Feier zum Auftakt des Diepholzer Grafensonntags

Schlossturm eingeweiht: „Schön ist er geworden“

Symbolische Übergabe des Schlüssels für den sanierten Diepholzer Schlossturm (von links): Peter Bröker (Leiter Staatliches Baumanagement), Carsten Dänekas (Leiter Amtsgericht Diepholz), das „Grafenpaar“ Henrike Schoo und Georg Türke, Bürgermeister Dr. Thomas Schulze und Richard W. Bitter (Heimatverein). - Foto: Jansen

Diepholz - „Schön ist er geworden!“ Für diese Einschätzung bekam Richard W. Bitter, Vorsitzender des Heimatvereins Diepholz, klare Zustimmung. Nach aufwändiger Sanierung, die sich das Land Niedersachsen als Eigentümer 800 000 Euro kosten ließ, wurde der Diepholzer Schlossturm am Vormittag anlässlich des 32. Diepholzer Grafensonntages mit vielen Gästen eingeweiht. Für den Heimatverein ist die Sanierung aber nur der „erste Bauabschnitt“.

Bitter forderte in seiner Rede den zweiten Abschnitt, um Brandschutzeinrichtungen zu schaffen, damit nicht – wie zurzeit – ohne Präsenz der Feuerwehr-Drehleiter nur zwei Menschen gleichzeitig in den Turm dürfen (wir berichteten). Der Heimatvereins-Vorsitzende: „Sonst haben wir wieder den Zustand wie bis Ende 1983: Mitten in der Stadt steht unser Wahrzeichen und man darf nicht hinein.“ Der Heimatverein Diepholz will im Schlossturm ein Museum einrichten.

Die öffentliche Forderung gefiel Bürgermeister Dr. Thomas Schulze offenbar gar nicht: „Die Schlossturm-Sanierung ist ein Geschenk des Landes Niedersachsen. Und man sollte nicht vor der Eröffnung über dieses Geschenk meckern“, kritisierte er in seiner Rede den Heimatverein. In internen Gesprächen – nicht öffentlich – werde nach Lösungen für das Brandschutz-Problem gesucht.

Dabei geht es auch darum, wer das bezahlt.

Schulze betonte zur Beginn seiner Rede im Schlosshof die Bedeutung der Sanierung. „Der Turm ist nicht nur ein historisches Gebäude, sondern das Symbol unserer Stadt“. Er dankte allen Beteiligten und sah in den aufwändigen Arbeiten auch ein Zeichen dafür, dass das Land Niedersachsen seinen Amtsgerichts-Standort Diepholz langfristig erhalten wolle.

Amtsgerichts-Leiter Carsten Dänekas hatte als Hausherr die Gäste zur Turm-Einweihung im Schlosshof begrüßt – darunter Abgeordnete, Ratsmitglieder, Vertreter der Polizei, frühere Amtsgerichts-Direktoren und Mitglieder des Heimatvereins Diepholz.

Peter Bröker, Leiter des Staatlichen Baumanagements Weser-Leine (Nienburg), das die Turmsanierung im Auftrag des Landes umsetzte, berichtete vom Verlauf der ein Jahr dauernden Arbeiten, die mit der Bekämpfung des „gescheckten Nagekäfers“ begonnen hatten. Dieser hatte einen Teil des mittelalterlichen Gebälks zerfressen. Bröker empfahl, nicht wieder Efeu am Turm ranken zu lassen. Die Pflanze hatte große Schäden am Mauerwerk verursacht. Symbolisch überreichte Bröker den Turmschlüssel an Amtsgerichts-Chef Carsten Dänekas. Dieser gab ihn weiter an Bürgermeister Schulze – und der an den „Grafen von Diepholz“.

Zu einem Böllerschuss ließen die Gäste zum Abschluss der Einweihungsfeier Luftballons in den Stadtfarben Blau und Gelb in den Himmel steigen.

Nach diesem Festakt waren dann ab 13 Uhr die Geschäfte in der Innenstadt geöffnet und Autohändler stellten dort neue Modelle aus. Zu dem 32. Grafensonntag bei bestem Wetter strömten Menschenmassen nach Diepholz. Um 14 Uhr eröffneten „Graf Friedrich“ – zum 32. Mal dargestellt von Georg Türke – und seine neue „Gemahlin“ Henrike Schoo am Bremer Eck den traditionellen Grafensonntag und übten – wie jedes Jahr – mit den umstehenden Bürgern den „Grafengruß“. Mit einer Kutsche fuhr das Grafenpaar durch die Innenstadt – Martin Kalkwarf machte als „Herold“ für sie Platz.

„Diepholzer Grafensonntag“

Im Schlosshof bot der Heimatverein unterdessen Kaffee und Kuchen an. Auch Deftiges war dort zu bekommen. Im Verlauf des Nachmittages nutzten 143 Bürger die Gelegenheit, den sanierten Schlossturm von innen zu besichtigen. Die Zahl war wegen der Brandschutz-Auflagen begrenzt.

Am Schloss hatten in der Nacht Unbekannte wieder die bekannten „Diepholzer Holzmännchen“ aufgestellt, die dieses Mal die Brandschutz-Besucherbeschränkungen kritisierten.

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