Gesellschaft des Zentrums für Werkstoffe und Technik hilft heimischen Firmen

Produktions-Problem im hochmodernen Labor gelöst

Erfolgreich gemeinsam ein Problem bei der Schallplattenproduktion gelöst: Holger Neumann (links), Geschäftsführer der Pallas, und Prof. Dr. Carsten Bye, Geschäftsführer der Diepholzer ZWT-Dienstleistungsgesellschaft. - Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Der schwarze Kloß kommt unter die Presse. Diese macht daraus eine Schallplatte. Doch das Polyvinylchlorid – der Werkstoff, aus dem der wieder sehr beliebte analoge Tonträger entsteht – ist nicht mehr so wie früher. Die EU hat die schädlichen Zusatzstoffe darin verboten. Und das führte beim Diepholzer Schallplattenhersteller Pallas beim Press-Prozess zu Problemen. Diese wurden nun gemeinsam mit der Dienstleistungsgesellschaft des Zentrums für Werkstoffe und Technik (ZWT) gelöst. Ein Beispiel für die laufende Zusammenarbeit von heimischen Firmen und der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT).

Die ZWT GmbH bietet den Betrieben in Diepholz Untersuchungen und Forschungen mit hochmodernen Laborgeräten an, die sich ein Mittelständler kaum leisten kann oder nicht auslasten würde. Da ist es viel günstiger, die Fachleute des ZWT in Diepholz an der Thüringer Straße für erbrachte Leistungen zu bezahlen. „Das kann eine komplexe Fragestellung sein oder auch nur eine einfache Materialuntersuchung“, erklärt Prof. Dr. Carsten Bye, Geschäftsführer der ZWT-Dienstleistungsgesellschaft.

Am Vinyl-Problem der Pallas arbeiteten die Experten des Zentrums für Werkstoffe und Technik fast ein halbes Jahr. Die Schwierigkeit war, dass der Werkstoff zur Schallplatten-Herstellung durch die Fließwachse, die die verbotenen Zusätze ersetzen, andere Fließeigenschaften bekommen hatte. Beim Pressvorgang lief der schwarze „Klumpen“ nicht mehr homogen auseinander. Das ergab viel Ausschuss.

Die Pallas experimentierte mit verschiedenen Temperaturen beim Pressen, veränderte den Druck. Doch das brachte dauerhaft keinen Erfolg, zumal sich das Vinyl von Charge zu Charge immer wieder unterschied.

Durch aufwändige Verfahren unter anderem mit dem Einsatz der Rasterelektronenmikroskopie zur Ermittlung der Granulatzusammensetzung und des Hochdruckkapillarrheometers zur Ermittlung der Fließeigenschaften konnten die bei der ZWT-Dienstleistunggesellschaft angestellten Prüfingenieure schließlich Empfehlungen an den niederländischen Vinyl-Hersteller geben, wie er seine Rezeptur optimieren und damit das Problem seines Diepholzer Kunden lösen konnte.

Hintergrund: Die Pallas könnte nicht so einfach ihren Lieferanten wechseln, denn für Schallplatten-Vinyl gibt es in Europa nur noch zwei Hersteller. Und die haben wegen des Booms der analogen Tonträger sehr gut zu tun.

Die Pallas verarbeitet laut Geschäftsführer Holger Neumann pro Monat 36 Tonnen Polyvinylchlorid, das in der Schallplattenbranche kurz Vinyl genannt wird. Es wird als Granulat angeliefert. In einem Extruder bei der Pallas entsteht der Massekloß für den Pressvorgang.

„Es war eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit kurzen Wegen und die gemeinsamen Gespräche verliefen immer auf Augenhöhe“, nennt Neumann zwei wesentliche Vorteile der Kooperation mit der ZWT-Gesellschaft. Kurzfristig konnten sich die Beteiligten zu Gesprächen treffen, was auch der bei der Pallas für die Qualitätssicherung zuständige Frank Dietzmann zu schätzen wusste.

Der traditionsreiche Diepholzer Schallplattenhersteller Pallas ist nicht der einzige Kunde der ZWT-Gesellschaft. Unter anderem geben der Landmaschinenhersteller Grimme aus Damme, die Kunststoffverarbeiter Omega Technology Plastic (Diepholz) und Barku (Barnstorf) sowie der Automobilzulieferer ZF Problemlösungs-Aufträge an die mit der PHWT kooperierende ZWT-Gesellschaft. 80 Prozent der Aufträge kommen von Firmen aus dem Landkreis Vechta.

Mit besonders interessanten Projekten wirbt die ZWT in ihrem Gebäude an der Thüringer Straße. Nicht nur die Pallas ist mit ihrer „Prozessoptimierung einer modernen Schallplattenproduktion“ dabei. Beispielsweise hat auch Vilsa-Brunnen (Bruchhausen-Vilsen) in Diepholz eine Problemlösung bekommen. Dabei war die „Analyse des Verschlussmechanismusses bei Pet-Mehrwegflaschen – Variationen der Kappengeometrie und des Kappenwerkstoffes“ erfolgreich. Details werden auf den Postern nicht genannt.

„Wir garantieren den Unternehmen strenge Bewahrung der Betriebsgeheimnisse“, betont Bye. Deshalb dürfen auch keine Studenten der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik an den Aufträgen von Firmen mitarbeiten, sondern nur die fachlich versierten Laboringenieure vor Ort. Die Ergebnisse können aber durchaus – anonymisiert – in die Vorlesungen einfließen.

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