Kreissparkassenpläne verärgern Politik und Verwaltung

„Die Verlierer sind die älteren Mitbürger“

Die Geschäftsstelle in Schwaförden wird nach den Plänen der Kreissparkasse zum Jahresende komplett geschlossen.

Schwaförden/Ehrenb. - Betroffen von den Plänen der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz, das Filialnetz zu verkleinern (siehe Artikel auf der Seite „Kreis und Region“), ist im Sulinger Land ausschließlich die Samtgemeinde Schwaförden.

„Dass es hier noch vier Geschäftsstellen gibt – bei knapp 7 000 Einwohnern  – hängt mit der Situation zusammen, dass drei Mitbewerber, die Volksbanken Sulingen, Bassum und Vechta, hier präsent sind“, stellt Sparkassenvorstand Ralf Finke in einem Pressegespräch fest. Zum Jahresende soll die Geschäftsstelle Ehrenburg mit der in Neuenkirchen zusammengelegt und in eine Selbstbedienungs-Filiale umgewandelt werden, mit Geldausgabeautomat und Kontoauszugsdrucker – die Sparkasse in Schwaförden „geht auf“ in der in Sulingen, wird also komplett geschlossen.

„Wir sind nicht begeistert – eigentlich sogar bestürzt“, beschreibt Helmut Denker, Bürgermeister der Samtgemeinde Schwaförden und Gemeindedirektor der Mitgliedsgemeinden Ehrenburg und Schwaförden, die Gefühlslage in Politik und Verwaltung. „Die Kreissparkasse hat als Anstalt öffentlichen Rechts einen Grundversorgungsauftrag.“ Er bezweifle, dass diese Pläne dazu passen. Dass in Schwaförden „nichts bleiben soll, kein Geldautomat, kein Kontoauszugsdrucker, ist ein ziemlicher Aufreger, wir sprechen schließlich vom Grundzentrum der Samtgemeinde.“ Was nicht heißt, dass Denker der „SB-Lösung“ in Ehrenburg zustimmt: „Mit Service und Kundennähe hat das nichts zu tun.“ Er verweist auf die Anstrengungen der Gemeinden, die Infrastruktur vor Ort zu erhalten beziehungsweise auszubauen. Etwa die Breitband-Internetversorgung, gemeinsam mit dem Landkreis – „und in dieser Sache wird einem von jetzt auf gleich der Stuhl vor die Tür gesetzt. Der Verwaltungsrat, dem Kreistagsabgeordnete angehören, hat das mit beschlossen. Das ist nicht nachzuvollziehen.“ Für die Samtgemeinde kündigt Denker an: „Wir werden unsere Geschäftsbeziehungen zur Sparkasse überdenken.“

Er als Abgeordneter vor Ort sei von seinen im Verwaltungsrat der Kreissparkasse vertretenen Kreistagskollegen nicht informiert worden, ärgert sich Henning Jürgens. „Und sie müssten um die Auswirkungen des demografischen Wandels gerade im ländlichen Raum, wo der Anteil älterer Einwohner besonders hoch ist, wissen.“

Gemeinde Schwaförden wird Protest kundtun

Die Gemeinde Schwaförden wird in einem offenen Brief an Kreissparkasse und Landkreis ihren Protest kundtun. Dem möchte Bürgermeister Wilfried Schlichte nicht vorgreifen. Angesichts der bereits erfolgten Ausdünnung des Filialnetzes der Sparkassen in benachbarten Regionen seien die Pläne für ihn nicht überraschend – „aber es kann nicht sein, dass man die Sparkasse in Schwaförden ganz dicht macht. Und wenn seitens der Kreissparkasse gesagt wird, 50 Prozent der Kunden in der Samtgemeinde würden die SB-Angebote anderer Sparkassenfilialen nutzen, stellt sich natürlich die Frage: Was ist mit den übrigen 50 Prozent? Ich könnte mir vorstellen, dass vor allem ältere Einwohner zur Volksbank wechseln.“

„Das ist ganz großer Mist“, nimmt Ehrenburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Schumacher kein Blatt vor den Mund. „Im Rat haben wir die Entwicklung unserer Gemeinde im Auge, und da ist dieser Schritt kontraproduktiv und sehr ärgerlich.“ Die schwierige Situation der Banken in der Nullzinsphase sei ihm klar – er stelle allerdings fest, dass die Volksbank Vechta, die in Ehrenburg eine Filiale hat, „ein ganz anderes Prinzip verfolgt: Während die Kreissparkasse zentralisiert, hat sie ihre Geschäftsstellen gestärkt, die bei uns erst vor wenigen Jahren ausgebaut.“ Und die Geschäftszeiten erweitert, während die Sparkasse in Ehrenburg sie reduziert habe. Sicher, die jüngeren Generationen würden ihre Bankgeschäfte heute vor allem online erledigen. „Die Verlierer sind die älteren Mitbürger, die es ja teils schon vor Probleme stellt, eine Überweisung auszufüllen.“ Er wisse nicht, ob es „noch Verhandlungsspielraum gibt. Vielleicht kann die Gemeinde darauf hinwirken, dass die Filiale zwei, drei Mal in der Woche öffnet, im Sinne unserer älteren Einwohner.“ 

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