CDU und Grüne beantragen Konzept für Verbesserung der Verkehrssituation

Auswege aus der Stuhrer Mobilitätsfalle?

Passend zum Antrag ist Grünenchefin Kristine Helmerichs im Mobilitätstrikot aufgelaufen. Gemeinsam mit CDU-Fraktionschef Frank Schröder präsentiert sie den Antrag, der auf eine Reduzierung des Individualverkehrs abzielt. - Foto: Husmann

Stuhr - Von Andreas Hapke. Zu den schönen Seiten des Wahlkampfs zählt laut Grünenchefin Kristine Helmerichs, dass die Politiker ständig zusammen vor Supermärkten stehen. Bei einer solchen Gelegenheit haben sie und der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schröder festgestellt: Stuhr benötigt ein umfassendes Mobilitätskonzept. Gemeinsam haben die Fraktionen ihre Überlegungen in einem Antrag formuliert und gestern im Treff der Christdemokraten vorgestellt.

Das Schreiben trägt den Namen „Mobilität der Zukunft – Erstellung eines nachhaltigen und wirtschaftlich umsetzbaren Mobilitätskonzeptes für die Gemeinde Stuhr“. Darin enthalten sind nach Ansicht der Initiatoren einige Instrumente, die Stuhr unabhängig von Großprojekten in und mit Bremen selbst in Angriff nehmen kann.

Helmerichs spricht von der „Mobilitätsfalle“, in der Stuhr stecke. Sie nennt das Warten auf die „Bundesstraße  6 neu“ als Beipiel, ebenso das fehlende Stück im Süden des Bremer Autobahnrings, die A 281. „Das verursacht auch Probleme bei uns.“ Und ausgerechnet jetzt, „wo wir die Linie 8 dringend brauchen“, verzögert das jüngste Urteil den Startschuss für die Straßenbahn von Huchting über Stuhr nach Weyhe (wir berichteten).

Neben dem gerichtlich verordneten Aufschub für die Linie 8 sieht Schröder die „Katastrophe“ auf der Bundesstraße 322 als Auslöser für den Antrag. Damit meint er die Staus infolge von Bauarbeiten auf der A 1 und der B 75. „Wir müssen jetzt etwas tun.“ Zumal „Stuhr selbst viel Verkehr produziert“, wie Helmerichs ergänzt.

„Der Verkehr muss flüssiger werden“

Beiden Politikern ist klar: „Mit Einzelmaßnahmen kommen wir nicht weiter.“ Deswegen haben sich ihre Fraktionen das große Ganze vorgeknöpft – zwecks „Schaffung von attraktiven Alternativen“, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs innerhalb der Gemeinde sowie zwischen Stuhr und den Nachbarkommunen langfristig zu reduzieren, wie es im Antrag heißt.

Vorbehaltlich der Beschlüsse durch die politischen Gremien kommt eine Menge Arbeit auf die Verwaltung zu. Die soll zum Beispiel prüfen, wie sich eine Optimierung der Taktzeiten im Linienbusverkehr zwischen Stuhr und Bremen umsetzen lässt. Grüne und CDU wünschen sich 30-Minuten-Takte insbesondere morgens und abends. Darüber hinaus sollen Linienbusse durch entsprechende Ampelschaltungen Vorrang vor anderen Fahrzeugen erhalten, gegebenenfalls auch durch Busspuren. „Der Verkehr muss einfach flüssiger werden“, sagt Schröder.

Lassen sich die bestehenden Trassen der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn (BTE) und der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) schon vor dem Straßenbahnstart für einen schienengebundenen Personennahverkehr nutzen? Wo könnten „Park&Ride“-Möglichkeiten entstehen, die für eine Entlastung des Durchgangsverkehrs aus dem südlichen Umland sorgen? Diese Fragen werfen die Politiker ebenfalls auf.

Außerdem sind die Anbindung Stuhrs an ein Fernbusnetz, Carsharing-Modelle sowie die Verbesserung von Radwegeverbindungen innerhalb Stuhrs nach Bremen weitere Bestandteile des Konzepts, das die Inititatoren als „wirtschaftlich tragbar“ und „innovativ“ bezeichnen.

Unter Berücksichtigung aller Aspekte möge der Rat die Verwaltung beauftragen, ein Mobilitätskonzept für Stuhr auszuarbeiten sowie für die „vermutlich“ erforderliche Machbarkeitsstudie oder Mobilitätsanalyse Mittel im Etat 2017 einzustellen. Dass der zuständige Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Soziales erst wieder im kommenden Jahr tagt, stellt für Helmerichs keine Hürde dar: „Man kann trotzdem einen Betrag x im Haushalt ausweisen.“

Als Auftakt für eine intensivere Zusammenarbeit in der neuen Wahlperiode wollen die beiden Fraktionschefs den Antrag übrigens nicht verstanden wissen. Helmerichs: „Man unterhält sich über Lösungen, und Lösungen haben wir schon in der Vergangenheit häufiger mit der CDU gefunden.“

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