Drei Fürsprecher im Landkreis Diepholz 

Sechs offene Ohren für unzufriedene Patienten

Arbeiten im Sinne der Patienten und der Bürger im Landkreis Diepholz zusammen: (v.l.) Patientenfüsprecher Horst Glockzin, Alexianer-Geschäftsführer Uwe Lorenz, Patientenfürsprecherin Sigrid Glockzin, Landkreis-Gesundheitskoordinator Stefan Hempe, Landrat Cord Bockhop und Patientenfürsprecherin Isabell von Kameke. - Foto: Seidel

Diepholz/Bassum - Von Anke Seidel. Da ist die verzweifelte Patientin, die ihren Geburtstag unbedingt bei ihrer Familie und nicht im Krankenhaus verbringen will – oder der ratlose Erkrankte, dem die ärztliche Erläuterung zu seinem Leiden nicht reicht. Beide haben eines gemeinsam: Sie haben sich an die Patientenfürsprecher im Landkreis Diepholz gewandt.

Äbtissin Isabell von Kameke aus Bassum und das Diepholzer Ehepaar Sigrid und Horst Glockzin haben seit sechs Jahren ein offenes Ohr, wenn es in den Kliniken zu Differenzen kommt. Künftig handeln die drei Ehrenamtlichen aber nicht mehr im Auftrag des Landkreises, sondern der Alexianer. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung.

Weil die drei Patientenfürsprecher aber nach wie vor Ansprechpartner in Konfliktfällen, bei Nachfragen oder auch für Lob bleiben, sprach Landrat Cord Bockhop bei einem Treffen im Kreishaus Diepholz von der „Übergabe eines Staffelstabes“. Ganz konkret waren es aber Blumen, die Bockhop sprechen ließ.

Viele brauchen jemanden zum Reden

Zwischen 30 und 40 Anfragen sind es, denen die Patientenfürsprecher pro Jahr nachgehen. „Wir haben eigentlich nicht viel zu tun“, formulierte es Isabell von Kameke. Vielfach bräuchten die Menschen einfach nur einen Zuhörer. Erfahren hat sie aber auch, dass bei Anrufen aus der Psychiatrie Hilfe manchmal nicht möglich ist – zum Beispiel dann, wenn ein Arzt gerade nicht erreichbar ist. Das sei kein gutes Gefühl, bekannte die Äbtissin.

Auf der Patientenfürsprecher-Tagung in Berlin hat sie erfahren, dass die Zahl dementer Patienten in den Krankenhäusern bundesweit steigt – und dass bei ihrer Betreuung mit Märchen-Erzählungen beeindruckende Ergebnisse erzielt werden. Irritiert hat sie jedoch, dass an der Spitze aller Patientenfürsprecher in Niedersachsen ein „Patientenschutzbeauftragter“ steht. Grundsätzlich, so stellte die Äbtissin fest, seien die Bedingungen für die Ärzte und die Mitarbeiter in Krankenhäusern allgemein im Laufe der Zeit sehr schwierig geworden.

Sigrid Glockzin verwies auf das Qualitätsmanagement der Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz und hat die Gespräche mit den Stationsleitungen in den Krankenhäusern als sehr wohltuend empfunden. „Man kennt sich, man spricht miteinander. Es geht immer um die Sache, um den Patienten – und um den Ruf des Hauses.“

Es habe nur ganz wenige Fälle gegeben, in denen keine Rückmeldung möglich war, so berichtete Horst Glockzin aus der Arbeit der Patientenfürsprecher. Entscheidend sei die Botschaft: „Man hat sich gekümmert. Das hat für Zufriedenheit gesorgt.“ Immer wieder bedanken sich demnach Patienten bei den Fürsprechern dafür, das Problem an die zuständigen Stellen weitergegeben zu haben.

Ausnahmesituation für alle

Alle drei Fürsprecher wissen, dass ein Klinik-Aufenthalt eine Ausnahmesituation für die Menschen bedeutet – genauso für ihre Angehörigen. Und dass Konflikte manchmal aus der Tatsache heraus entstehen, dass Patienten die Hintergründe für eine Entscheidung nicht kennen.

Den „Klassiker“ beschreibt Isabell von Kameke so: Da habe sich jemand verletzt und sei empört darüber, dass er nicht direkt und schnell im Bassumer Krankenhaus behandelt werde, sondern nach Sulingen müsse. Grund dafür: Die Zulassung der Berufsgenossenschaft für solche Behandlungen hat allein die Klinik in Sulingen.

„Wer den Hintergrund kennt, ärgert sich weniger“, hat die Äbtissin erfahren. Doch das funktioniert nicht immer: „Wir haben auch Meckerer, die nur mecken wollen“, berichtet Sigrid Glockzin über einen ganz besonderen Menschenschlag. „Und wenn ihnen gar nichts mehr einfällt, ist es das Essen...“

Oft sind es fehlende Gesprächsmöglichkeiten mit den Ärzten, die bei Patienten für Unzufriedenheit sorgen. Aus diesem Wissen heraus hat Sigrid Glockzin die Anregung weitergegeben, auf den Stationen spezielle Sprechzeiten einzurichten.

Bei ihren Besuchen auf den Stationen habe sie aber auch schon erlebt, „dass die Stimmung schlecht war“. Auch diese Rückmeldung habe sie den Mitarbeitern gegeben, „denn die Außenwirkung ist wichtig!“ Weitergegeben an die Mitarbeiter würden natürlich auch die Rückmeldungen von Patienten, die mit ihrer Betreuung bestens zufrieden waren. Botschaft: „Es war alles super!“

Gute Zusammenarbeit

Es ist die Kommunikation von Mensch zu Mensch, zwischen Patient und Fürsprecher, die für Landrat Cord Bockhop einen enormen Wert besitzt. „Neutralität ist ganz wichtig“, so bewertete auch Uwe Lorenz als Geschäftsführer der Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz die Arbeit der drei Ehrenamtlichen. „Die Zusammenarbeit klappt fantastisch“, fügte er hinzu. Es habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt.

„Lösungen sind aus einer gewissen Distanz besser zu finden“, bestätigte Horst Glockzin – und erinnerte an besagten Patienten, der mit den ärztlichen Erläuterungen zu seinem Leiden nicht zufrieden war. Dass der Arzt ihm nach Intervention des Patientenfürsprechers weitere Informationen gegeben hatte,  half dem Mann. „Meine Situation hat sich zwar nicht verbessert“, so zitierte Horst Glockzin besagten Patienten, „aber mein Inneres“.

Kontakt

Horst und Sigrid Glockzin:

Telefon 05441/2467

Isabell von Kameke:

Telefon 04241/971865

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