60 Jahre Warwer Siedlung

Chance auf Neuanfang genutzt

Die Bewohner der Siedlung und ihre Gäste denken an die Anfänge vor 60 Jahren zurück. Unser Bild zeigt Robin Gramb (v.l.), Katja Gramb, Christel Bieber, Erika Kleemeyer, Hartmut Bieber, Herbert Becker und Klaus-Dieter Kleemeyer. - Foto: Ehlers

Warwe - Von Heiner Büntemeyer. Bis vor 60 Jahren bestand das Gelände der heutigen Warwer Siedlung lediglich aus Sandhügeln, die von Strauchwerk und Bäumen bewachsen waren. Das änderte sich jedoch mit der zunehmenden Zahl von Vertriebenen und Flüchtlingen, die in der Region Zuflucht gesucht hatten.

In Erinnerung an die Anfänge feierten die Bewohner am Sonnabend das 60-jährige Bestehen „ihrer“ Siedlung. Eigentlich kein klassisches Jubiläum, doch die Warwer drückten beide Augen zu und würdigten die Anfänge ihrer Heimat. Die damals geflüchteten Männer, Frauen und Kinder lebten in meist sehr beengten Verhältnissen auf den Höfen der Umgebung. Doch das war keine Dauerlösung. Darum waren die Kommunen gefordert, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und geeignetes Gelände ausweisen.

Dort sollten die Siedler größere Grundstücke erwerben, auf denen sie zumindest im Nebenerwerb auch Landwirtschaft betreiben konnten. Auch fast zehn Jahre nach Kriegsende betrachteten die Einheimischen die Vertriebenen mit Argwohn. Kein Wunder, dass auch anderenorts die Siedlungen der Fremden mit deutlichem Abstand zum alten Ortskern entstanden und dann im Volksmund oft als „Klein-Korea“ oder „Klein-Texas“ verspottet wurden.

Die „Treuhand“-Genossenschaft organisierte den Bau der Warwer Siedlung. Sie kaufte für die Bauherren preiswertes Material ein und stand ihnen beratend zur Seite. Die Grundstücke waren zwischen 1.600 und 1.200 Quadratmeter groß. Die Eigentümer mussten auf ihnen ihr Wohnhaus und ein Stallgebäude errichten. Die Bauzeichnungen stammten alle vom selben Architekten. Die Neusiedler nutzten ihre Chance und griffen zu. Die Kredite waren günstig und die Aussicht auf Wohneigentum und damit ein dauerhaftes, eigenes Zuhause war ihnen jede Mühe wert.

Auch Herbert Becker und Grete Schymik gehören zu diesen neuen Siedlern. Beide erinnern sich gut daran, wie sie als junge Leute ihren Eltern halfen, das Gelände einzuebnen und als Bauplatz herzurichten. So errichteten die Häuslebauer zunächst Holzverschläge, in denen sie das Werkzeug lagerten und in denen sie manchmal auch übernachteten. „Alle packten mit an, und man half sich gegenseitig“, beschreibt Herbert Becker den Zusammenhalt unter den Siedlern. Als schließlich die 19 Häuschen fertig waren, zogen die Bewohner gemeinsam einen Jägerzaun um die Siedlung und pflanzten Bäume auf dem Dorfplatz.

Dorfplatz mit Bäumen bepflanzt

Dieser war ursprünglich als Kinderspielplatz vorgesehen, aber die Anlieger waren der Meinung, die Kinder hätten genug Platz zum Spielen. So pflanzten sie Bäume, unter denen 60 Jahre später die Jubiläumsfeier über die Bühne ging.

Bis in die 1980er-Jahre waren viele Siedler Selbstversorger, holten das Gemüse aus dem eigenen Garten, hielten Hühner und Schweine. Was sie darüber hinaus benötigten, kauften sie im Tante-Emma-Laden von Familie Wehausen. Grete Schymik berichtet, dass sie in den 1960er-Jahren für einen Bassumer Gastwirt Bier verkaufte. Den Kühlschrank erwarb sie damals über den Stromversorger Hastra, der seinen Kunden nicht nur die Energie, sondern auch gleich die Kühlschränke lieferte.

„In den 60 Jahren ist vieles viel besser geworden“, findet sie. Aber sie erinnert sich gerne daran, dass der Zusammenhalt innerhalb der Nachbarschaft besser gewesen ist. Ihrer Meinung nach ist das darauf zurückzuführen, dass sich die Anzahl der Siedlungshäuser inzwischen mehr als verdoppelt hat und die meisten Bewohner tagsüber auswärts arbeiten.

Erika Kleemeyer, Herbert Becker und vier weitere Anlieger haben die Feier vorbereitet. Zudem bestückten die Nachbarn ein üppiges Büfett mit Kuchen und Torte. Auch „Ehemalige“, die weggezogen sind, hatten die Warwer eingeladen.

Darüber hinaus schaute Bürgermeister Niels Thomsen bei der Feier vorbei. Viele der Anlieger und Gäste nahmen zudem die von Herbert Becker geschriebene Ortschronik unter die Lupe. Die zahlreichen Fotos aus alten Zeiten sorgten dabei sicherlich für so manche schöne Erinnerung und viel Gesprächsstoff.

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