Hohe Nitratbelastung des Grundwassers

„Der Bürger ist der Verlierer“

Diplom-Physiker Harald Gülzow (l.) nimmt Brunnenwasserproben an seinem Labormobil in Brinkum an. - Archivfoto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. 131 Milligramm Nitrat pro Liter und damit 81 Milligramm mehr als der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung vorsieht – dieses Ergebnis haben die Mitarbeiter des VSR-Gewässerschutz für einen privat genutzten Brunnen in Groß Mackenstedt nachgewiesen. Es war der Spitzenwert unter den insgesamt 88 Brunnenwasserproben, die Bewohner aus dem Raum Ganderkesee– Stuhr–Weyhe–Syke–Bassum Ende Juni am Labormobil bei Diplom-Physiker Harald Gülzow in Brinkum abgegeben hatten (wir berichteten).

Laut VSR-Gewässerschutz lag die Nitratkonzentration bei jeder sechsten untersuchten Probe oberhalb des Grenzwertes. Stark verschmutzte Brunnen registrierten die Umweltschützer auch in Wachendorf mit 125 Milligramm pro Liter (mg/l), in Varrel (104 mg/l), in Ristedt (97 mg/l), in Syke (90 mg/l), in Moordeich (85 mg/l), in Barrien (77 mg/l), in Neukrug (70 mg/l) sowie in Kätingen und Leeste (jeweils 68 mg/l). Dies seien alles „viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser“.

Wie Gülzow auf Nachfrage erklärt, kommen auch Werte über 100 mg/l in dieser Region „häufig“ vor. „Im Bereich Cloppenburg haben Sie bei intensiver landwirtschaftlicher Nutzung auch Werte über 200 mg/l.“ Wo genau die Ursache für das Messergebnis in Groß Mackenstedt liegt, könne er nicht sagen. Der Nährstoffeintrag könne in unmittelbarer Nähe passieren oder zehn Kilometer entfernt. „Grundwasser ist ein Strom, der fließt.“

Bei Überschreitung der Grenzwerte sei das Wasser nicht mehr zum Trinken geeignet, heißt es in der Mitteilung des VSR. „Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird“, schreibt der Verein weiter. Es bestehe die Gefahr, dass es zu einer Massenvermehrung von Algen komme, was wiederum zum Fischsterben führe. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser sei zu bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr komme. Wer düngt, müsse dies in seinen Berechnungen mit einbeziehen.

Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Die gemessenen Nitratkonzentrationen zeigten einen deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft. „Wir haben in Deutschland ein Nitratproblem“, sagt Gülzow gegenüber dieser Zeitung. „Das müssen Politik, Umweltschutz und Landwirtschaft gemeinsam lösen.“

Der bisherige Entwurf zur Novellierung der Düngeverordnung reicht laut VSR nicht aus. Dies habe auch die Kommission der Europäischen Union festgestellt und eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof eingereicht. „Der VSR-Gewässerschutz begrüßt diesen Schritt der EU-Kommission“, heißt es in der Mitteilung.

Zurzeit sei der Bürger der Verlierer. Grund: Da es für die Versorger künftig immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l einhält, würden die Preise für Leitungswasser steigen. Dies sei umso ärgerlicher, da viele Gartenbesitzer schon heute wegen der Brunnenwasserbelastung auf Leitungswasser ausweichen müssten.

Bürger, die im Juni den Termin am Labormobil verpasst haben, können ihr Brunnenwasser dem Verein mit der Post zuschicken. Informationen dazu gibt es im Internet.

www.VSR-Gewässerschutz.de.

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