Geschäftsführerin über aktuelle Vorhaben

„Bethel im Norden“: Mehr Angebote in der Fläche

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Im ehemaligen Büro des Hausvaters im „Haus Moorhort“ erklärt Bethel-Geschäftsführerin Luise Turowski (r.) den Besuchern (v.l.) Ortwin Stieglitz, Marina Poppinga, Holger Könemann und Grant Hendrik Tonne, dass es sich hierbei nicht um die Original-Akten in den Regalen handelt. Gleichwohl habe man im Archiv noch alle Unterlagen über sich vollständig erhalten.

Freistatt - Nein, der Standort Freistatt werde nicht in Frage gestellt. Luise Turowski, Geschäftsführerin von „Bethel im Norden“, wird da bestimmt in den Äußerungen. Immer wieder keimen die Gerüchte auf, dass Bethel die vielfältigen Einrichtungen am Standort schließen würde. Tatsächlich ist zu differenzieren.

Bethel müsse sich den veränderten Anforderungen anpassen und für ihre Klientel nachgefragte (und damit passgenaue) Angebote vorhalten. Das aber geht schon seit Jahren nicht nur am Standort Freistatt. Vielfältige Investionen im gesamten norddeutschen Raum belegen, dass man als Fachinstitution nicht mehr alle Klienten nach Freistatt bringt, sondern auch mit Einrichtungen dorthin geht, wo die Klienten ihr Lebensumfeld haben.

Zum Beispiel in der Stadt. Jüngst fertiggestellt ist eine Betriebsstätte in Sulingen, in der im Rahmen der Eingliederungshilfe Arbeitsplätze in städtischem Umfeld geschaffen wurden – und die Aufträge örtlicher Firmen abarbeiten.

Wohneinheiten der Eingliederungshilfe befinden sich ebenfalls seit langem nicht mehr nur in Freistatt, sondern auch in Sulingen, Diepholz und Barnstorf. Akturell stecke man in den Planungen für ein weiteres Haus mit Appartements in Sulingen. „Wir sind auf dem Weg in die Region, schaffen Angebote ín den umliegenden Sozialräumen“, erklärt Turowski Grant Hendrik Tonne. Man müsse Wahlmöglichkeiten schaffen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag besuchte am Donnerstag die Parteikollegen in der Samtgemeinde Kirchdorf. Eine Station: Freistatt. Das Treffen findet im „Haus Moorhort“ statt, Kulisse für den preisgekrönten Film „Freistatt“. Und ehemals Teil der Jugendhilfeeinrichtungen, die einst eher von Gewalt geprägt waren als von Pädagogik. Jetzt ist das „Haus Moorhort“ ein Ort, an dem Geschichte erlebbar wird.

Jugendhilfe geht heute anders. Als aktuelles Beispiel nennt Turowski das Internat, das acht Jungs bis zum Alter von etwa zwölf Jahren eine Chance geben möchte. Ziel, so Turowski, sei, wie auch bei anderen Institutionen, die Rückführung in die Regelschule.

Acht Jungs mit Defiziten im sozial-emotionalen Bereich erhalten in der Janusz-Korczak-Schule des Schulverbundes passgenauen Förderunterricht – und das angeschlossene Internat gestaltet den Freizeitbereich fachlich kompetent so, dass die Jungs wieder zurückfinden – in ein „geregeltes“ Leben.

Kinder und Kostenträger geben gleichermaßen positive Rückmeldung, berichtet Turowski. Daher stecke man in den Planungen für weitere Internatsplätze, kündigt die Geschäftsführerin an. Ohne Details zum Standort zu nennen, stellt sie dennoch heraus, dass Internatsschüler und ihre Betreuer in Freistatt eine besondere Vielzahl an Infrastruktur nutzen könne.

Da der Bedarf an solchen Plätzen für Jungs größer ist als für Mädchen, laufen die Planungen für ein weiteres Angebot für Jungs.

Gilt der Blick auf Veränderungen in Gesellschaft und in Anforderungen auch für die Altenpflege, die Bethel im Norden anbietet? „Das Pflegestärkungsgesetz zwingt uns auf den Prüfstand“, sagt Geschäftsführerin Luise Turowski. Man könne nicht stehenbleiben in der Entwicklung, die sich allerdings immer mehr in Richtung ambulanter Angebote bewege. Aktuell gebe es hier keine Neuigkeiten, was die Standorte Heimstatt und Kirchdorf sowie eine etwaige Zusammenlegung betreffe. Turowski bestätigt aber, dass man auch in Sachen Altenhilfe alle Optionen im Blick habe.

Kaum Zeit blieb, das geschichtsträchtige Haus im Rahmen eines Rundganges weiter zu erforschen, doch Grant Hendrik Tonne nimmt Bilder mit für künftige Diskussionen. Und Hinweise von Luise Turowski zum Thema Teilhabegesetz: Bei Bethel im Norden habe man Sorge, dass Menschen mit zu geringem Hilfebedarf abgeschoben werden in die Pflege und nicht über das Teilhabegesetz berücksichtigt werden. Tonne dankte für die Hinweise. Die seien wichtig, inbesondere, um geplante Gedanken in Gesetzen juristisch sauber umzusetzen. 

sis

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