Drei Ortsfeuerwehren im Einsatz

Brennende Windkraftanlage in Scholen

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Vermutlich war es ein technischer Defekt, der das Feuer an der Windkraftanlage ausgelöst hat.

Scholen - Von Anke Seidel und Sylvia Wendt. Eine Windkraftanlage im Bereich der Gemeinde Scholen geriet aus bislang ungeklärter Ursache am Freitagvormittag in Brand. Vor Ort sind die Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Neuenkirchen, Anstedt und Scholen. Der Bereich ist großflächig abgesichert, damit die Windkraftanlage kontrolliert abbrennen kann.

So einen Einsatz hat Kreisbrandmeister Michael Wessels noch nicht erlebt. Die Feuerwehr ist zur Untätigkeit verdammt, kann den Brandherd in Höhe von mehr als 100 Metern weder erreichen noch löschen – und muss zusehen, wie immer wieder brennende Trümmerteile zu Boden fallen. 

In Scholen im Sulinger Land ist Freitagmorgen gegen 10.30 Uhr eine Windkraftanlage in Brand geraten. Vermutlich war es ein technischer Defekt, der um 9.40 Uhr Feuer und die schwarzen Rauchfahnen ausgelöst hat, die über die Landschaft ziehen. Bestätigen können das aber nur Untersuchungen von Brandermittlern.

Vor Ort sind gut 40 Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Scholen, Neuenkirchen und Anstedt. Mit ihren Fahrzeugen sperren sie den Bereich rund um die brennende Anlage in einem Radius von 500 Metern ab. Sie haben allerdings keine Chance, aktiv zu löschen: Das Feuer ist in zu großer Höhe ausgebrochen. Man könne eine in Brand geratene Windkraftanlage nur kontrolliert abbrennen lassen, heißt es.

Gerd Scharrelmann, stellvertretender Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Schwaförden, leitet den Einsatz. Die Mitglieder der drei alarmierten Ortsfeuerwehren wechseln sich ab, denn sie können nach dem Einrichten der Sicherheitszone nichts anderes tun als – warten. Und verhindern, dass Menschen der Anlage zu nahe kommen, sowie bereit sein für einen etwaigen Löschangriff am Boden. Denn: Man wisse nicht, wie lange die Flügel halten, ob sie abbrechen oder gesichert sind, so Scharrelmann.

Als brennende Trümmerteile aus den drei Flügeln – jeweils 35 Meter lang – in ein Feld stürzen und das Korn zu brennen beginnt, wollen Landwirte mit Güllefässern voller Wasser und Grubbern löschen. Doch die Feuerwehr hält sie zurück. „Es besteht Lebensgefahr!“, so Kreisbrandmeister Michael Wessels.

„Die Anlage steht noch unter Strom“, sagt der Kreisbrandmeister. Ein Fachmann der zuständigen Firma aus Schleswig-Holstein sei unterwegs. Erst wenn das Feuer erloschen ist, können sich Menschen der Unglücksstelle nähern.

Der Brand der Windkraftanlage lockt die Schaulustigen zuhauf an: Etliche Einsatzkräfte müssen die Zuwegungen zum Brandort kontrollieren, die Menschen zurückweisen, sie auf die Gefahren aufmerksam machen und generell die Weg freihalten für die Einsatzkräfte.

Erfahrungswerte und Regeln für einen solchen Brandfall gibt es nicht: „Die Vorschriften besagen, dass Windräder nicht brennen dürfen...“, bringt es Michael Wessels auf den Punkt. Laut Scharrelmann werde man Feuerwehr-intern das Thema „Löschen einer Windkraftanlage“ aufarbeiten.

Brennende Windkraftanlage in Scholen 

Am Nachmittag stürzt der zweite Flügel der Anlage zu Boden. Ein Techniker des Unternehmens unterbindet die Elektrizität in der Anlage. Am späten Nachmittag brennt es immer noch in Nabenhöhe. Ein Regenschauer, der über dem Bereich niedergeht, kann den Brand nicht vollständig löschen.

Die Feuerwehr ist noch bis zum Abend vor Ort und riegelt den Bereich ab, damit Menschen nicht zu Schaden kommen. Der Brand ist unter Kontrolle, die Sicherheitszone um die Anlage wird auf 200 Meter festgelegt, der Werkschutz hält Brandwache bis mindestens Montag, die Ortsfeuerwehr Scholen bleibt derweil in Alarmbereitschaft.

Offizielle Angaben über den Brandschaden gibt es noch nicht. Er dürfte ersten Schätzungen zufolge aber zwischen zwei und drei Millionen Euro liegen.

Die Feuerwehr hofft indes, dass ein solcher Einsatz die absolute Ausnahme bleibt. Allerdings stehen im Landkreis Diepholz 340 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 554 Megawatt, die pro Jahr 1,05 Millionen Megawattstunden Strom produzieren. Die Quote der regenerativen Energie liegt bei 109 Prozent (Quelle: energy map).

Die Gemeinde Scholen bringt es mit 18 WindkraftAnlagen (32 Megawatt) auf mehr als das Zehnfache: Die Quote liegt bei 1 137 Prozent, die Anlagen produzieren 58 183 Megawattstunden pro Jahr und damit mehr als das Zehnfache des Stroms, den die Bürger verbrauchen. Auf Platz zwei in diesem landkreisweiten Ranking liegt mit einer Quote von 1 056 Scholens Nachbar-Gemeinde Ehrenburg (29 Anlagen, 52 Megawatt und 112 508 Megawattstunden pro Jahr).

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