegen hat die Umstehenden einfach ignoriert. „Ich habe getan, was nötig war.“

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