Schüler designen Sarg nach ihren Vorstellungen

Sarg-Design im Unterricht: Bunt und fröhlich, statt dunkel und traurig

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Vivienne (r.) hat den Entwurf erstellt, den sie gemeinsam mit Sarah (l.) und ihren anderen Mitschülern auf dem Kiefernholzsarg in bunten Farben umgesetzt hat. 

Moordeich - Von Sandra Bischoff. Der Sarg ist kunterbunt. Fußabdrücke, Engelsflügel, ein großes rotes Herz, eine Leiter, die hinauf in den blauen Himmel ragt sowie Rasen in knalligem Grün zieren das Kiefernholz. Die Klasse G 9b der Lise-Meitner-Schule hat den Sarg gestern bemalt. „Wir möchten zeigen, wie solch ein Objekt aussehen kann“, sagt Stephan Lüllmann von der Firma Eberhard Hollmann.

Der Prokurist des Fachunternehmens für Friedhofs- und Bestattungsbedarf sieht es als eine Form von Trauerarbeit an, wenn Hinterbliebene dem Sarg des Verstorbenen ein individuelles Aussehen verleihen können. „Ich denke da in erster Linie an Kinder, die den Sarg ihrer Oma oder auch eines Eltern- oder Geschwisterteils verzieren können.“ Die Idee trug er vor einem Jahr an die Lise-Meitner-Schule heran.

Zusammen mit dem didaktischen Leiter Josef Fittkau und Marion Kröger, Fachbereichsleiterin für musisch-kulturelle Bildung und Religion, diskutierte er, wie das Vorhaben umzusetzen sei. „Die Themen Leben, Sterben und Tod sind feste Bestandteile des Religionsunterrichts in der zehnten Klasse, das Thema Design mit dem Schwerpunkt Produktdesign, gehört in den Kunstunterricht des neunten Jahrgangs“, berichtet Kröger. So bot es sich an, das etwas ungewöhnliche Projekt in den Kunstunterricht des neunten Gymnasialjahrgangs einzubetten.

Bevor es jedoch ans Malen ging, herrschte die Theorie vor. „Wir haben zuerst ganz offen darüber gesprochen, was die Schüler davon halten, und geschaut, ob es jemanden gibt, der beim Designen eines Sargs nicht mitmachen möchte.“ Aber alle Mädchen und Jungen fanden den Ansatz gut, und so begannen sie vor den Herbstferien, die ersten Entwürfe zu zeichnen.

„Ich wollte nichts Abstraktes“

Die Klasse wählte die Besten aus, und der Prokurist und die Pädagogin entschieden schließlich, welches Motiv den Sarg zieren sollte. Lüllmann hatte relativ klare Vorstellungen: „Ich wollte nichts Abstraktes, sondern habe mir vorgestellt, was ich als Kind gemalt hätte: So etwas wie Fußabdrücke oder Strichmännchen, die den Verstorbenen inmitten seiner Familie darstellen.“

Den Entwurf von Vivienne setzte die Klasse schließlich gestern mit Acrylfarben um. „Ich wollte etwas Positives vermitteln, die Engelsflügel beschützen, und Menschen hinterlassen eben ihre Fußabdrücke“, erklärt sie ihre Idee.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die G 9b dem Unternehmen in direkter Nachbarschaft zur Schule einen Besuch abgestattet und sich von Stephan Lüllmann den Betrieb zeigen lassen.

Eine Scheu vor Särgen hatten die Jugendlichen nicht. „Warum auch, es liegt ja keiner drin. Wir machen einer Familie eine Freude mit solch einem Sarg“, sagt Leon. Ähnlich sieht es Sarah: „Als der Sarg da so nackt stand, war das traurig. Jetzt hat man vielleicht ein bisschen Freude in seiner Trauer.“

Lüllmann will ein Foto des Sargs auf der Homepage seiner Firma veröffentlichen. Als Beispiel, wie ein selbst bemalter Sarg aussehen kann. „Vielleicht meldet sich ja sogar ein Bestatter, der ihn kaufen will.“

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