Haus in Diepholz bietet seit 30 Jahren Unterstützung 

Sicherheit und Schutz für Frauen und Kinder

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Setzen sich gemeinsam für Frauen in Not ein: (v.l.) Gisela Bokelmann, Ada Lampe, Ingrid Riehn, Doris Wieferich, Sabine Pieschel, Silvia Lücke, Bianca Dieckmann, Manuela Grambart-Fiefeick, Karolin Werries und Ingrid Lauer-Busse im Wohn- und Spielzimmer des Frauenhauses Diepholz. 

Diepholz - Von Anke Seidel. Was aus ihr geworden ist, weiß heute niemand mehr. Name, Herkunft, Zahl der Kinder – alles das fällt unter den Datenschutz. Aber fest steht, dass diese Frau am 12. Dezember 1986 die erste war, die das neue Schutzangebot im Landkreis Diepholz nutzte. Seitdem haben 991 Frauen und 1093 Kinder im Frauen- und Kinderschutzhaus Diepholz gelebt, um nach Zeiten voller Angst und Gewalt wieder zur Ruhe zu kommen und sich auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten.

Es ist eine Zahl, die in etwa der Bevölkerung von Kirchdorf entspricht – und es sind Menschen nicht nur aus dem Landkreis Diepholz. Auf der Suche nach Schutz durch Anonymität kommen auch Frauen mit ihren Kindern aus Nachbar-Landkreisen nach Diepholz.

„Es gibt Frauen, bei denen sich der Gewaltkreislauf immer wieder schließt“, stellt die Diplom-Sozialpädagogin Doris Wieferich fest, die das Schutzhaus seit 1990 leitet. Aus ihrer Arbeit mit den Schutzsuchenden weiß sie, wieviel Mut es kostet, das eigene Zuhause zu verlassen, die Kinder aus dem vertrauten Umfeld zu reißen und eine völlig ungewisse Zukunft zu akzeptieren. Das gelingt oft erst dann, wenn die körperliche oder seelische Gewalt in der Familie unerträglich geworden ist.

Sprachlosigkeit überwinden

Im Laufe der drei Jahrzehnte hat sich das Angebot des Schutzhauses immer wieder erweitert. Ganz neu: Die Paarbegleitung, in der getrennt lebende Ehepartner mit fachlicher Begleitung wieder ins Gespräch kommen können. „Warum schlägst du mich?“ ist ein Satz, der Sprachlosigkeit überwinden kann. Allerdings hat bisher erst ein Paar dieses Angebot genutzt.

Ein Blick in die Statistik: 2015 waren 63 Prozent der schutzsuchenden Frauen Migrantinnen. Sie hatten ihre Wurzeln vor allem im osteuropäischen Raum, in Ländern wie Serbien oder Mazedonien.

Das Gesicht der Schutzhaus-Leiterin spiegelt Trauer und Enttäuschung, als sie von den Frauen aus Polen oder Bulgarien spricht. Denn viel zu oft mussten sie aus finanziellen Gründen abgewiesen werden – nämlich dann, wenn sie über kein eigenes Einkommen verfügen. „Sie bekommen in Deutschland ja nur Kindergeld“, sagt Doris Wieferich – und wünscht sich, dass es für sie in der Zukunft eine Förderung gibt, damit auch diese leidenden Frauen Schutz erhalten können.

47 Frauen musste das Schutzhaus 2015 abweisen – entweder aus dem genannten Grund, weil sie unter einer psychischen Erkrankung oder Sucht litten, nur ihr Wohnungsproblem lösen wollten oder Haustiere mitbringen wollten. Die sind im Schutzhaus verboten.

Traumatische Erlebnisse

Weil so viele Frauen ausländische Wurzeln haben, sind Dolmetscher von großer Bedeutung im Schutzhaus. Träger dieser Einrichtung ist das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz – ein Verein mit rund 120 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Ada Lampe. Zum Netzwerk gehören ebenso die Beratungsstellen für Frauen und Mädchen in Syke, Diepholz und Sulingen sowie die Beratungs- und Interventionsstelle (BiSS), die in Zusammenarbeit mit der Polizei Opfern häuslicher Gewalt hilft. Das Team arbeite sehr gut zusammen, lobt Ada Lampe.

„In unsere Beratungsstellen kommen auch Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben“, berichtet Silvia Lücke. „Aber es dauert Jahre, bis sie eine Entscheidung getroffen haben.“ Gewalt und Trennung sind für Kinder viel zu oft traumatische Erlebnisse. „Deshalb ist es uns hier im Haus so wichtig, ihnen eine schöne Zeit zu bieten“, sagt Doris Wieferich. Hätten sie und der Vorstand des Trägervereins einen Wunsch frei: Es wäre ein Kinder- und Jugendpsychologe. Erzieherin Bianca Diekmann: „Ich wünsche mir für die Kinder eine Turnhalle. Sie brauchen Bewegung, um das Erlebte rauslassen zu können.“

Am Sonntag stehen die Kinder im Mittelpunkt des großen Geburtstagsfestes, das der Verein Netzwerk gegen häusliche Gewalt ab 14 Uhr im Diepholzer Müntepark feiern will – mit Zirkus, bunten Basteleien und vielem mehr. 80 Erwachsene und 57 Kinder haben sich bereits angemeldet. Weitere Interessierte sind willkommen – und können sich vor Ort auch über Möglichkeiten der Mitarbeit informieren.

www.frauenhaus-diepholz.de

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