Kriegsgräberfürsorge hat mit starkem Mitgliederschwund zu kämpfen

Wenn das Gedenken an den Schrecken zu verblassen droht

Oliver Netzband ist Geschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge im Kreis Diepholz. - Foto: Seidel

Landkreis Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Sie führt schon eine Art Schattendasein im Landkreis Diepholz. Und wenn sie dieses nicht bald verlässt, sieht auch ihre Zukunft düster aus – denn die Mitglieder sterben weg und mit ihnen gehen auch die Einnahmen zurück.

Neue Mitglieder kommen nicht, dabei erinnert sie an etwas, das nie in Vergessenheit geraten darf: den Krieg. Die Rede ist von der Kriegsgräberfürsorge. Die Statistik der Mitgliederzahlen, die Oliver Netzband, Fachdiensleiter Bildung beim Landkreis und gleichzeitig Kreisverbandsgeschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge, vorlegt, sieht nicht rosig aus: Im Jahr 2001 hatte der Kreisverband noch 1.400 Mitglieder, 2015 waren es nur noch rund 400. 

Dementsprechend sackte das Finanzaufkommen von 180.000 auf etwa 110.000 Euro. „Man kann nicht von einer bevorstehenden Pleite sprechen“, sagt Landrat Cord Bockhop, als erster Vorsitzender des Kreisverbandes. Doch langfristig gesehen müsse man sich eben fragen, wie es weitergehen soll.

Ein Problem, mit dem die Kriegsgräberfürsorge, die bereits seit 100 Jahren existiert, zu kämpfen hat, ist wohl ihr „Image“. Allein das Wort ist sperrig, veraltert, ruft düstere Bilder von großen Gräberfeldern hervor. Die Generation, die den Krieg erlebt hat oder unter seinen Nachwirkungen leiden musste, verschwindet und die nachfolgende hat in der Regel keinen Bezug zu dem Volksbund. 

Das einzige Mal, wo dieser im Kreis Diepholz regelmäßig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt, ist die Zeit vor dem Volkstrauertag. Dann gehen die Ehrenamtlichen, die auch weniger werden, mit der Spendendose herum.

Dabei könnte auch alles ganz anders sein. Die Kriegsgräberfürsorge im Landkreis ist im Warte-Modus. Sobald Impulse von außen kommen, ist sie aktiviert, sobald Vorschläge für Projekte und Fahrten rund um das Thema an sie herangetragen werden, stehen alle Türe offen. „Wir haben nicht die Kapazitäten, um mit Angeboten an die Schulen heranzutreten“, erläutert Netzband, der die Geschäftsführung quasi neben seinem Hauptberuf macht.

„Aber wenn ein Lehrer zu mir käme und sagen würde, dass er gern mal eine Fahrt mit seiner Klasse nach Frankreich zu den Kriegsgräberfeldern unternehmen würde, stehen wir ihm sofort mit Rat und Tat zur Seite.“ Man könne zwar kein „All-inclusive-Paket“ anbieten, sagt Bockhop. Aber ansonsten unterstütze man bei allen Fragen, vermittele Kontakte, gebe finanziellen Zuschuss. „Die Hauptorganisation würden wir übernehmen.“ 

Die Kriegsgräberfürsorge kann auch bei Reisen nach Belgien, in die Niederlande und in andere Teile Deutschlands helfen. Und zwar nicht nur für Schulen. „Auch Bürgermeister oder Sportvereine, die so etwas für junge Leute organiseren wollen, können sich an uns wenden.“

Gern erinnert sich Netzband an das Internationale Jugendlager im Jahr 2004, bei dem Jugendliche aus ganz Europa mehrere Tage in Diepholz waren. Neben der Pflege verschiedener Kriegsgräber im Kreis, habe es auch ein buntes Rahmenprogramm gegeben. „Die Jugendlichen hatten eine tolle Zeit“, schwärmt Netzband. 

Ein weiterer Höhepunkt sei die Erarbeitung von Geschichts- und Erinnerungstafeln auf dem Hauptfriedhof in Bassum gewesen, die Schüler der damaligen Haupt- und Realschule hergestellt haben. So ein Projekt würde Netzband mit einer engagierten Schülergruppe gerne wieder realisieren.

„Auf diese Weise können junge Leute einen ganz neuen Bezug zur Vergangenheit bekommen“, glaubt Bockhop. „Es ist etwas anderes, vor dem Grab eines Soldaten zu stehen und Name und Daten vom Schmutz der Jahre zu säubern, als bloß in einem Geschichtsbuch über die Toten zu lesen.“ 

So bekomme das Ganze eine emotionale Ebene. Aus diesem Grunde habe er auch die Anregung an die Bürgermeister im Kreis gegeben, mit den Delegationen aus den Partnerstädten mal solch einen Friedhof zu besuchen. „Es geht nicht darum, an die Schuld der Deutschen zu erinnen, sondern gerade sich mit den ausländischen Gästen an die Stunde zu erinnern, in der man sich nach all dem Schrecken über dem Gräberfeld die Hand zum Frieden gereicht hat.“

Durch solche Aktionen mit den Jugendlichen werde auch wiederum der Bezug zur Kriegsgräberfürsorge hergestellt, die sich dann vielleicht über mehr Sepnden oder neue Mitglieder freuen könnte. Denn gebraucht werde die Hilfe des Volksbundes nach wie vor, denn noch immer suchen Familien über ihn nach Angehörigen, die im Krieg verschollen sind. „60 neue Anfragen gibt es pro Jahr im Bezirksverband Hannover“, weiß Oliver Netzband.

Cord Bockhop nickt. Er hat ebenfalls eine persönliche Bindung zur Kriegsgräberfürsorge. Sein Großvater ist im Zweiten Weltkrieg verschollen und erst vor wenigen Jahren bekam er die Nachricht, dass sein Grab in Russland gefunden wurde. „Daran sieht man, die Spuren des Krieges reichen noch immer in die heutige Zeit hinein. Auch wenn man sie auf den ersten Blick nicht erkennt.“

Wer Interesse an einem Projekt mit der Kriegsgräberfürsorge hat, kann sich bei Oliver Netzband unter der Nummer 05441/9761904 melden oder per E-Mail unter oliver.netzband@diepholz.de

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