Sachkundeunterricht im Renzeler Moor

Torfstechen wie früher

Barenburg - Während die einen mit Wonne die weiche schwarze Masse greifen, wenden sich andere angewidert ab: „Iiiih, das stinkt.“ Grundschüler aus Sulingen und Kirchdorf lernen in dieser Woche das Torfstechen kennen.

Ortstermin am Dienstag im Renzeler Moor, erste Vorgabe: Auf dem Weg bleiben. Man könnte sonst als Moorleiche enden. Nein, beim Schau-Torfstechen ist den Mitgliedern des Verschönerungs- und Heimatvereins Barenburg noch nie eine Moorleiche untergekommen. Auch sonst nichts archäologisch Wertvolles. Aber es geht ja auch darum, wie die Menschen früher Torf gestochen haben. Die Idee, sich für das Foto neben das gekennzeichnete Terrain zu stellen, entpuppt sich als denkbar ungünstig – schwupps ist der Schuh schon nass bei der leichten Stellprobe.

Am Dienstag erkundeten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 der Grundschule Kirchdorf das Renzeler Moor und erfuhren von den Barenburger Heimatpflegern, wie die Arbeit der Torfstecher einst aussah. Und die Pause. - Fotos: S. Wendt

Die Barenburger Heimatpfleger haben für diese Aktion eine spezielle Genehmigung des Landkreises und des BUND eingeholt. Alle vier Jahre geht es an diesen besonderen Ort. Die Schüler der 3. und 4. Klassen der Grundschule Kirchdorf haben im Sachkundeunterricht bereits das Thema Torf in der Theorie kennengelernt, wissen, wie das Moor entsteht. Und wie man Torf abbaut eigentlich auch, aber in der Praxis ist es doch anders. In der Grube stehen Manfred Bürgel und Heinrich Sünkenberg, bugsieren mit dem Stechmesser Torfstücke fast zwei Meter hoch zu den Schülern, die laden sie auf die historischen Schubkarren und fahren sie zum Trockenplatz. Hier wird den Schülern gezeigt, wie man die Torfstücke zum Trocknen schichtet. Derweil steht immer eines der zehn Vereinsmitglieder parat, schöpft mit dem Eimer, der am langen Stiel befestigt ist, Wasser aus der Kuhle. Die Wände sind pitschnass, das Wasser drückt nach.

Informationen über die Arbeit der Torfstecher gibt Heimatpfleger Bernd Wolff. Ein bisschen von dem frisch gestochenen Torf nehmen die Schüler mit: Sie wollen ihn nun im Klassenraum beobachten, ihn erst nass wiegen und dann trocknen lassen, erneut wiegen. Und weitere Eigenschaften des Materials erkunden. Vergleichen können sie den Torf mit maschinell gefördertem Material, das einer der Väter mitgegeben hat. Der Rest der Torfballen wird wieder in die Kuhle befördert.

Ein Eimer reines Moorwasser dient zum Reinigen der Finger – es sieht aber schon zigfach benutzt aus. Derweil hat eine Gruppe Jungs eine andere Eigenschaft des Untergrunds entdeckt: Wenn alle gleichzeitig hüpfen, dann vibriert er. Das entpuppt sich als tolle Gemeinschafts-Sporteinlage. Andere wiederum probieren den Trunk, mit dem auch die Torfstecher von einst ihren Durst löschten: Brotwasser. Auch das ist nicht jedermanns Sache. Für die Grundschüler ist die Aktion eine tolle Abwechslung, für den Verschönerungs- und Heimatverein Barenburg eine Gelegenheit, die Kinder von heute für eine Sache zu sensibilisieren, die es früher nicht einfach so im Geschäft gab, sondern für die viele Menschen hart arbeiten mussten. Früher allerdings wurde Torf im Mai gestochen. Das können die Barenburger Heimatpfleger aufgrund der Naturschutzbestimmungen heute nicht mehr. Aber der Ortstermin im August hat auch seine Reize: Die Heide blüht. Das ist aber ein anderes Unterrichtsthema –  oder Grund für einen Familienausflug. 

sis

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