Sommercamp-Premiere: Wohnungslosentreffen in Freistatt beginnt Sonntag

Der Weg bestimmt das Ziel

Jürgen Schneider (links) und Dr. Stefan Schneider vor dem Zeltdorf für das am Sonntag beginnende Wohnungslosentreffen, das auf dem Gelände neben dem Sinnesgarten in Freistatt entsteht. - Foto: Behling

Freistatt - 80 Wohnungslose haben ihr Interesse am einwöchigen Sommercamp in Freistatt angemeldet. „Wie viele dabei sind, werden wir am Sonntag sehen“, stellt Jürgen Schneider gelassen fest. Der Initiator der Homepage „Berber-Info“ und Mitbegründer des Vereins „Armutsnetzwerk“ mit Sitz in Sulingen weiß aus Jahrzehnten des Lebens auf der Straße, dass sich Pläne von Wohnungslosen oft ändern. Das ist auch Dr. Stefan Schneider bewusst: Der Berliner beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Projekten in der Wohnungslosenhilfe und -selbsthilfe und hat die Koordination des Sommercamps übernommen.

„Die Idee kam bereits 2010 auf“, erinnert sich Dr. Schneider. „Wohnungslose werden häufiger zu Fachtagungen eingeladen, man möchte ja ihre Beteiligung haben. Aber das eher nebenbei, es hat Vorzeige- und Alibifunktion. Wir möchten ihnen mit dem Sommercamp eine Plattform bieten, um sich kennenzulernen und auszutauschen.“ Es gehe um Teilhabe und Selbstorganisation: „Wir haben die Hoffnung, dass es auch in den nächsten Jahren mit diesem Treffen weitergeht, dass Gruppen in Verbindung bleiben – und vielleicht Projekte gemeinsam weiter verfolgen.“ Was das für Projekte sein könnten, lassen Jürgen Schneider und Dr. Stefan Schneider bewusst offen. Das Ziel des Sommercamps wird durch den Weg bestimmt, den die Wohnungslosen gehen und für den das Treffen lediglich den Rahmen setzen soll. Jürgen Schneider: „Wir wollen den Teilnehmern nichts überstülpen, steuern Ideen bei.“

Es ist ein aufwändig gestalteter Rahmen, der von Bethel im Norden und dem Diakonischen Werk Niedersachsen getragen und vom Armutsnetzwerk geformt wird. Etwa 25 Helfer aus den Einrichtungen von „Bethel“ in Freistatt und Freiwillige ermöglichen die „Logistik“. 16 Sechs-Personen-Zelte und zwei Gruppenzelte, die die Freiwillige Feuerwehr Weyhe zur Verfügung stellt, sind bereits auf der Grünfläche neben dem Sinnesgarten aufgebaut. Für körperlich beeinträchtigte Teilnehmer wird es Schlafplätze im „Freistätter Hof“ geben. In die Verpflegung ist die Freistätter Großküche eingebunden. Viele der Wohnungslosen gilt es vom Bahnhof abzuholen – in einigen Fällen sogar vom Flughafen: Die Generalversammlung und Diskussionsrunden der europäischen Organisation HOPE (Homeless People – obdachlose Menschen) sind Teil des umfangreichen Pogramms für das Sommercamp. Dazu gehören eine Fülle von Workshops und Vorträgen mit Referenten unterschiedlichster Institutionen. Themen sind beispielsweise die „Berber-App“ und wie man sie verbessern kann, Sanktionen, die Hartz IV-Empfängern drohen können, die Entstehung von Sucht, Elternschaft und Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit im ländlichen Raum, Ärger mit Behörden und „Wie verwirklichen wir Teilhabe und Selbstorganisation?“. Außerdem gibt es, neben Angeboten von der Fahrt mit der Freistätter Feldbahn über Fußball, Badeausflüge und Grillen am Lagerfeuer bis zum Trommelworkshop, ein „ziemlich tolles Kulturprogramm“, stellt Dr. Stefan Schneider fest: Konzerte geben die „Arrested Amtsbrüder“, der „Gospeltrain“ aus Wagenfeld, „Sinner & The Songfighter“ aus den Niederlanden und Lutz Drenkwitz, Filme sind zu sehen und die Journalistin und Autorin Kathrin Hartmann liest aus ihrem Buch „Wir müssen leider draußen bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“.

Das Programm ist nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht, man habe das Camp bewusst als geschlossene Veranstaltung angemeldet, betont Jürgen Schneider: „Es ist wichtig, den Teilnehmern einen geschützten Rahmen zu bieten.“ Einzelne Interessierte, die dazukommen, werde man allerdings nicht gleich wegschicken. Versuchen werde man, täglich einen Bericht aus Teilnehmersicht in der Freistätter Online Zeitung zu veröffentlichen, ergänzt Dr. Stefan Schneider. „Und für Samstag, 30. Juli, planen wir ein ,offenes Mediengespräch‘ – da dürfen alle Interessierten alles fragen.“ 

ab

www.wohnungslosentreffen.de

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