Verschleißerscheinungen bereits ab dem 30. Lebensjahr / Prof. Blömer referiert

„Ritt durch die Wirbelsäule“

Gespannt lauschten die Rotkreuzler und Gäste dem Vortrag von Prof. Dr. Ulrike Blömer. - Foto: Bechtel

BROCKUM - Von Christa Bechtel. Das ‚A‘ und ‚O‘ ist Bewegung“, betonte Prof. Dr. Ulrike Blömer am Schluss ihres interessanten Vortrags im Niedersachsenhof in Brockum. Dort hatte sie im Rahmen des Frühstückstreffens zur Gesundheitsaufklärung, zu dem der DRK- Ortsverein „Altes Amt Lemförde“ zweimal im Jahr Mitglieder und Interessierte einlädt, zum Thema „Konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten der Wirbelsäule“ referiert.

„Das wird der ganze Ritt durch die Wirbelsäule“, hatte die Fachärztin für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie mit Praxis in Damme zum Auftakt herausgestellt. Es gebe eine Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, wo die Behandlungen unterschiedlich aussehen würden, erklärte die Fachärztin. Dass im Laufe des Lebens Rückenschmerzen auftreten, sei nicht ungewöhnlich, da jeder Mensch Verschleißerscheinungen habe oder kennen würde. „Jeder zweite Patient kommt wegen Rückenschmerzen; beim Hausarzt ist es jeder vierte“, unterstrich Blömer, dass das ein Leiden sei, „was fast jeden betrifft.“ Immerhin würden die Verschleißerscheinungen bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnen, so die Neurochirurgin, die ihrem Zuhörerkreis die Anatomie der Wirbelsäule näher vorstellte. „Ein knöchernes Skelett, wo die Bandscheiben dazwischen liegen. Da gibt es hinten auch kleine Gelenke, die eine Rolle spielen können“, erläuterte die Referentin.

Erste Fragen seien immer: Wie lange hat der Patient Schmerzen? Wohin strahlen diese aus? Wichtig sei jedoch, wie gut sich der Kranke bewegen könne. Erst nach einer intensiven Untersuchung könne man über weitere Maßnahmen wie Röntgen, „wo man den Verschleiß der Knochen feststellen kann“, oder MRT, CT nachdenken, meinte Ulrike Blömer, der zudem die neurologische Untersuchung wichtig ist. Aber auch, ob es ein akuter oder ein chronischer Schmerz sei. Als Therapie schlug sie Krankengymnastik oder muskelentspannende Schmerzmittel vor.

In der Halswirbelsäule gebe es häufig Bandscheibenvorfälle, aber auch Verengungen bis hin zu Tumoren. Ähnlich sehe es in der Brust- und Lendenwirbelsäule aus, wo noch Osteoporose hinzu kommen könne. Blömer: „Vorwölbungen hat fast jeder; mit zunehmendem Alter treten Verengungen auf.“ Wenn der Schmerz unerträglich werde oder es zu Lähmungen komme, werde operiert. „Ist der Nerv befreit sagen viele: Oh, der Schmerz ist weg“, weiß die Fachärztin aus ihrer jahrelangen Erfahrung. Es gebe aber auch Risikofaktoren, „die im Patienten liegen, wie Unzufriedenheit, die sich im Rücken festsetzt.“ Vierzig Prozent der Operierten hätten keine Schmerzen mehr. Es gebe aber auch Patienten die sagen: „Ich habe keine Dauerschmerzen mehr; 20 Prozent sind nicht zufrieden“, gab die Dammer Ärztin zu. Der Großteil könne den alten Beruf wieder aufnehmen, einige jedoch nur in Teilzeit arbeiten. Ihr Tipp: „Wenn es um Wirbelsäulenleiden geht, ist Wärme gut, die für Entspannung sorgt.“

Zum Ende ihres Vortrages, der von etlichen Fragen der Rotkreuzler und Gäste umrahmt wurde, ging Ulrike Blömer noch auf Wirbelsäulen Metastasen sowie die künstliche Bandscheibe ein. „Die implantiere ich aus Überzeugung momentan nicht“, da diese Behandlung ihrer Meinung nach noch nicht ausgereift sei. Am Schluss galt ihr Dank der Station 1 im Krankenhaus Diepholz, ihren Praxishelferinnen sowie den Radiologen in Damme und Diepholz. „Ohne sie könnte ich das alles nicht.“

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