Kirchdorf: Koordinierter Kahlschlag zeigt bereits Wirkung

Verjüngungskur für die Heide

Kirchdorf - Wer sein Auto auf dem Heideparkplatz abstellt und gen Kirchdorfer Heide blickt, der sieht dort aktuell eine Art Kahlschlag. Der ist gewollt und dient der Verjüngung einer Teilfläche. Man müsse Geduld haben sagt Imke Schweneker vom BUND.

Die Heide blüht bereits: Ortstermin mit (v.l.) Günther Dahm, Heinrich Kammacher und Imke Schweneker. - Foto: S. Wendt

Die Maßnahme wird in enger Absprache von Samtgemeinde, BUND Diepholzer Moorniederung und Landkreis durchgeführt. Und auf der geschopperten Fläche (so heißt es, wenn überalterte Heidefläche einschließlich des Roh-Humuses und der Mooslagen entfernt werden) stehen bereits erst Jungpflanzen in zarter Blüte. Schweneker guckt genau hin – und deutet auf weitere erste Kleinstpflanzen, die sich angesät haben. Der magere Sandboden in der Heide sei bestens geeignet, sagt Schweneker. In Randlagen allerdings haben sich auch andere Pflanzen wieder angesiedelt: Brombeeren etwa, Kiefern, Pappeln. Zeichen dafür, dass der Boden ausreichend Nährstoffe bereit halte. Allerdings würden diese Pflanzen dem zart-sprießenden Heide-Nachwuchs den Raum streitig machen. Daher müssen sie beseitigt werden. Für einige Bereiche regt Schweneker dazu einen erneuten Einsatz des Löffelbaggers an (um erneut eine dünne Schicht abzutragen), an anderen Stellen hat sich die Heide bereits so sehr neu angesät, dass hier nur manuell gearbeitet werden könne.

Ein klares Zeichen dafür, dass der „koordinierte Kahlschlag“, der zunächst ziemlich radikal aussieht, tatsächlich der richtige Weg sein könnte. Die jetzige Aktion ist ein Test, der für 50 000 Euro als einmalige Aktion durchführt wird. Am Ende der Maßnahme stehen im Idealfall Erkenntnisse, die Grundlage sein können für ein Zehn-Jahres-Konzept, mit dem die Kirchdorfer Heide in Gänze verjüngt werden kann.

Laut Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher und Bauamtsleiter Günther Dahm befindet sich die Samtgemeinde derzeit auf der Suche nach Mitfinanziers für das Konzept. Aktuell stehen jährlich 20.000 Euro für reguläre Heide-Pflegemaßnahmen zur Verfügung.

Laut Schweneker ist die bisherige Schafbeweidung ausreichend, hätte nicht umfangreicher durchgeführt werden können. Auf der jetzt behandelten Fläche lässt Schäfer Hadi Sahin die 1000-köpfige Herde von Schäfer Jan Teerling natürlich nicht grasen. Sowieso könne die Beweidung die maschinelle Pflege nicht ersetzen, erklärt Schweneker.

Beim Ortstermin fällt auf, dass einzelne „Inseln“ alten Heidebestands in der bearbeiteten Fläche stehen gelassen wurden. Tatsächlich sei das mit Absicht erfolgt, erklärt Imke Schweneker. Der besseren Verteilung der Heidesamen wegen. Der Laie denkt bei der Roh-Humusschicht an eine doch eigentlich perfekte Grundlage für die Aussaat neuer Pflanzen. „Nein“, sagt Schweneker. Die Heide keime eben nicht im Rohhumus, sie benötige den mageren Sandboden. Deshalb auch sei das Abflämmen verholzter und überalterter Heidefläche nicht passend: Auch hier würde die Roh-Humusschicht erhalten bleiben. Die müsse aber in jedem Fall abgetragen werden. Dann fehlen plötzlich einfach mal zehn Zentimeter Boden. Im Vergleich mit der alten Heidefläche aber wird deutlich, warum die Maßnahme dringend notwendig ist: Die Verholzungen sind nun deutlich sichtbar, der hohe und dichte Bewuchs der Pflanzen zeigt, dass sich Jungpflanzen hier nicht ansiedeln können.

Distel, Johanniskraut, sogenannte Ruderalpflanzen, Glockenheide an manchen Stellen, roter Lerchensporn, lila Berg-Sandglöckchen: Je länger der Ortstermin mit der BUND-Expertin dauert, desto mehr Pflanzenvielfalt wird sichtbar in einem Bereich, der doch eben noch so kahl aussah. In ihrer Ruhe gestört wird überdies eine über 20 Zentimeter lange Eidechse, die flugs die Flucht ergreift. Die Hinweisschilder auf Kreuzottern in der Kirchdorfer Heide sind übrigens für die Dauer der Arbeiten entfernt worden... 

sis

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