Jochen Selbach beschäftigt sich mit Geschichte der Burlager St.-Marien-Kirche

Auf der Suche nach dem fehlenden Apostel

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Kirchenführer Jochen Selbach recherchierte zu den Apostelfiguren in der Klosterkapelle der Burlager Kirche. Der gebürtige Rheinländer kann auch sonst allerlei Wissenswertes zum Gotteshaus berichten. 

Burlage - Von Christa Bechtel. „Oft werden die Führungen auch im Anschluss an Familienfeiern wie goldene Hochzeiten oder Taufen nachgefragt. Weil immer deutlicher wird, dass das hier ein Kleinod an Denkmal, kulturhistorischem Schatz in Niedersachsen ist“, erklärt Jochen Selbach, der seit geraumer Zeit Führungen in der Kirche St. Marien zu Burlage übernimmt.

„Als ich vor zehn Jahren an den Dümmer kam, hat mir Karl-Heinz Schliep aus Marl durch seine begeisternde Führung die Marienkirche näher gebracht. Ihm war es wichtig, an das katholische Erbe des Gotteshauses zu erinnern und besonders die damals nur als Sakristei genutzte Klosterkapelle wieder als Ort der Ruhe, Einkehr und Besinnung zu öffnen“, blickt der gebürtige Rheinländer zurück.

Pastor Konrad Langrehr-Tell habe ihm dann die ehrenamtliche Aufgabe anvertraut, Besucher durch und um die Marienkirche zu Burlage zu führen. Beeindruckend seien die Jahrhunderte alten Grabplatten und die Friedensglocke im Außenbereich. Sein Schwerpunkt bei den Führungen sei ein dreifacher: „Zum Einen die ersten 500 Jahre dieser Kirche bis zur Reformation einzuordnen. Die meisten Leute staunen, wenn sie hier erfahren, dass Martin Luther nie in seinem Leben evangelisch war. Er wollte die alte und christlich in Schieflage geratene Kirche reformieren und nicht spalten“, akzentuiert der Kirchenführer begeistert mit leuchtenden Augen, der weiter die Zeit der Reformation bis heute mit der Neugestaltung als evangelisches Gotteshaus im 17. und 18. Jahrhundert und ihre gegenwärtige Bedeutung in den Fokus rückt.

Baubeginn zeitgleich mit dem Kölner Dom

Selbach gibt aber auch Ausblicke auf die ökumenische Entwicklung, zum Beispiel mit der monatlichen Abendandacht in der Klosterkapelle und auf 2017, dem Jahr des 500. Reformationsjubiläums. „Aus der Entstehungsgeschichte lässt sich nachweisen, dass die Anfänge der Marienkirche in Burlage und des Kölner Doms zeitgleich datieren, was mich als Rheinländer am Dümmer natürlich besonders erfreut“, bemerkt er verschmitzt lächelnd. „Man lernt immer an den Fragen der Besucher“, sagt Selbach, dem bei seinen Führungen ständig die Frage nach der fehlenden Apostelfigur in der Klosterkapelle gestellt wird. Nach dem „Tag des Offenen Denkmals“ begann er gründlich zu recherchieren.

Aufgestellt seien elf Figuren. „Nach den Evangelien und der Apostelgeschichte werden zwölf von Jesus in die Nachfolge berufene Apostel genannt. Wer also fehlt?“, wirft der frühere Schulleiter als Frage auf. Naheliegend sei die Vermutung, „dass Judas Iskariot fehlt, weil er Jesus verraten hat. Und die Frage nach der Apostelin Junia war gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als die Sandsteinfiguren nach Burlage kamen, kirchengeschichtlich noch nicht erforscht“, weiß Selbach.

In Blickrichtung zum Altar seien vorne rechts beginnend dargestellt: Petrus, der als Apostel Simon geheißen hat und den Namen Petrus von Jesus als „der Fels“ für seine Nachfolge als Erster erhalten habe. Dann Paulus, der gar kein von Jesus berufener Apostel gewesen sei. „Er wurde als ‚Apostel der Heiden‘ von den Kirchenvätern bestätigt“, veranschaulicht der Wahl-Hüder, der in seiner Zwischenrechnung feststellt, dass von den Zwölfen schon zwei fehlen.

Tatsächlich fehlen drei Apostel

Weiter aufgestellt seien Andreas, der Bruder des Simon Petrus, Jakobus der Ältere, Johannes, Bruder des Jakobus und Evangelist, Thomas, Philippus, Bartholomäus (Rufname Natanael bei zwei von vier Evangelisten), der Evangelist Matthäus, Simon Zelotes und Judas Thaddäus. Selbach: „Fehlen von den zwölf Aposteln in der Klosterkapelle also zwei, nämlich Jakobus der Jüngere und, wie schon richtig vermutet, Judas Ischkariot.“ Aber tatsächlich würden drei Apostel fehlen. Denn, so Selbach, nach Himmelfahrt sei für den „Verräter“ der Apostel Matthias nachgewählt worden.

„Aber wo bleiben die zwei fehlenden Evangelisten Lukas und Markus? Beide waren keine Apostel. Markus war Zeitzeuge und Begleiter unter anderem von Petrus. Und Lukas griechischer Arzt, der circa 60 Jahre nach Jesus authentische Berichte über das Leben und Wirken Jesu historisch dokumentierte. Es fehlen in der Klosterkapelle also drei Apostel.

„Das ist eine ganz schön spannende Erkenntnis bei der Suche nach einem fehlenden Apostel“, meint Jochen Selbach, dem die Recherche sichtbar große Freude bereitet hat.

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