Besonderes Konzept für Sprachlernklasse der Von-Sanden-Oberschule

„Gelebte Integration und Förderung“

Sie gehen voller Elan ins neue Schuljahr: Die Schüler der Sprachlernklasse der Lemförder Von-Sanden-Oberschule profitieren von einem neuen Konzept. J Foto: Bechtel

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Es geht um gelebte Integration und Förderung von Schülern, die hierhin gekommen sind“, sagt Kirsten Henseleit, Konrektorin der Lemförder Von-Sanden-Oberschule. Damit meint sie die 17 Prozent der Schülerschaft mit Migrationshintergrund, die der deutschen Sprache nicht in dem Umfang mächtig sind, um am Regelunterricht teilnehmen zu können, sondern die Sprachlernklasse (SLK) besuchen. Für sie haben Henseleit und ihre Kollegin Jana Ruder Ende Mai ein Konzept entwickelt.

„Das Konzept greift auf jeden Fall. Zumindest die Aspekte, die wir in Bezug auf die Kooperation mit den anderen Partnern beschrieben haben; das klappt wunderbar. Auch die Perspektiven, die wir den Schülern ermöglichen wollen. Wir haben erfolgreich neun der Sprachlernschüler an die Berufsbildenden Schulen nach Diepholz vermitteln können“, stellt Jana Ruder dar. Im neuen Schuljahr würden sowohl die Schüler, die bislang in die Klassen neun oder zehn gingen, als auch die Institutionen befragt. Folgen würde: „Dass wir uns zusammensetzen – auch in Konferenzen, wo besprochen wird, wer eine Perspektive hat in Bezug auf einen Erweiterten Realschulabschluss oder einen normalen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss“, zählt Ruder auf.

„Wir hatten im letzten Halbjahr des vergangenen Schuljahres die Situation, dass sehr viele Kinder und Jugendliche zu uns gekommen sind und wir leider nicht genügend Lehrerstunden zur Verfügung hatten. Da gab es dann eine Kooperation mit OLE – Orientierung Leben Entwicklung (früher Kinderheim Lemförde), die hier in der Schule unterstützend tätig gewesen sind. Um einen Teil der Schüler betreuen und unterrichten zu können. Zum Vorteil der Schüler, die dann hier in Deutschland ihren Weg suchen, finden und begehen werden“, veranschaulicht Schulleiter Marc Greve.

Er erklärt weiter: „Wir sind eine der Schulen, die am stärksten von Zuwanderung profitiert hat, was die Schülerzahlen anbelangt. Dadurch mussten wir im Vorfeld schauen, wie wir es irgendwie geregelt bekommen.“ Sehr schnell habe man festgestellt, „dass wir, was die Lehrkräfte anbelangt, zum Teil überfordert waren, weil einfach nicht die ausreichenden Lehrerstunden vorhanden waren. ‚Gott sei Dank‘ ist dann zum 1. Februar Frau Ruder zu uns gekommen, die einen Großteil ihres Stundenkontingents mit den Sprachlerngruppen zugebracht hat“, freut sich Greve. So habe man konzeptionell vernünftig arbeiten können.

Aber auch die Grundlagen seien gelegt worden. „Dass die Schüler irgendwann in den Regelunterricht einsteigen“, weist der Schulleiter auf die Vorgaben, die ihnen durch Erlasse gegeben werden. Dass nämlich Schüler maximal ein bis zwei Jahre Sprachlernklassen besuchen dürfen. Greve: „Einige Schüler absolvieren bereits zwei Drittel des Unterrichtes in der Regelklasse und kommen dort sehr gut zurecht.“ Vor allen Dingen, wo Sprache nicht solch eine große Rolle spiele, „haben wir schon ein paar Leuchttürme dabei, die unseren Schülern zeigen: wir können es ein bisschen besser“, zeigt sich der Pädagoge begeistert.

Bildungsstand unterschiedlich hoch

„Blitzmerker unterstützt in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium die individuelle Förderung der Sprachlernschüler. Nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Fächern. Weil die Schüler aufgrund verschiedener Biografien eine unterschiedliche Bildung genossen haben“, erläutert Blitzmerker-Inhaberin Stephanie Budke-Stambusch. Einige seien über mehrere Monate, vielleicht sogar Jahre, gar nicht zur Schule gegangen, da sie aus Kriegsgebieten kamen. „Oder es waren andere Lehrpläne gängig, sodass wir speziell gucken: was fehlt in Mathe, was fehlt in Englisch, um hier am laufenden Unterrichtsbetrieb erfolgreich teilzunehmen“, ergänzt Budke-Stambusch. „Die sind alle super motiviert, engagiert. Einige haben sogar den Schein zum Schulsanitäter gemacht“, akzentuiert Jana Ruder, dass die SLK-Schüler in allen Fachgebieten äußerst interessiert seien. „Es ist wirklich eine Freude, dort zu unterrichten. Auch wenn Sprachbarrieren da sind, die jedoch immer weniger werden“, bemerkt die Lehrerin, die mit 19 Stunden in der Sprachlernklasse tätig ist. Sie unterstreicht: „Die integrieren sich wunderbar in die normalen Regelklassen. Ich glaube, dass jeder einen guten Abschluss schaffen kann.“

Hier noch zwei Schülerstimmen: „Ich bin seit einem guten halben Jahr in Deutschland und würde gerne Abitur machen und auch gerne studieren“, erklärt der 16-jährige Nasser aus Syrien. Die Menschen in Deutschland seien sehr nett, meint der SLK-Schüler. Und: „Ich möchte hier bleiben“, betont Nasser, dass Deutschland für ihn jetzt seine Heimat sei. Doch erst einmal möchte er die neunte und zehnte Klasse beenden. „Vielleicht dann Abitur, um Arzt zu werden. Oder ich räume Mülleimer auf“, sagt er schmunzelnd.

„Ich bin seit neun Monaten in Deutschland und habe mit Frau Budke-Stambusch und Frau Ruder Deutsch gelernt. Wir haben auch mit anderen Schülern Unterricht; das ist gut für uns, weil wir so von anderen etwas lernen können“, definiert Alireza, der hofft, dass er jetzt nach den Sommerferien die zehnte Klasse absolvieren kann.

Mehr zum Thema:

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Neddener Advent

Neddener Advent

Meistgelesene Artikel

Weihnachtliche Kulturtage: Wintersonne sorgt für Hochbetrieb

Weihnachtliche Kulturtage: Wintersonne sorgt für Hochbetrieb

Schwerer Unfall auf Diepholzer Umgehungsstraße - Fahrbahn gesperrt

Schwerer Unfall auf Diepholzer Umgehungsstraße - Fahrbahn gesperrt

Polizei Syke schnappt Postdieb

Polizei Syke schnappt Postdieb

Fußgänger (45) stirbt nach Kollision mit einem Auto

Fußgänger (45) stirbt nach Kollision mit einem Auto

Kommentare