Satiriker Dietmar Wischmeyer zu Gast am Flachsee Dümmer

Besucher lechzen nach Sprache

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Dietmar Wischmeyer am Freitagabend im „Dümmerbrand“-Zelt in Lembruch: Längst nicht mehr nur in der Sparte „Kleiner Tierfreund“ oder „Macho Mike“. 

Lembruch - Von Simone Brauns-Bömermann. 550 Besucher lechzten nach Sprache, Zynismus und aktuell von Dietmar Wischmeyer durchgekauten und kommentierten Themen, die die Welt interessiert. Im „Dümmerbrand“-Zelt in Lembruch wünschten sich die Besucher: „Ich möchte mal wieder so richtig über derbe Sprache lachen.“ Dem Autor, Kolumnist und Satiriker und seit 2003 Ehrenmitglied im Verein der Deutschen Sprache ging es am Freitagabend auch darum, aber nicht nur.

Er sieht sich längst nicht mehr nur in der Sparte „Der kleine Tierfreund“, „Günther, der Treckerfahrer“ oder „Macho Mike“. Wischmeyer schreibt ein Buch nach dem anderen mit satirischen Inhalten, die das spiegeln, was ihn graust. Er ist quasi einer der Begründer deutscher Radio-Comedy, der ist er auch treu.

Einen nur mit zwanzigminütiger Luftholpause versehenen Nonstop-Eindruck der Bandbreite deutscher Sprache gab Wischmeyer, der als erster in seiner Familie das Abitur in Osnabrück baute und dann Philosophie und Literaturwissenschaften an der Universität Bielefeld studierte. „Seit ich letztes Jahr am Dümmer in Hüde war, ist in der Welt viel passiert“, beginnt er hinter einer Art Altar oder dem Pult einer Nachrichtensendung sein Programm. Und dann holt er aus und ist schon bei seiner schnellen Fäkalsprache angelangt, wenn er erklärt, warum der Mann seine „Klöten“ nicht ablecken kann, der Hund schon.:„Der Mann kommt da doch nicht ran.“

Beide Geschlechter werden gleich beleidigt

Zu Jan Böhmermann und Erdogan erklärt er den Unterschied zwischen einem Ziegenmelker aus der Spezies der Nachtschwalben und einen „Ziegenficker“. Er kommt dann zu den Lächerlichkeiten, die nach seiner Meinung viele Gesichter haben: Zu spezifischen Sommerthemen. „Ich möchte voranstellen, dass ich heute beide Geschlechter gleich beleidigen werde.“ Der Mann mit Adilette auf Tiergartenrasenmischung macht die Figur des Ritters von der traurigen Gestalt, während die Frauen im Biergarten nach Demeter-Säften fragen und der vom Servierburschen, der noch in der Deutschlernphase weilt, ein „Hier nix Säfte, hier Bier im Garten“ entgegenprasselt. Er hetzt durch die Sommer relevanten „Kannste eigentlich vergessen“- Themenlage: Diäten, Rauchen und leitet über zu Themen wie Schlafverhalten und Bettmodellen: „Wasserbett ist Ficken wie in Hüpfburg“, ein Boxspringbett sei Liegestatt für Alte und das alt bewährte Lattenrost möge man gar nicht mehr aussprechen im Laden ohne rot zu werden. „Latten-Rost klingt doch wie Penis-Fäule.“ Da darf der Zuhörer nicht zimperlich sein.

Langsam fallen sie auf, die alten Wörter aus seinem Literaturwortschatz zwischen den derben Sprüchen: Liegestatt, justament, quarzen, Schabernack und so fort. Wörter, die für Bücher sind.

Dann sind die Alten und die Pubertierenden dran, die Alten, die von Pflegerobotern gequält werden und Wischmeyer sich fragt: „Können die auch böse?“ Muss wohl, schließlich seien die Lebensplätze auf der Erde begrenzt, zu alt ist zu alt.

Dietmar Wischmeyers Zeltmission erklärt die Vorkommnisse von der Wiedervereinigung und den Problemen des Sachsen mit dem Navigationsgerät im Nigel-nagel-neuen Hyundai bis zu dem profanen Alltag eines Sachbearbeiters im Eisenwarengeschäft. Auch hat er Probleme mit der Moral von Arbeitnehmern heutzutage: „Wo sind die denn immer?“ Transgender Mutterschutz, Fango, Burnout, Gebet, passive Altersteilzeit, eine rauchen, Meeting, bummelt Zeitkonto ab, lässt es langsam angehen und Brückentag.

Wischmeyer kann viel mehr als derb: Er spielt seine Protagonisten, liest in verteilten Rollen, erfindet wunderbare neue Wortschöpfungen wie morsche Braut, scharfe Blume, C & A-Tragegestell, Volvo als Terror-Schwede, Kühlschrank als Öko-Petze.

Worüber der sich so Gedanken macht, reicht für viele. Interessant ist die Kombination von Philosophie und Literatur mit „Diss“-, „Assi“- und verbale Schläge in die „Hackfresse“- Sprüche.

Er hat wohl nur gut zugehört.

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