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Das Puppenspiel als „Kontaktgeschichte“

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Foto: Grulke
Barbara Hache mit ihren Figuren aus dem neuen Puppentheaterstück „Rapunzel“. ·

Martfeld - Von Sabine GrulkeMal ist sie „Lumpen-Elli“, mal „Schweinita aus Vechta“– und am Sonntag kommt sie als „Rapunzel“ zu den Kindern. „Puppenschwester Barbara“, die mit vollem Namen Hache heißt, hat ein neues Stück kreiert. Am ersten Advent wird es um 16 Uhr in der Fehsenfeldschen Mühle Premiere haben.

Dabei wird es nicht ganz originalgetreu zugehen, zumindest nicht ganz so, wie es die Brüder Grimm aufgeschrieben haben: Anstelle der bösen Fee ist diese eine ängstliche Frau, die aus lauter Sorge um Rapunzel das Mädchen in den Turm sperrt. „Ich habe ein Buch 'Märchen vor Grimm' verwendet“, erklärt Barbara Hache. Die gelernte Krankenschwester und Diplom-Psychologin hat sich seit 33 Jahren dem Puppenspiel verschrieben.

Im Jahr 1988 zog sie mit ihrem Mann nach Martfeld: „Mit den Kindern aufs Land“ war die Devise. Zuvor hatte sie in Bremen studiert und dort beim Schnürschuh-Theater mitgemacht, in einer Rockband gesungen, „Carmen“ gespielt. „Ich bin schon immer kreativ gewesen“, erinnert sie sich. Die Familie kaufte das unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Pastorenhaus gegenüber der Fehsenfeldschen Mühle. Dort hat sich die Puppenspielerin mittlerweile nicht nur ein Büro, sondern auch einen Übungsraum eingerichtet. Da stehen ihre Bühnen, darin näht sie an der Maschine die Kleider für ihre Figuren und sammelt allerhand Utensilien, die sie für ihre Stücke gebrauchen kann.

Und diese Stücke schreibt sie teilweise auch selbst. Manche wie die „Geschichten aus dem Koschmosch“ sind für Kinder, manche wie „Lumpen-Elli und ihr Poetenkasten“ dagegen für Erwachsene gedacht. „Ich habe Lust auf Tabu-Themen“, sagt sie: Fürs nächste Frühjahr hat sie gemeinsam mit dem Musiker Thomas Denker ein Märchen für Erwachsene namens „Der Tod im Pflaumenbaum“ in Vorbereitung.

Was ihr noch vorschwebt, ist ebenfalls spannend: „Etwas über Kopfläuse“ möchte sie machen. Aber insgesamt sei ihr Theater nicht pädagogisch, sagt Hache: „Die Kinder sollen einfach nur Spaß haben.“ Sie ist auf Festen und Kindergeburtstagen unterwegs, hat auch schon vor Zweijährigen gespielt: „Ich spiele gerne für Kinder“, sagt sie. Sie habe sich eben das Puppenspiel ausgesucht, und das sei „die Essenz, die übrig blieb“ nach all dem, was sie ausprobiert habe.

Puppenspiel ist bei ihr „eine Kontaktgeschichte“. „Ich spiele nicht einfach nur vor, sondern spreche mit den Kindern“, sagt die Puppenschwester. So wird sie den kleinen Zuschauern am Sonntag auch Rapunzel als Baby zeigen und sogar deren Kinder, ein Zwillingspärchen. „Das wollen die Kinder nämlich auch sehen“, ist Barbara Hache überzeugt. Sie ist immer nah dran am Thema: „Das Kind in mir ist dicht unter der Oberfläche“, gibt sie zu.

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