„Eine Schule für die Gemeinschaft im Ort“

Mit einem Festakt feiert die KGS Brinkum ihr 40-jähriges Bestehen

Schlammschlachten gab es an der KGS bislang nur bei Schulfesten, hier im August 1983. - Fotos: Kähler

Brinkum - Von Andreas Hapke. Diese Schule hat Atmosphäre. So habe er es empfunden, als er die KGS Brinkum zum ersten Mal betreten habe, sagt Leiter Michael Triebs. Siebeneinhalb Jahre ist das jetzt her. Bereut habe er den Schritt von Hannover nach Stuhr nicht. Im Gegenteil: Heute spricht Triebs von einer „spannenden, quirligen Schule. Wenn man aufschreibt, was hier alles passiert, ist das brachial viel.“ Das wird auch am Freitag, 23. September, zum Ausdruck kommen. Dann feiert die KGS ihr 40-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung in der Mensa beginnt um 16 Uhr.

In einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung hat der ehemalige Brinkumer Gemeindedirektor Hermann Rendigs die KGS als ersten Erfolg der 1974 umgesetzten Gebietsreform bezeichnet. Die Stuhrer hätten in einer gemeinsamen Anstrengung ihre Schule auf den Weg gebracht.

Otto Kähler, Lehrer der ersten Stunde, kann das bestätigen. Er erinnert sich an „anstrengende und fruchtbare“ Ausschusssitzungen, mit Einigkeit „über alle Parteien hinweg“. Schon vor der Verwaltungsreform habe in den einzelnen Ortsräten Konsens bestanden, etwas für die Schüler zu tun, die ein Gymnasium besuchen wollten. Sie sollten vor Ort diese Möglichkeit erhalten. „Das Land gab vor, dass ein Gymnasium nur in Verbindung mit einer Gesamtschule entstehen dürfe“, berichtet Kähler. Fortan sei es ein dreiviertel Jahr darum gegangen, ob die Schule als kooperative oder integrative Gesamtschule an den Start gehen soll, als KGS oder IGS.

Es war noch die Gemeinde Brinkum, die am 4. Januar 1974 die Einrichtung einer KGS mit einem Haupt- und einem Realschulzweig sowie einem gymnasialen Angebot einreichte, und zwar für die Ortsteile Fahrenhorst, Groß Mackenstedt, Heiligenrode, Seckenhausen und Brinkum. Die Gebietsreform mit Gründung der Großgemeinde Stuhr ging erst zwei Monate später über die Bühne. Die KGS startete im August 1976 in den Räumen an der Feldstraße, im August 1977 nahmen die drei Schulen ihren Unterricht im neuen Gebäude am Brunnenweg auf. Innerhalb von fünf Jahren, mit Einrichtung der Oberstufe, schnellte die Schülerzahl von 1 100 auf mehr als 2 000 in die Höhe. Heute hat sie sich auf rund 1 500 eingependelt.

Chronik dank Otto Kähler

Für Kähler waren die Anfänge die wohl stressigste Phase seiner Lehrerlaufbahn. Er fungierte kommissarisch als stellvertretender KGS-Leiter, als Leiter ihres Hauptschulzweigs und als Leiter der auslaufenden Hauptschule in Brinkum. Nach einem Jahr schied sein Kollege Adolf Wähner aus, und es kam die Leitung des Realschulzweigs der KGS und der auslaufenden Brinkumer Realschule hinzu. Zudem war Kähler nun kommissarischer Leiter der KGS. Erst 1979 übernahm Erich Kamphenkel als erster Direktor das Ruder.

„Ich hatte nur meine fünf Stunden als Hauptschulleiter für Verwaltungsaufgaben zur Verfügung. Dabei musste ich damals sogar die Busfahrpläne ausarbeiten“, erinnert sich Kähler, der sich um die Chronik der KGS verdient gemacht hat. Auf der Homepage der Schule lässt sich alles über deren Entstehung und Entwicklung nachlesen.

Daraus geht auch hervor, dass das Gebäude für die 1980 beantragte Oberstufe zum Schuljahr 1982/83 bezogen werden konnte. Im Schuljahr 1986/87 folgte der Bau einer weiteren Sporthalle. „Gebaut wurde hier eigentlich immer“, sagt Kähler.

Davon kann auch Triebs ein Lied singen. Bei seinem Antritt im Februar 2009 habe die Politik ihre Pläne für die energetische Sanierung schon in der Schublade gehabt und nur auf einen Leiter gewartet, der dies begleitet. Triebs brachte sich sofort gestalterisch ein. Er schlug vor, das damals nur zur Hälfte fertiggestellte Haus C weiterzubauen und dort die Chemie- und Biologieräume unterzubringen. So kam es auch. Die energetische Sanierung der KGS bgann im Sommer 2011 und soll nach Auskunft von Detlef Gellert, im Rathaus Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Freizeit, noch 2017 beendet sein.

Dreck und Lärm durch Baufahrzeuge

Bin ich Leiter der Schule oder Leiter einer Baustelle? – diese Frage habe er sich in den vergangenen Jahren hin und wieder gestellt, scherzt Triebs. Einschränkungen habe es zuhauf gegeben. Jahrgänge hätten in unterschiedlichen Bereichen der Schule untergebracht werden müssen, es habe Dreck gegeben und Lärm durch Baufahrzeuge. „Alle haben es tapfer ertragen, dass stundenlang in Beton gebohrt wird“, sagt Triebs. Doch es habe sich gelohnt: „Wir haben alle Ziele erreicht. Es ist schön geworden hier. Es gibt viel Licht, eine warme, freundliche Atmosphäre. Die Raumluft ist viel angenehmer als früher.“

Farbenfrohes Schulfest im Oktober 1986.

Parallel zum baulichen ging der personelle Umbruch vonstatten. Seit 2010 habe er 50 Kollegen in den Ruhestand verabschiedet und ebenso viele neu eingestellt, sagt Triebs. Aus der Schulleitung seiner Anfangszeit seien nur zwei Kollegen übriggeblieben. „Die gewachsenen Strukturen müssen sich erst wieder finden. Die Schule wächst praktisch ein zweites Mal zusammen.“

Zur bewegten Geschichte der KGS gehören auch die Ernennung zur Expo-Schule, die Umwandlung zur offenen Ganztagsschule, die Einführung von Schulinspektionen und Inklusion, das Abitur nach zwölf und die Rückkehr zum Abi nach 13 Jahren, die Anstellung zweier Schulsozialpädagogen – und die Tatsache, dass die Schule gar nicht mehr im Schulgesetz verankert ist, sondern „nur noch“ Bestandsschutz hat. „Doch wir brauchen ein schulisches Angebot, das zur individuellen Entwicklung eines Kindes passt“, sagt Triebs. Deshalb ist er sich sicher, dass die KGS, diese „Schule für die Gemeinschaft im Ort“, auch ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Welche Umbrüche auch immer bis dahin noch folgen werden.

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