„Offene Tür“ beim Diakonischen Werk am Postdamm 

„Sie ist das Herz der Kirche“

Cocktailbar in der Fachstelle Sucht? Kann das denn richtig sein? Es wurde gezeigt, was man Leckeres aus Saft machen kann.

Diepholz - Was verbirgt sich hinter dem Begriff Diakonie? Wer und was ist das Diakonische Werk, was wird dort gemacht in dem Gebäude mit dem auffälligen violetten Fahrstuhlturm am Postdamm in Diepholz? Bei einem „Tag der offenen Tür“ gab das Team vom Diakonischen Werk Einblicke in seine Tätigkeiten.

Eingangs gab es Grußworte vom stellvertretenden Landrat Werner Schneider, vom stellvertretenden Diepholzer Bürgermeister Hans-Ulrich Püschel, von Wolfgang Reiter, dem Leiter des Referats Migration bei der Diakonie im Land Niedersachsen sowie von Superintendent Klaus Priesmeier. Dieser setzte sich mit dem Begriff Diakonie auseinander:

„In unseren Leitbildern heißt es: ,Die Diakonie ist der soziale Dienst der Kirche. Dort wird ein Großteil unserer soziale Arbeit geleistet‘. Aber das ist viel zu einfach ausgedrückt und beschreibt die Bedeutung der Diakonie für uns viel zu wenig. Bei uns im Kirchenkreis ist Diakonie mehr als nur die helfenden Hände – sie ist das Herz der Kirche.“

Stationen in jedem Büro

Das war der Startschuss für einen Tag mit buntem Programm, alsbald füllten sich die Räume am Postdamm, Vertreter aus dem kirchlichen Umfeld, aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Vereinen und öffentlichem Leben, Nachbarn und Klienten nahmen die Räume in Augenschein.

Die Mitarbeiter der Diakonie hatten in jedem Büro Stationen aufgebaut – viele verschiedene Angebote. Dazu gehörte die „Cocktailbar“ der Fachstelle Sucht, die die Gäste mit einem Begrüßungscocktail an der Saftbar empfing. Die Sozialstation hatte eine Alterssimulation angeboten, – Brillen, die die Sicht und Anzüge mit Gewichten an bestimmten Stellen, die das Körpergefühl so verändern, als wäre man 40 Jahre älter.

In den Fluren wurden verschiedene Kurz-Filme gezeigt („Mein Kopftuch gehört dazu – jung und muslimisch in Deutschland“, „Glaubensrichtungen im Vergleich“ usw). Die Jugendberufshilfe „RazzFazz“ hatte eine Tombola aufgebaut, bei der es diverse Preise zu gewinnen gab. In der Flüchtlingssozialarbeit stand ein gedeckter Esstisch, an dem die Besucher sich sich über Projekte wie das „Welcome Dinner“ informieren konnten.

Und überall konnten die Besucher Quiz und Tests machen. Über ihr Suchtverhalten, sein Wissen über suchtverursachende Substanzen, über Spielsucht, über seine Finanzkompetenz, sein Ausgabeverhalten, welcher „Finanztyp“ man ist…

Überall luden Tests zum Mitmachen ein, hier zum Thema Verschuldung, bzw. Finanzkompetenz. - Fotos: Unger

Erik Walsemann aus der Fachstelle Sucht, Fachmann für den Bereich Glücksspielsucht bei der Diakonie, hatte in einer „Vorab-Premiere“ das neue Video „Sportexperte = Wettexperte“ gezeigt, das morgen beim „Aktionstag Glücksspielsucht“ deutschlandweit erst offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Der Film für die Präventionsarbeit wurde von der „Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen“ (nls) in drei Bundesländern entwickelt, weil Sportwetten zu einem immer größer werdenden Problem in der Suchtarbeit werden.

Die Beratungsstellen melden seit drei Jahren einen stark wachsenden Zulauf von Klienten, die exzessiv Sportwetten betreiben. Ihr Anteil in den Fachdiensten für Suchthilfe stieg von sechs Prozent im Jahr 2013 auf 14 Prozent im Jahr 2015, die bisherigen Zahlen für dieses Jahr lassen einen noch größeren Anstieg befürchten.

miu/sr

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