Frauen in der Prostitution

Ex-Kripobeamter verarbeitet Erfahrungen in einem Buch

Auf Einladung der Kriminalitätsopfer-Hilfsorganisation Weißer Ring kam Manfred Hermann zu einer Autorenlesung nach Diepholz. - Foto: Brauns-Bömermann

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Eine geballte Ladung Schrecken, menschlicher Untiefen und unmenschlicher Taten in der Sprache der Straße: Um die unmögliche Flucht aus der Prostitution geht es in dem Buch „Biggi im Schatten der Nacht“. Manfred Herrmann, ein ehemaliger Kripobeamter aus Bad Nenndorf, hat es auf Basis eigener Erfahrungen geschrieben und kam jetzt auf Einladung der Kriminalitätsopferhilfe-Organisation Weißer Ring ins Alte Rathaus nach Diepholz.

Es wurde eine ungewöhnliche Lesung vor wenigen Interessierten. Manfred Herrmann hatte aus einem Grundbedürfnis heraus das Buch „Biggi im Schatten der Nacht“ geschrieben. Nun las er aber nicht vor, denn der Autor meinte: „Ich kann Ihnen das nicht vorlesen, denn Biggi ist eine Frau, also gebe ich eine Inhaltsangabe und beschreibe, was ich schrieb“.

Zunächst richtete der Außenstellenleiter des Weißen Ring im Landkreis Diepholz, Werner Käding, das Wort an die rund 20 Zuhörer: „Der Weiße Ring besteht dieses Jahr 40 Jahre und ist Deutschlands bekannteste Organisation zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern. Für uns stehen die Opfer im Vordergrund. Ihnen zu helfen, ist unsere Aufgabe“. Und er sagte: „Wir resozialisieren die Opfer, führen sie wieder ins Leben, soweit möglich“. Die Täter seien für den Weißen Ring nur insofern relevant, dass er aufmerksam verfolge, dass sie nicht mehr gefährlich werden. Der Weiße Ring helfe bei der Vermittlung von psychologischen Hilfen, biete Hilfe bei der Suche nach einem Opferanwalt an und unterstütze bei der Antragstellung nach dem Opferentschädigungsgesetz.

Derzeit sind elf ehrenamtliche Mitarbeiter für den gesamten Landkreis in der Opferbetreuung tätig. Käding: „Wir wünschen uns noch viel Hilfe und Freiwillige“.

Im Publikum waren auch Kriminologen und Mitarbeiter des Frauen- und Kinderschutzhauses des Landkreises Diepholz. „Meine Frau hat das Buch von Manfred Herrmann gelesen, ich konnte das nicht. Denn wenn es um Straftaten geht, die so passiert sind, das halte ich nicht aus“, ergänzte Käding.

Protagonistin „Biggi“ beschreibt das Milieu

Tatsächlich muss die Sprache der Straße wirklich brutal, vulgär und abstoßend sein, die Herrmann in seinem Buch verwendet, eben aus der Erfahrung als Kripobeamter – erst auf Streife, dann in der Notrufzentrale in Braunschweig und beim Landeskriminalamt in Hannover.

Seine Protagonistin „Biggi“ beschreibt er stellvertretend für viele Prostituierte im Milieu. Die Frauen nennt er immer Prostituierte oder Frauen, nie Nutten. Das ist Herrmann aus seiner Berufslaufbahn sehr wichtig: „Prostitution ist nicht Glamour und Porsche, wenig Einsatz für viel Geld, sondern es ist die Hölle“, so Herrmann, denn die Frauen könnten fast nie entkommen. Herrmann: „Eine ehemalige Prostituierte, die mein Buch las, meinte: ,Das müssen die Schüler der Oberstufen lesen, unbedingt’“.

Frauen seien seit 1 000 Jahren schon immer das schwächste Glied in der Kette der Menschen, bei den Zuhältern gelten sie als Dreck, seien aber bares Geld. Deshalb gäbe es auch das Phänomen, dass die Frauen regelrecht verkauft würden von Stadt zu Stadt, wenn sie an einem Ort bekannt seien. Menschenhandel aus osteuropäischen, armen Ländern gehöre dabei zum Alltag, ebenso das „Anfixen“ durch sogenannte Loverboys. Im Buch geht es um Stationen der Prostitution von Aktfotos, über Club, Bordellstraße bis Gosse. Flankierend, um den Sumpf zu ertragen, immer wieder Drogen. Und damit die Kostenspirale und Abhängigkeit vom Zuhälter.

„Es ist nur ein kleiner Schritt in die Prostitution“

Manfred Herrmann kannte Braunschweigs „Bruchstraße“ mit 40 denkmalgeschützten Häusern und rund 240 Frauen, die hier anschaffen. „Ich musste die ,Bockscheine‘, die Gesundheitszeugnisse der Frauen, kontrollieren und für die Sicherheit in der Bordellstraße sorgen.“ Dort herrsche eine eigene Sprache. „Luden schlagen, ohne sichtbare Verletzungen zu hinterlassen, das ist allein ist schon pervers“. 

Sein Vorwurf: Deutschland hätte seit 2002 das liberalste Prostitutionsgesetz Europas. Seine Schlussbemerkung stimmte nachdenklich: „Ich warne alle Frauen. Es ist nur ein kleiner Schritt in die Prostitution, der Weg zurück ist immer verbaut, das Leben kaputt!“

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