Kanutour der „Kümmerer“

Selbstreinigungskraft der Lohne überfordert

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Forschungsreise“ auf der Lohne. - Foto: Tornow

Diepholz - Rückblickend könnte es fast ein biblisches Zeichen gewesen sein, als ein Eisvogel zu Beginn einer besonderen Kanu-Tour auf der Lohne über die Köpfe der Teilnehmer hinweg schoss. Einer französischen Sage nach sandte Noah nach der Taube als zweiten Boten einen Eisvogel. Der soll damals noch grau gewesen sein. Doch als er einem Sturm ausweichen musste, kam er dem Himmel so nah, dass sein Gefieder dessen Farbe annahm, während der Bauch von der Sonne verbrannt wurde. Und da der Vogel schließlich die Arche nicht mehr fand, sucht er heute immer noch auf dem Wasser nach ihr.

Die „Kümmerer der Lohne“, der Sportfischereiverein sowie der Agenda 21-Förderverein, Schülerinnen und Schüler des Diepholzer Gymnasiums Graf-Friedrich-Schule mit ihrer Lehrerin Sylke Teuteberg, die RUZ-Lehrkraft Lukas Breul und der Kreisnaturschutzbeauftragte des Landkreises Diepholz (Südteil), Dieter Tornow, als Partner des von Bingo finanziell geförderten Umweltbildungsprojektes des Dümmer-Museums „Warum geht der Lohne die Luft aus“ erkundeten die Lohne mit dem Kanu.

Aktuell „leidet“ die Lohne, der größte und wichtigste Ausfluss des Dümmers, unter der großen Algen-Biomasse im See, einer Folge der überhöhten Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet der Hunte südlich des Dümmers. Und unter der geringen Fließgeschwindigkeit, eine Folge der Wassermengenbewirtschaftung, die im Dümmerbewirtschaftungsplan festgeschrieben worden ist, um für den Wassersport auf dem Dümmer ausreichende Wasserstände gewährleisten zu können.

Lohne ist erneut „die Luft ausgegangen“

Beide Faktoren zusammen überfordern die Selbstreinigungskraft der Lohne. Dies wird insbesondere im Spätsommer durch eine massive Sauerstoffzehrung deutlich. In diesem Jahr ist der Lohne erneut „die Luft ausgegangen“, weil sie zeitweise mit dem Abbau der Algen-Biomasse aus dem Dümmer überfordert ist. Als Folge davon zieht sich seit geraumer Zeit ein unangenehmer Geruch von abgestorbenen Algen durch die Vorgärten entlang der Lohne, der vielen Anwohnern ein Schlafen bei offenem Fenster unmöglich macht. Der Verlust an Lebensqualität wird noch gesteigert, weil man davon ausgehen muss, dass zwischen Eggers Brücke und dem Rathaus kein Fisch überlebt hat. „Bei einem langsamen Abnehmen der Sauerstoffkonzentrationen in einem Gewässer verkriechen sich die Fische zwischen Wasserpflanzen oder am Gewässergrund, sie nehmen keine Nahrung mehr auf und sterben einen leisen Tod“, so Jürgen Pfeiffer vom Sportfischereiverein Diepholz. Am 25. August muss es die Wende zum Schlechten gegeben haben, trotz „Fischretter“ und diverser Belüftungsversuche, berichtet Dieter Tornow.

Dabei war man mit so viel Optimismus an die Arbeit gegangen. Die Stadt Diepholz hatte den „Fischretter“ geordert, der aus Mitteln der „Sofortmaßnahmen“ der Fortsetzung der Dümmersanierung angeschafft worden war, und Dominik Kitzol und Jürgen Pfeiffer vom Sportfischereiverein hatten in Eigeninitiative bei ihrem Vereinsheim Tag und Nacht Luft in das Gewässer gepumpt (wir berichteten).

Bei Eggers Brücke stiegen die Sauerstoffwerte an

Doch der Tag endete für die „Kümmerer der Lohne“ mit einem kleinen Wunder, wie es der Eisvogel zu Beginn vermuten ließ. Bei Eggers Brücke stiegen am Dienstagabend die Sauerstoffwerte wieder an. Um 14 Uhr, zu Beginn der Kanu-Tour, waren es an dieser Stelle nur 0,11 Milligramm Sauerstoff pro Liter, statt einem Milligramm, dem Minimumwert zum Überleben der Fische. Um 18.20 Uhr war der Sauerstoffgehalt plötzlich auf 1,55 Milligramm pro Liter und um 19.50 Uhr bei 2,46 Milligramm pro Liter angestiegen.

Der Grund war laut einer Pressemitteilung schnell gefunden: Sauerstoffreiches Wasser aus dem Dümmer ohne allzu viel absterbende Algen! Die „Kümmerer der Lohne“ wünschen sich, dass noch mehr von diesem „guten Wasser“ das alte abgestandene, sauerstofffreie Wasser aus dem Flussbett der Lohne verdrängt und man in Diepholz auf den Brücken über die Lohne und den Gärten an der zurzeit stinkenden Lohne bald wieder tief durchatmen kann.

„Die Fortsetzung der Dümmersanierung– mit dem noch ausstehenden Bau eines Großschilfpolders und weiteren unterstützenden Maßnahmen– wird sich positiv auf den Wasserqualität in der Lohne auswirken. Dennoch muss sich Diepholz darum bemühen, dass die Lohne in den 27-Punkte-Plan der Fortsetzung der Dümmersanierung aufgenommen wird, denn für die Lohne muss grundsätzlich etwas verändert werden“, waren sich die „Kümmerer der Lohne“ am Ende der Kanu-Tour einig.

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