42-Jähriger hinterlässt tote Tiere 

Polizei findet 60 Tier-Kadaver in Barenburg

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Das Haus in Barenburg ist derzeit unbewohnt. 

Barenburg - Von Sylvia Wendt. 60 Tierkadaver, zumeist Gänse, Hühner, Tauben und Kaninchen, manche von ihnen bereits verwest; dazu tote Schafe und die Skelette dreier Rinder – verteilt auf Stallungen, Scheunen und sonstige Nebengebäude eines Anwesens in Barenburg. Den Polizeibeamten, die am Samstag vor Ort waren, bot sich ein grauenhaftes Bild. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, weil „Tierkadaver nicht ordnungsgemäß entsorgt worden seien“, teilte ein Sprecher der Polizei Sulingen am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Hinzugezogen wurde am Samstag das Veterinäramt des Landkreises Diepholz, „das dann auch an der Begehung der Gebäude teilnahm und unaufschiebbare Maßnahmen einleitete“, heißt es seitens der Polizei.

Gegen den letzten Bewohner des Grundstücks, einen 42-jährigen Mann, der Ende Oktober dieses Jahres mit seiner Familie aus Barenburg weggezogen ist und die Tierkadaver sowie diversen Müll und Unrat zurückgelassen hatte, seien „entsprechende Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren“ eingeleitet worden.

Gebäude nicht einsehbar

Die „unfassbaren Zustände im Ortskern von Barenburg“ seien vermutlich erst so spät bekannt geworden, da die betroffenen Gebäude von der Durchfahrtsstraße her durch das Wohngebäude verdeckt und nicht einsehbar sind – heißt es im Polizeibericht.

Tatsächlich aber haben sich Anwohner bereits im Mai über Gestank und Lärm beschwert – im Rathaus Kirchdorf. Mehrere telefonische und auch schriftliche Hinweise, zuletzt erneut im August, habe man aufgrund der Hinweise der Bürger an das Veterinäramt als für den Tierschutz zuständige Behörde weitergegeben, heißt es seitens eines Sprechers der Verwaltung.

"Keinerlei Beanstandungen“

Nach dem Hinweis im Mai habe man bei einem Ortstermin „geringe Feststellungen“ gemacht, die seien „keinesfalls dramatisch“ gewesen, dem Tierschutz sei Genüge getan worden, erklärt Dr. Teekla Neupert vom Veterinäramt Diepholz auf Anfrage dieser Zeitung. Im Juni sei ein erneuter Besuch erfolgt, da seien die Mängel behoben gewesen. „Tierschutzrechtlich gab es keinerlei Beanstandungen“, bekräfigt Dr. Thorsten Abeling vom Veterinäramt Diepholz. Noch im August und Oktober seien Kollegen vor Ort gewesen: „Dass sich das dann so dramatisch entwickelt“, das habe man nicht vorhersehen können. Erste Überprüfungen an den vorherigen Wohnorten des 42-Jährigen hätten „keine Auffälligkeiten“ ergeben. Dort sei nichts bekannt über den Mann im Hinblick auf Verletzungen des Tierschutzgesetzes, für ihn habe kein Tierhalteverbot bestanden.

Eingeschaltet sei nun die Staatsanwaltschaft. Der Tierhalter sei zuständig für die Beseitiung der Tierkadaver. Mündlich sei der 42-Jährige bereits dazu aufgefordert worden, auch schriftlich ergehe das Ersuchen. Das Veterinäramt erwarte eine Rückmeldung der Tierkörperbeseitigunganstalt, als Beleg dafür, dass die Tiere vom Grundstück entfernt wurden. Man werde den Vorgang eng begleiten, sagt Abeling.

Nachbarn beschreiben den Mann als „Eigenbrötler“, man habe das Blöken der Schafe gehört und die Rinder.

Ein Kommentar zu diesem Thema

Auflagen auch für Hobby-„Landwirte“ - Von Sylvia Wendt

Frage an den Landwirt: „ Wie lange dauert es eigentlich, bis ein Rind skelettiert ist?“ Er weiß es nicht, er hat es in seinem Berufsleben nicht soweit kommen lassen.

Landwirte ächzen heute unter der Flut an Auflagen, die sie erfüllen müssen. Alles muss dokumentiert werden, bis ins kleinste Detail, wird kontrolliert und bei Nichterfüllung sanktioniert. Der Bauer, der seine Tiere noch beim Namen nennt? Diese Bilderbuchidylle ist längst Vergangenheit.

Sylvia Wendt

Was aber treibt jemanden an, sich Tier um Tier um Tier nach Hause zu holen und für ihre Unterbringung alte, womöglich baufällige Gebäude zu nutzenß Was erlaubt das deutsche Tierschutzgesetz privaten Haltern? Wie umfangreich darf der Privatzoo ausfallen? Nein, es gibt keinen Schlüssel, nach dem abgezählt wird und nach dem privaten Tierhaltern irgendwann erklärt wird, dass die schiere Zahl zu hoch ist – und das Tierwohl nicht mehr gegeben sein kann. Auch wenn ein Mensch vorher nicht als Animalhoarder aufgefallen ist – spätestens dann, wenn sich Anwohner mehrfach beschweren, muss penibel in jede Ecke des Grundstückes geschaut werden, ob jemand noch Herr der Tiermenagerie ist. Auch die Gebäudesubstanz muss berücksichtigt werden und ist eigentlich ein Fall für das Baurecht, das bemüht werden müsste – um die Art und die Zahl der Tiere zu beschränken für Feierabend-Spaßtierhalter. 

Im Barenburger Fall irritiert die Frage: Wo waren die Rinder eigentlich beim Besuch der Veterinäre im Oktober? Da müssten die bereits irgendwo tot gelegen haben – im Polizeibericht heißt es, dass man am 26. November drei Rinderskelette gefunden habe. Vielleicht dauert das Verwesen auch nur knappe vier Wochen. Warum wurde der Vielfalt der Tiere, die scheinbar bereits im Mai gegeben war, kein Riegel vorgeschoben, wenn doch Mängel vorlagen? Die Flut an Auflagen für Berufs-Landwirte muss, wenn sie unter Vorgabe des Tierwohls gefasst werden, erst recht auch für die Hobby-Landwirte gelten (und ebenso penibel kontrolliert werden). Es ist zu einfach, sich günstig ein Haus auf dem Land zu mieten und Tiere zu sammeln, bis die tot umfallen. Das stinkt zum Himmel, wörtlich.

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