Sportfischereiverein Diepholz setzt auf schonende Entschlammung

Ein spezieller „Frosch“ in den Lohneteichen

Hügellandschaft an den Lohneteichen: Bis zum Herbst müssen alle Polder wieder geschlossen und der Abraum, der sich dort auftürmt, auf einer landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche verteilt werden.
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Hügellandschaft an den Lohneteichen: Bis zum Herbst müssen alle Polder wieder geschlossen und der Abraum, der sich dort auftürmt, auf einer landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche verteilt werden.

Diepholz - „Fischsterben – oder entschlammen?“ Die Antwort stand – weil es keine Alternative gab – von vornherein fest. Deshalb gaben die Mitglieder des Sportfischereivereins Diepholz in der letztjährigen Jahreshauptversammlung dem Vorstand auch „grünes Licht“ für die Entschlammung der Lohneteiche. Allerdings war diese Zustimmung auch mit ein wenig Bauchweh verbunden. Immerhin mussten dafür rund 35 000 Euro locker gemacht werden. Bis zum Abschluss dieser ,,Gewässer-Erhaltungsmaßnahme“ im späten Sommer sind dann noch einmal 3500 Euro für Restarbeiten außerhalb der Teiche erforderlich.

„Das Gröbste haben wir hinter uns,“ freut sich der Geschäftsführer des Sportfischereivereins und „Projektleiter“ Uwe Hoffmann. Dass die Entschlammung so glatt über die Bühne ging, habe man sowohl dem guten Miteinander mit Behörden wie Landkreis und Landwirtschaftskammer und einem betroffenen Grundstücks-Eigentümer, aber vor allem der Firma UD Umweltdienste zu verdanken.

Das Unternehmen aus Bad Hersfeld, übrigens eine Tochter-Gesellschaft des Hessischen Bauernverbandes, setzte auf den Lohneteichen ein Amphibienfahrzeug mit einer Ausleger-Fräse ein, das von Mitarbeiter Simon Sikora mit entwickelt worden war und auch von ihm bedient wird. Das froschartige Gerät leistet 96 Pferdestärken und beförderte in Diepholz innerhalb eines Monats (15 Arbeitstage) 15000 Kubikmeter eines Gemischs aus etwa zwei Drittel Wasser und einem Drittel Schlamm ans Tageslicht.

Täglich sah Uwe Hoffmann nach dem Rechten. „Alles sehr unspektakulär,“ fasste er seine Eindrücke zusammen. „Es waren lediglich ein kleines Boot auf dem Teich zu sehen und ein Schlauch, der an blauen Bällen an der Wasseroberfläche gehalten wurde.“

Das Schlamm-Wassergemisch sei mittels einer Pumpe mit angebauter Schlammfräse, die an einem Arm am Boot befestigt war, direkt am Grund des Gewässers abgesaugt und in eigens dafür innerhalb von vier Tagen angelegte Polder gespült worden. Die müssen noch in diesem Jahr verschlossen werden, damit das Gebiet wieder als Überschwemmungsfläche zur Verfügung steht. Stichpunktartig war übrigens in den Teichen die Schlammmenge ermittelt worden, um die Größe dieser Polder festzulegen. Dafür hatte Markus Mümmler sein Schlauchboot zur Verfügung gestellt. Er unterstützte auch die Probe-Entnahme. Dafür sagte Uwe Hoffmann ihm „Dankeschön!“

Das Unternehmen habe mit einer maßgeschneiderten und umweltfreundlichen Lösung überzeugt, so Hoffmann. Im Gegensatz zu den vier anderen Anbietern habe man keinen Bagger eingesetzt, so dass die Uferböschungen nicht in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Der Schlamm sei auch nicht gleich auf dem gesamten Gelände verteilt worden. Somit seien für den Start der neuen Angelsaison keine größeren Arbeiten direkt am Gewässer nötig.

Während der Arbeiten sind, jedenfalls nach den Beobachtungen von Uwe Hoffmann und weiteren Petrijüngern, keine toten Fische gesichtet worden. Eine übermäßige Trübung des Gewässers hatte es auch nicht gegeben. „Die Art und Weise der Entschlammung ist für die Fische ausgesprochen schonend verlaufen.“ Selbst das Raubfischangeln sei an den Wochenende möglich gewesen.

Die Entschlammung sei, begründete Uwe Hoffmann diesen (finanziellen) „Kraftakt“, erforderlich gewesen, weil bei längerer Trockenheit im Sommer der Wasserstand in den Lohneteichen zu niedrig gewesen sei und die Fische – wie vor vier Jahren geschehen – sterben müssten.

„Jetzt haben wir erst einmal 40 Jahre Ruhe,“ ist sich Uwe Hoffmann sicher. Er riet aber dem 600 Mitglieder starken Verein, beziehungsweise dem Vorstand, schon jetzt für eine dann fällig werdende Entschlammung eine Rücklage zu bilden.

rdu

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