Verzeichnis der Gewerbetreibenden in der Gemeinde Varrel erstellt

Krüßelkerl und Sexybar

Werner Böckelmann und Dorothee Sudenn sind schnell eingetaucht in die Varreler Geschichte. - Foto: S. Wendt

Varrel - Grützenmüller gibt es heute nicht mehr, Heidhauer ebenso wenig und auch den Krüselkerl nicht mehr: Berufsfelder aus vergangenen Zeiten, die in der Gemeinde Varrel des Jahres 2016 kein Auskommen mehr fänden.

Eine Ausnahme könnte der Koppelknecht bilden: Er half früher beim Einzäunen der Koppeln für das Vieh und Landwirte gibt es heute noch in Varrel. Früher sei Varrel ein reines Bauerndorf gewesen, sagt Werner Böckelmann. Der ehemalige Samtgemeindearchivar hat gerade eine spannende Liste angefertigt, basierend auch auf dem 1756 von Pastor Märklin erstellten „Populationsbuch“: „Das Gewerbe auf dem Lande im Wandel des Fortschritts“ mutierte zu einem kleinen Buch, das er an Dorothee Sudenn überreichte, Leiterin des Varreler Arbeitskreises Dorfgeschichte.

Und schon sind beide mittendrin in der Varreler Historie: Sudenn erinnert sich an den ersten Mähdrescher dereinst für das Famiineunternehmen gekauft wurde. Böckelmanns These des Bauerndorfes hält auch, als er die verschiedenen Berufsfelder aufzählt, die es neben dem des Landwirts gab. Denn: Die Hofbesitzer hatten nicht selten sogenannte Häuslinge auf ihrem Grund wohnen, die wiederum für den Eigenbedarf eigene Tiere hielten, aber auch eine spezialisierte Dienstleistung, meist im Handwerksbereich, leisteten.

Irgendwann im 15. Jahrhundert sei der erste Schmied im Dorf genannt worden, erinnert sich Sudenn.

Erst in diesem Jahrhundert allerdings kamen Kaufleute dazu: „In den 1960er Jahren erst erhielten die ihre ersten Schaufenster, um Waren zu präsentieren“, berichtet Böckelmann. Varrel habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings schwer getan, Gewerbe anzunehmen, ergänzt Dorothee Sudenn. Industrie und Handel sind dann aber doch nicht ganz spurlos an Varrel vorbeigegangen, heute wiederum stehen viele dieser Schaufenster leer.

Dorothee Sudenn arbeitet mit dem Team des Arbeitskreises Varrel die Dorfgeschichte auf (das 800-Jährige könnte 2032 gefeiert werden), noch gibt es Bürger, die ihre Erinnerungen teilen mögen. Sudenn gehört dazu, weiß noch von der Zeit, als Familie Stamme mit Tankstelle, Gastwirtschaft und Kfz-Werkstatt das Ortsbild mitprägte; als die „Sexy-Bar“ dort geöffnet hatte, wo heute der Tierarzt wirkt; als das Haus zwischen Bank und Lindenhof als Bäckerei Focke bekannt war.

Unterlagen, Werkzeuge, Maschinen von einst: Wo ist denn das alles? Unterlagen, wenn die Varreler Heimatpfleger sie bekommen haben, sind sicher verwahrt. Allerdings denke kaum jemand daran, Werkzeuge und Maschinen anzubieten, bedauert Dorothee Sudenn. Eher zufällig habe man eine alte Dreschmaschine, Marke „Gustav Reichel Maschinenfabrik, Varrel“, retten können. Die soll aufgearbeitet werden und dann im restaurierten Göpel ausgestellt werden. Raumnot: Tatsächlich haben die Varreler Historiker keine Räumlichkeiten, um „historisches Großgut“ zu lagern. Etliche –  kleine – Exemplare haben eine neue Heimat gefunden im Museum in Kirchdorf, sagt Sudenn.

Die Verzeichnisse, die Werner Böckelmann zusammengetragen hat, umfassen Auflistungen aus den Anfängen des Dorfes bis heute. Besonders rasant hat sich Varrel zwischen 1926 bis 1975 verändert, die Zahl der eigenen Betriebe ist gesunken. Die Liste des Jahres 2016 umfasst 93 (anmeldepflichtige) Betriebe, 1951 waren es 129. Und: Auch die Vielfalt von damals gibt es heute nicht mehr. Übrigens: Der Grützenmüller hat einst gebrochenes Getreide gemahlen, meist Hafer. Der Heidhauer hat Platten in der Heide abgehauen, als Einstreu (statt Stroh) für die Tiere. Und der Krüßelkerl war der Zinngießer, der Tranlampen repariert. Heute leuchten LED-Lampen... - sis

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