Majanne Behrens und Jürgen Stahmann laden zur offenen Werkstatt ein

Sprechende Hände als zweite Fremdsprache

„Herzlich willkommen“, sagen Majanne Behrens und Jürgen Stahmann in Gebärdensprache. ·
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„Herzlich willkommen“, sagen Majanne Behrens und Jürgen Stahmann in Gebärdensprache. ·

Ringmar - Von Frauke AlbrechtWenn hörende und gehörlose Menschen zusammenkommen, sind sie auf Gebärden angewiesen, um sich zu verständigen. „Wäre es nicht wunderbar, wenn jeder diese Sprache beherrschen würde? Das wäre auch für viele Senioren, die im Laufe des Alters schwerhörig werden, eine Bereicherung. Sie wären wieder mitten drin im Leben“, ist Majanne Behrens überzeugt. Sie plädiert dafür, die Gebärdensprache bereits im Kindergarten zu lehren und sie später als zweite Fremdsprache in der Schule anzubieten.

Auf diese Idee ist die Künstlerin aus Ringmar gekommen, weil sie zusammen mit Jürgen Stahmann an einem Projekt arbeitet, für das beide die Gebärdensprache erlernen. Und in diesem Lernprozess haben sie die Vorzüge dieser Sprache entdeckt. „Die Qualität liegt in der Beobachtung. Man muss sich Zeit nehmen, muss seinen Gesprächspartner genau anschauen, weil viele Gebärden ähnlich aussehen, aber verschiedene Bedeutungen haben“, sagt Behrens. Die beiden Künstler vom Kranichhof sind mittlerweile große Fans der Gebärdensprache. Dabei war ihre ursprüngliche Intention eine ganz andere.

Im vergangenen Jahr wurden Majanne Behrens und Jürgen Stahmann von der Stiftung Niedersachsen als Preisträger nominiert (wir berichteten). Die Stiftung fördert soziokulturelle Projekte und bewilligte den Bassumern eine Förderung, um ihr Projekt „Die Entdeckung der Sinnlichkeit. All inklusiv: Alte Meister – Schräge Töne“ zu realisieren.

Zusammen mit hörenden und gehörlosen jungen Erwachsenen, Studenten und professionellen Künstlern erarbeiten Behrens und Stahmann die „Kaffeekantate“ von Johann Sebastian Bach aus dem Jahre 1734 neu – und wollen einen Gebärden-Chor gründen.

„Um miteinander kommunizieren zu können, dachten wir, wir lernen mal schnell die Gebärdensprache und realisieren dann das Projekt“, gesteht Behrens. Doch das Künstlerpaar hat schnell erkannt, dass es so nicht geht. Schließlich gehe es um die Wertschätzung der Gehörlosen und ihrer Sprache.

Um möglichst vielen Menschen die Gebärdensprache näherzubringen, und um Begegnungen mit Gehörlosen und Hörenden zu schaffen, laden die Ringmarer für den 1. und 9. Mai zu einem Kreativ-Workshop auf den Kranichhof ein.

Kultur made in Ringmar am 1. und 9. Mai

An beiden Tagen wird es Musik und Spiele geben – und jeder Besucher hat die Möglichkeit, an einem Kunstwerk mitzuarbeiten. Jeder kann eigene Ideen aus Ton verwirklichen, die später wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. Entstehen soll eine etwa zwei Meter hohe Skulptur. Titel: „Sprechende Hände“. Dieses Denkmal wirbt für den Wunsch, Gebärdensprache als Zweitsprache für hörende Kinder und Schüler anzubieten.

Die offene Werkstatt beginnt um 12 Uhr und ist bis 18 Uhr geöffnet. „Wir hoffen auf viele Besucher – Hörende und Gehörlose. Picknicker sind uns willkommen. Aber jeder sollte schon eigene Verpflegung mitbringen“, so Behrens.

Wer Lust hat, kann mit ihr ein Lied in der Gebärdensprache einstudieren. Auch das ist Teil des Projektes zum Thema Inklusion.

Mittlerweile sei das Wort Inklusion, „übrigens ein blödes Wort“, findet Behrens, in aller Munde. Bei der Umsetzung bedarf es eines gewissen Fingerspitzengefühls – das sie manches Mal vermisst. So stutzt Behrens über die Überlegung, Förderschulen aufzulösen und stattdessen die Schüler ins normale Schulsystem zu integrieren. „Es gibt Überlegungen, Gehörlosen dann einen Dolmetscher an die Seite zu stellen“, so Behrens und kann darüber nur staunen. Teilhabe sehe anders aus – „beispielsweise wenn jeder Schüler Gebärden könnte“.

Übrigens gibt es bei Youtube einen Filmbeitrag von den beiden Künstlern. Titel: „Die Entdeckung der Sinnlichkeit“. Zu Wort kommt die Gebärdensprachlehrerin Doris Geist.

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