Karl Scheland wählt die „Im-Haus-Betreuung“ 

Im Lebensabend daheim

Im Sommer hat Karl Scheland seine beiden Betreuerinnen Ewa (r.) und „Goscha“ um ein gemeinsames Foto gebeten. Nur Minuten sind beide gleichzeitig in Barenburg, beim Wechsel alle zwei Monate.

Barenburg - „Wir haben viel Spaß, wir lachen viel“, sagt Karl Scheland. „Stimmt“, sagt Ewa Kobiela. Der Schalk und die Fröhlichkeit, die bisher in Schelands Augen funkelten, verschwinden allerdings, als er gefragt wird, warum er nicht ins Pflegeheim geht, sondern für seinen Lebensabend eine andere Lösung gefunden hat: „Meine verstorbene Frau war im Pflegeheim, ich will lieber zu Hause sein“.

Scheland ist 86 Jahre alt, herzkrank. Die Ärzte würden ihn gerne operieren, doch der Senior fürchtet die Schwere der Operation. Arztbesuche bleiben dennoch Dauertermine im Kalender. Dorthin gelangt er, weil Ewa Kobiela ihn fährt. Zumindest in der Zeit, in der sie im Barenburger Einfamilienhaus wohnt.

Ewa Kobiela und ihre Kollegin Margorzata Giszewska sind Angesteltte der polnischen Firma PLjob aus Glogow, die sich auf die Im-Haus-Betreuung spezialisiert hat. Fast täglich seien Kleinbusse mit Mitgliedern des Teams unterwegs, fahren den einen Mitarbeiter zur Arbeitsstelle und holen den anderen ab, erklärt Scheland. Im Zwei-Monats-Rhythmus wechseln sich Ewa und „Goscha“ ab im Hause Scheland, seit fünf Jahren. Die Dienstleistung ist natürlich angemeldet, über die Firma sind Ewa Kobiela und Malgorzata Gizewska kranken- und rentenversichert in ihrer Heimat.

Die Bindungen zueinander sind mittlerweile familiär: Karl Scheland war schon zur Trauung des ältestes Sohnes des Ehepaares Kobiela in Polen eingeladen.

Und Ewa darf durchaus auch mal fröhlich schimpfen, wenn Karl Scheland sie nicht genau informiert, wer da nachmittags zu Besuch kommt.

Miteinander suggeriert einen „Alltag“ zu Hause

Außerdem hat sie ihm das Leben gerettet: Die gelernte Krankengymnastin hatte ihren Patienten für die Nacht fertig gemacht, doch „er gefiel mir nicht“. Scheland bekam schwerer Luft, als sonst ohnehin schon. Sie baut sich ihr Bett in der Nähe auf – sonst bewohnen sie und Malgorzata das Obergeschoss im Hause. In der Nacht wacht Scheland auf, mit fürchterlicher Atemnot und hohem Fieber. Ewa Kobiela hört das Röcheln, ruft sofort den Notarzt, in der Klinik die Diagnose: Lungenentzündung.

Heute schmecken Kaffee und Kuchen, die speziell zum Interview gereicht werden, wieder. Heute kann Karl Scheland wieder lachen. Die Vermittlung der beiden polnischen Damen sieht er als beste Lösung für sich an. Immer war er lebenslustig und unterwegs, jemand, der mitmischte und Kontakte knüpfte. Die krankheitsbedingte Einschränkung und räumlich Beschränkung auf das Haus wird erträglich mit jemandem im Haus, der neben Krankengymnastik und Pflege für die Mahlzeiten sorgt – vor allem aber Ansprechpartner ist. Ob Einkaufsliste oder Rezepteinlösung, ob Gartenarbeit oder Fernsehprogramm: Das Miteinander suggeriert einen „Alltag“ zu Hause, den Zimmer im Pflegeheim – trotz allen Engagements des dortigen Personals – kaum bieten können.

Frauen werden als Teil der Familie angesehen

Die Aufgaben werden klar festgelegt, die Angestellten der polnischen Firma erhalten mindestens ein eigenes Zimmer. Laut Ewa Kobiela freuen sie und „Goscha“ sich besonders darüber, dass sie im Obergeschoss des Schelandschen Hauses auch ein eigenes Badezimmer haben. Das Erdgeschoss ist barrierefrei umgebaut für Karl Scheland. Beide Damen werden von Schelands Familie, Freundes- und Bekanntenkreis als Teil der Famlie angesehen. Viele hätten sich bereits nach der Firma erkundigt, prüfen, ob das nicht auch eine Option für sie wäre. Ewa und „Goscha“ haben in den fünf Jahren bereits sehr gut Deutsch gelernt. Karl Schelands Polnisch indes ist schlimm: „Das werde ich auch nicht mehr lernen“, sagt’s und lacht herzhaft. „Ich habe Glück“, kommentiert er seine Entscheidung für die Hausbetreuung. 

sis

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