Günther Hoffmann sieht Fehlplanung im Gebiet

Fladderstraße Nord: Zu viele Gullys eingebaut?

+
Zu viele Einlaufschächte für eine kleine Straße – das meint Günther Hoffmann, wenn er den Ausbau der Eva-Straße im Baugebiet „Fladderstraße Nord“ sieht. 

Diepholz - Die Fragen werden sich Passanten vermutlich nicht so häufig stellen: Gibt es in Diepholz zu viele Gullys in den Straßen? Günther Hoffmann hat seine klare Meinung dazu. Der 77-jährige Diepholzer hat jahrzehntelang im Straßenbau gearbeitet. Wenn er die Straßenbauarbeiten im Baugebiet Fladderstraße Nord sieht, dann wird er wütend. Er spricht in öffentlichen Sitzungen unverhohlen von „Pfusch“.

Im Gebiet Fladderstraße Nord gibt es drei Stich-, beziehungsweise Ringstraßen, der jetzt nach und nach endausgebaut werden, zunächst die Eva-Straße. Hoffmann hat genau hingesehen und nachgerechnet. „Bei etwa 1 000 Quadratmetern befestigter Straßenfläche wurden 40 Straßenabläufe gesetzt“, berichtet der Diepholzer. „Notwendig wären meines Erachtens maximal acht, dann wäre man auf der sicheren Seite“. Hoffmann kritisiert auch die fachliche Ausführungen der Arbeiten, dabei geht es um die nur 80 Zentimeter tiefen Sandfangschächte mit nur 20 Zentimeter tiefen Ablaufleitung (DN 150). Ein prüfbare Statik habe der Planer nie geliefert. „Sämtliche 40 Einlaufschächte entsprechen nicht den Richtlinien und Vorgaben des Herstellers“, so Hoffmann. Das sei teuer, rechnet er vor. Die Kosten für einen Schacht beziffert er auf 500 Euro. Zusätzlicher finanzieller Aufwand entstehe dadurch, dass die Sandfangschächte nur mit Spül- und Saugwagen gereinigt werden können. Bei 40 Schächten setzt Hoffmann jährliche Kosten von 2 000 Euro an.

Der Diepholzer sieht „unfachliche und mangelhafte Planung, im höchsten Maße überzogene Bauleistungen und hohen finanziellen Schaden für Anlieger und Bürger der Stadt Diepholz“. Insgesamt beziffert er den Schaden, beziehungsweise die Mehrausgaben auf 30.000 Euro (für 32 Einlaufschächte und 250 Meter Gosse).

Planer habe laut Stadt keinen Fehler begangen

Seine Fragen und Forderungen hat Hoffmann mehrfach der Stadtverwaltung vorgetragen, zuletzt bei der öffentlichen Bürgerfragestunde am Rande einer Fachausschusssitzung im Rathaus. Dabei hatte Hoffmann mehr als 20 Fragen zum Themenkomplex Eva-Straße an die Stadtvertreter gestellt.

Er forderte von der Stadt Diepholz, den öffentlich gestellten und vereidigten Sachverständigen der Handwerkskammer Hannover einzuschalten.

Die Stadt lehnt dieses Ansinnen ab. „Das Prinzip der Pendelentwässerung“ sei ein gängiges Prinzip der Entwässerung, heißt es in einem Schreiben aus dem Bauamt. Der Planer habe mit der Entwässerungsplanung keinen Fehler begangen. Eine Einseitneigung (also nur eine Gosse, d. Red.) habe man in Betracht gezogen, das hätte aber zu Umplanungen bei den Anliegern geführt, die man ihnen nicht zumuten wollte.

Die teilweise geringe Überdeckung der Ablaufleitungen sei mit hochliegenden Versorgungsleitungen zu begründen. Das Ingenieurbüro werde zum Ende der Gewährleistung eine Überprüfung durchführen, um sich zu vergewissern, ob die geringe Deckung letztlich ausreichend war.

„Jetzt können nur noch die Anwohner etwas machen“

„Wir sind uns der vereinbarten Vertragsbedingungen sowie der rechtlichen Vorgaben sehr wohl bewusst, sodass unser Handeln rechts- und gesetzeskonform ist“, heißt es in einem weiteren Schreiben der Stadtverwaltung an Hoffmann, das von Bürgermeister Dr. Thomas Schulze unterschrieben ist. „Anschuldigungen, mit welchen den am Bau beteiligten Firmen, Unternehmen und Mitarbeitern der Stadt Diepholz mangelnde Fachkompetenz unterstellt wird, sind in keinster Weise gerechtfertigt und so nicht hinnehmbar“, heißt es weiter.

Hoffmann will nicht lockerlassen: „Jetzt können nur noch die Anwohner etwas machen“, sagt er. „Die Stadt will hier ein hohes Risiko eingehen und den Anliegern Pfusch am Bau verkaufen.“ Er lädt Anlieger und alle interessierten Bürger zu einem Ortstermin am kommenden Samstag, 19. November, um 14 Uhr, an der Eva-Straße im Gebiet Fladderstraße Nord ein. Dabei will er vor Ort verdeutlichen, welche Probleme er bei dem Ausbau sieht.

An der Irmgard-Straße – der benachbarten, baugleichen Straße im Wohngebiet Fladderstraße Nord – wird nun übrigens ein anderes Verfahren angewendet. Hier haben sich die Planer für den sogenannten „Oldenburger Standard“ entschieden, der die Einlaufschächte in der Mitte der Straße vorsieht. Die Fahrbahn ist so angelegt, dass das Wasser zur Mitte hin zusammenfließt und dort ablaufen kann. Das erspart die Gossen und 25 Einlaufschächte, rechnet Hoffmann vor; das bedeute 30.000 Euro Einsparung. 

sr

Mehr zum Thema:

Ex-Grüner Van der Bellen wird neuer Präsident in Österreich

Ex-Grüner Van der Bellen wird neuer Präsident in Österreich

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtsmarkt in Levern

Weihnachtsmarkt in Levern

Meistgelesene Artikel

Leester Weihnachtsmarkt: Das gegenwärtige Ambiente ein letztes Mal genießen

Leester Weihnachtsmarkt: Das gegenwärtige Ambiente ein letztes Mal genießen

Fußgänger (45) stirbt nach Kollision mit einem Auto

Fußgänger (45) stirbt nach Kollision mit einem Auto

Norbert Warnke: Tausendsassa bei der Feuerwehr

Norbert Warnke: Tausendsassa bei der Feuerwehr

Emotionaler Abschied für Warnke

Emotionaler Abschied für Warnke

Kommentare