Projekt ist erstes Element für Neugestaltung des Bereichs „Fischereiwesen“

Archäologen bauen Einbaum für Dümmer-Museum nach

Aus diesem mächtigen Stamm wird der Einbaum für das Dümmer-Museum in Lembruch gebaut.
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Aus diesem mächtigen Stamm wird der Einbaum für das Dümmer-Museum in Lembruch gebaut.

Lembruch - Von Christa Bechtel. „Wenn wir ganz schlimme Langeweile haben, machen wir so etwas in unserer Freizeit. Wenn wir ein bisschen Geld dafür bekommen, dann machen wir es noch lieber“, sagt der Archäologe Thorsten Helmerking schmunzelnd und sein Freund und Kollege, Archäologe Dr. Hans Joachim Behnke ergänzt: „Thorsten und ich sehen uns sehr selten im Jahr; eigentlich immer nur zum Bronze gießen oder zum Feuerstein schlagen. Dann ist solch ein Auftrag eine prima Gelegenheit, zwei Wochen lang etwas zusammen zu machen.“

Mit dem „Auftrag“ ist der Bau eines Einbaums gemeint, den die beiden Archäologen jetzt am Elternhaus von Helmerking in Barnstorf für das Dümmer-Museum Lembruch fertigstellen. „Dieser Auftrag hängt ursächlich mit der Rückgabe des Einbaums an das Landesmuseum Hannover zusammen, wo er seit Oktober präsentiert wird“, erläutert Lembruchs Museumsleiterin Sabine Hacke. Dieser Einbaum, der nachweislich das älteste in Norddeutschland erhaltene steinzeitliche Boot aus der Zeit um 3500 vor Christus ist, sei für sie die Klammer zwischen den beiden bedeutenden Fundplätzen Hüde I (dort wurde 1962 das Boot ausgegraben) und Huntedorf I, betont Hacke. „Die von der Zeitstellung nacheinander existiert haben. Aber dieser Einbaum zeigt: Die Leute sind wegen des Fischfangs zum Dümmer gekommen.“ Zudem würde das Boot sehr gut zu den anderen Funden der Region, wie die im Museum präsentierten Keramiken und Geräte von Hüde I passen.“ Aber: „Wir im Dümmer-Museum können nicht irgendeinen Einbaum präsentieren.“

Aus Fachkreisen habe sie des Öfteren den Rat bekommen: In Oldenburg oder Hannover gibt es noch Einbäume – hol dir doch so einen. „Das finde ich gegenüber den Besuchern des Dümmer-Museums nicht fair. Denn wir beschäftigen uns mit dem See und seiner Region. Dazu sollte schon ein Originalstück aus dieser Region gezeigt werden“, erklärt Sabine Hacke, wie die Idee für den Nachbau entstand.

Gesagt – getan! Aber wie komme ich an einen Baum? „Nicht irgendeinen, sondern der musste so breit sein, dass daraus ein Boot entstehen kann“, definiert die Museumsleiterin, dass der Baum einen Umfang von etwa 80 Zentimetern haben musste. Der Lembrucher Friedrich Eickhoff war dann bereit, eine Eiche aus dem Entenfang zu spenden. Die wurde Ende Januar gefällt und wog etwa 2,6 Tonnen, sodass drei Trecker im Einsatz waren.

Der Nachbau des Einbaums sei das erste Element für das Projekt „Neugestaltung im Dümmer-Museum zu dem archäologischen Bereich „Fischereiwesen“ im Neolithikum am Dümmer. Als zweites solle eine interaktive PC-Station entstehen, wo man Elemente zum Fischereiwesen, zum Bau von Einbäumen oder welche Fische man früher gegessen hat, finde. „Das ergänzt auch die Ausstellung so, wie sie bisher präsentiert worden ist“, veranschaulicht Hacke, die erklärend hinzufügt: „Der Nachbau orientiert sich an dem Original.“ Das geschehe in Abstimmung mit dem Landesmuseum Hannover (Dr. Stephan Veil).

„Ich habe jetzt viermal einen Einbaum nachgebaut“, verdeutlicht Dr. Hans Joachim Behnke, Leiter des archäotechnischen Zentrums Welzow, der lächelnd ergänzt: „Das Wichtige an so einem Einbaum, dass er sich nicht immer querstellt, ist natürlich erst mal streicheln.“ Mit Helmerking, der deutschlandweit als Museums- und Erlebnispädagoge tätig ist, drehte er den Baum passend. „Um ihn auszuhöhlen, den Kern herauszunehmen, damit die Spannung herauskommt.“ Mit Akribie, viel Herzblut, körperlichem Einsatz und mithilfe von eisenzeitlichem Werkzeug machten sich beide ans Werk. Und sie statteten sogar dem Original in Hannover einen Besuch ab. „Wie man baut, ist im Wesentlichen klar. Was uns interessiert ist die Form und zu versuchen, die Maße zu erschließen“, unterstreichen beide. Wie der Einbaum seiner Fertigstellung entgegen ging, darüber werden wir in Kürze weiter berichten.

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