Polarforscher Arved Fuchs berichtet in Diepholz über seine Grönland-Reisen

Übernachtung im Kühlhaus als Training für die Arktis

Arved Fuchs blickte bei seinem Vortrag in Diepholz auf einige seiner Expeditionen zurück. Der zu Werbezwecken mitgebrachte Rum (in dem Archivfoto rechts) sei bei den arktischen Temperaturen aber eingefroren, berichtete er. - Foto: Reckmann

Diepholz - Von Sven Reckmann. Arved Fuchs braucht keine langen Vorreden, braucht sich nicht vorzustellen – er begrüßt die Gäste im Theater tritt an den Rand der riesigen Leinwand und schon geht die Reise los. Ein Reise, die die meisten der 200 Zuhörer an diesem Abend an Orte der Welt führt, an denen sie noch nie waren und die sie wahrscheinlich nie besuchen werden.

Menschenleer, unentdeckte Flecken, hier fühlt sich der Polarforscher und Buchautor Arved Fuchs am wohlsten. Erstes Murmeln im Publikum als ein Bild ein Thermometer zeigt: Minus 40 Grad.

In seinem Vortrag entführt Fuchs die Zuhörer auf die größte Insel der Welt: „Grönland – 35 Jahre Abenteuer in Eis und Schnee“. Als er 1979 nach Grönland kam, da war es um ihn geschehen. „Als ich das Land verließ mit dem Flieger und nochmal aus dem Fenster sah, da wusste ich, dass ich wieder zurückkehren werde.“ Er kehrte noch viele Male zurück, Grönland wurde zu seinem Lieblingsort.

Das hängt mit den Landschaften zusammen, aber auch mit den Menschen, die hier leben, die sich vor 4000 Jahren aus dem heutigen Kanada kommend hier angesiedelt haben und von denen Fuchs respektvoll berichtet.

Gefährliche Erlebnisse 

Der Forscher erzählt schnörkellos, ohne große Ausschweifungen über die Gefahren seiner Reisen, über dramatische Ereignisse, die es vermutlich mehr als genug gegeben hat. Das, was er berichtet, zieht die Zuhörer ohnehin in den Bann. Es wird unterstützt durch Aufnahmen, die bizarre Landschaften mit einem mitunter enormen Farbspektrum zeigen, es sind faszinierende Landschaften aus Schnee und Eis, Gemälde aus Gebirgen und Wolkenschichten.

Für großes Vergnügen sorgt ein Bild aus längst vergangenen Tagen. Es zeigt Fuchs in voller Montur und mit der Expeditionsausrüstung in einem Kühlhaus einer heimischen Schlachterei – es war die Vorbereitung auf eine seiner ersten Expeditionen; heute wäre so etwas wegen der Vorschriftenlage wohl nicht mehr möglich.

70 Tage ohne Dusche

Fuchs zeigt Aufnahmen und schildert Eindrücke von seiner Expedition ins grönländische Inlandeis 1983, als er auf den Spuren Alfred Wegeners ist. „70 Tage ohne waschen – das ist nichts, auf das man stolz sein kann“, sagt Fuchs „aber auch das gehört zur Wahrheit einer solchen Expedition dazu.“

Er berichtet über die Zusammenarbeit mit den Schlittenhunden, wie das „Teambuilding“ funktioniert, und wie schwierig es ist, sich nach Monaten des Zusammenlebens wieder von ihnen zu trennen. Übrigens: Eines des Highlights für die zugkräftigen Tiere im Laufes des Tages war die Fuß-, beziehungsweise Pfotenpflege mit einer bestimmten Schutzcreme: „Morgens legten sich die Hunde schon hin und strecken uns die Füße entgegen.“ Hunde-Pediküre im Eis.

Seit 1989 besitzt Fuchs das Expeditionsschiff „Dagmar Aaen“, in der Folge verlegte er seine Aktivitäten primär auf das Wasser.

Atemberaubend sind seine Aufnahmen vom Segeln in schwerer See, das Schiff mit beängstigender Schlagseite, das halbe Deck unter Wasser – das sei „schon sportlich“, meint Fuchs trocken. Stundenlang in diesem tosenden, lebensbedrohenden Geschehen – das erfordert schon eine ganz besondere Typen.

Grübeln über Motivation

„Was treibt ihn eigentlich, sich immer wieder solcher Gefahren auszusetzen?“ Diese Frage bestimmt die Gespräche in der Pause.

Mit den Jahren wurde der Klimawandel auf seinen Reisen ein immer größeres Thema. Einmal fordert Fuchs Entscheidungen vom Klimagipfel in Marrakesch, aber das Anklagen ist seine Sache nicht. Stattdessen dokumentiert er die dramatische Entwicklung, er lässt Bilder und Beobachtungen sprechen. Aus seinen Aufnahmen wird deutlich, wie rasant die Entwicklung fortschreitet. Seewege, die noch vor zehn Jahren völlig vereist waren, werden jetzt von Kreuzfahrtschiffen befahren, die noch nicht mal eine Eisverstärkung haben.

Wird die Entwicklung zu stoppen sein? „Reversibel ist sie nicht“, sagt Fuchs nüchtern, „jedenfalls werden wir das nicht mehr erleben.“

Arved Fuchs wird den Dingen auf der Spur bleiben und hat Grönland fest im Blick. Im Norden der Insel war er bislang noch nicht. „Aber ich bin ja noch nicht durch mit Grönland“, meinte Fuchs. „Da kann ja noch was kommen.“

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