Politik und Pächter befürchten Edeka-Aus in Rehden bei Famila-Neubau

„Wir liegen hier mitten im Fadenkreuz“

Ob die Bürger der Samtgemeinde Rehden auch noch in ein paar Jahren bei Edeka an der Dickeler Straße in Rehden einkaufen können, steht in den Sternen. Symbolbild: dpa
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Ob die Bürger der Samtgemeinde Rehden auch noch in ein paar Jahren bei Edeka an der Dickeler Straße in Rehden einkaufen können, steht in den Sternen. Symbolbild: dpa

Rehden - Von Marcel Jendrusch. Die Aufregung in der Samtgemeinde Rehden ist groß. Der Grund liegt jedoch nicht in der Samtgemeinde selbst, sondern außerhalb. Der am Diepholzer Bahnhof geplante Famila-Markt bereitet Politik und Einzelhandel große Sorge – ihrer Meinung nach steht die Existenz des Rehdener Edeka-Marktes auf dem Spiel.

„Normalerweise mischen wir uns nicht in die Bauleitplanung der Nachbargemeinden und -städte ein“, sagt Hartmut Bloch, Bürgermeister der Samtgemeinde Rehden. Es sei das erste Mal, dass die Samtgemeinde im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens Einwände gegen ein Bauvorhaben außerhalb der eigenen Grenzen erhebe. „In diesem Fall geht es aber nicht anders.“

Für den Edeka-Markt an der Dickeler Straße bedeute der Famila-Neubau über kurz oder lang das Aus. Laut Bloch könne der Betrieb des Supermarktes durch die zu erwartende Umverteilung der Umsätze nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.

Einer, der es noch genauer weiß, ist Ernst Brinkmann. Er ist seit dem Jahr 2003 Pächter des Edeka-Marktes und blickt alles andere als hoffnungsvoll in die Zukunft. „Die Konkurrenz ist jetzt schon groß“, sagt Brinkmann. Durch die E-Center in Diepholz und Sulingen habe er bereits Mitbewerber aus dem eigenen Hause zu verkraften. „Wir liegen hier mitten im Fadenkreuz. Kommt Famila, rechne ich mit Mindereinnahmen von mehr als zehn Prozent“, erläutert der Pächter weiter.

Brinkmanns Pachtvertrag läuft noch bis zum Jahr 2021. Sein Markt ist knapp 800 Quadratmeter groß, er beschäftigt 18 Mitarbeiter. Einem weiteren großen Supermarkt könne er kaum etwas entgegensetzen. „Ich kann nicht mal eben das Sortiment erweitern oder anbauen.“ Er wisse nicht einmal, ob er bei weiterer Konkurrenz den laufenden Pachtvertrag erfüllen könne. „Vielleicht ist dann sogar vor 2021 Schluss.“

Brinkmann macht deutlich, dass die Gemeinde Rehden durch ein mögliches Aus des Marktes nicht nur einen sogenannten Vollsortimenter verliere, auch die Postagentur, die Lotto-Annahmestelle und das Café wären betroffen.

Rehdens Bürgermeister Wilhelm Grelle sieht durch einen Wegfall des Marktes die Attraktivität des Ortes stark beeinträchtigt. „Unser Seniorenzentrum besteht jetzt etwas mehr als ein Jahr. Wir sind froh, dass Mitarbeiter und Bewohner den Markt fußläufig erreichen können. Fällt so etwas weg, ist das sehr schlecht“, sagt Grelle.

Hartmut Bloch verweist auf den jetzt schon überdimensionierten Lebensmittel-Einzelhandel. Mit dem E-Center, dem Combi-Markt, zwei K-und-K-Märkten, drei Netto-Märkten sowie Aldi und Lidl hätten die Bürger der Stadt Diepholz genug Möglichkeiten, Lebensmittel zu kaufen.

„Diepholz hat als Mittelzentrum im Bereich des periodischen Sortiments keine Versorgungsfunktion für die umliegenden Gemeinden“, betont Bloch. Die Versorgungsfunktion eines Mittelzentrums beziehe sich auf aperiodische Güter wie beispielsweise Bekleidung.

„Möchte man die Attraktivität der Innenstadt verbessern, sollten die Verantwortlichen in der Kreisstadt doch besser dort den Hebel ansetzen“, schlägt Bloch vor. „Es ist schon umständlich, wenn man zum nächsten Herrenausstatter nach Lohne oder Steinfeld fahren muss.“

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