„Retrovil“ und „True Colors“ eröffnen Saison

„Unplugged ist etwas für Könner“

„True Colors“ verpackten bekannte und fast vergessene Perlen der Musikgeschichte neu. - Fotos: Kurth-Schumacher

Schmalförden - Von Martina Kurth-Schumacher. „Retrovil“ und „True Colours“ gehören zu den Musikgruppen, die auch ohne Firlefanz und großen Verstärker auskommen. Sie bescherten den 80 Gästen der Veranstaltung von „KulturGut Ehrenburg und umzu“ am Freitagabend „gekonnt entspannt“ einen ebenso unterhaltsamen wie musikalisch anspruchsvollen Abend.

„Nicht alle Bands sind in der Lage, ,unplugged‘ zu spielen – das ist etwas für Könner“, erklärte Hans-Jürgen Schumacher bei seiner Ankündigung von „Retrovil“ und „True Colors“, die abwechselnd das Bühnenprogramm bestritten. Ihre Gemeinsamkeiten: die Liebe zur Musik der 1950er bis 1980er Jahre, ihre Publikumsnähe und ihre von mehrstimmigem Gesang geprägten Arrangements. Eine weiteres Talent wies die Musiker beider Bands als Profis aus: Die wenigen Patzer lachten sie professionell weg. Dass sie altersmäßig mehrere Jahrzehnte trennen, offenbarte sich, als die einen ihre Textlücken am Mobile Sheet schlossen und die anderen in ihren Mappen nach passenden Noten suchten – zwei Generationen eben.

„Retrovil“ erwiesen sich als würdige Interpreten von Klassikern.

Frisch und frech der Auftakt von Retrovil mit „I saw her standing there“ von den Beatles und „Let’s rock“ (Elvis Presley) in der Smooth-Version. „Damit grooven wir uns ein“, erklärte Leadsänger Harald von Ohlen. Auch ohne den Gitarristen Andreas Lüschow, der kurzfristig ins Ausland „abberufen“ worden war, bot die Band eine reife Leistung. Harald von Ohlen (Vocals), Louis Knüpling (Drums, Vocals), Sebastian König (Guitar), Stefan Lüschow (Bass, Vocals) und Hanna Lüschow (Keyboard, Specials, Vocals) erwiesen sich als würdige Interpreten von Klassikern ihrer musikalischen Vorbilder, deren Songs sie nach eigenem Gusto eine persönliche Note verpassten.

Ob mit Sommer-Sonnen-Songs der Beach-Boys oder „Lagerfeuer-Klassikern“ von Simon & Garfunkel: Die jungen Musiker überzeugten mit einem perfekt aufeinander abgestimmten vierstimmigen Gesang und kongenialer Instrumentalbegleitung – das Publikum bescheinigte ihnen, dass sie das Zeug für das ganz große Parkett haben. Das fand auch „Soul Sister“ Mona (6), die alle Songs mitsang und vor der Bühne eine tolle Tanzshow hinlegte.

Tiefenrelaxed zeigten sich die Folk-Rocker Heinz Brinkmann (Gesang, Percussion, Tinwhistle), Martina Mönkedieck (Gesang, Violine) und Heinfried Uedemann (Gesang, Gitarre, Bluesharp, Mandoline) der Band „True Colors“. Sie hatten bekannte und fast vergessene „Perlen“ der Musikgeschichte neu sortiert und verpackt. In ungewöhnlichen Arrangements brachten sie etwa „Perfectly good guitar“ (John Hiatt), „Garden Party“ (Rick Nelson) oder „Bad moon rising“ (Creedance Clearwater Revival) zu Gehör. Szenenapplaus gab es für Heinz Brinkmann, der den Songs mit Conga- und anderen Percussion-Klängen neues Leben einhauchte.

„Jetzt noch Lindisfarne, und dann gehen wir uns Bett. Wir sind ja schon alt“, ulkte Brinkmann am Ende des langen Konzertabends. Belohnt mit langanhaltendem Beifall gab die Band mit einer letzten Zugabe noch „einen für den Weg“: „Country Roads, take me home...“ 

mks

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