Flüchtlinge bemalen alte Stühle

Ein Platz für Menschen aus anderen Kulturen

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Mohammed Perwiz Sultini, der aus Afghanistan stammt, malte eine bunte Landschaft auf einen Stuhl.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Eine bergig-waldige Gegend, blauer Himmel, Sonne. Mohammed Perwiz Sultini hat diese Landschaft gemalt. Der Asylbewerber stammt aus Afghanistan und hat offenbar großes künstlerisches Talent.

Für sein Bild hat der 26-Jährige keine Leinwand verwendet, sondern einen alten Stuhl. 26 dieser gespendeten Möbelstücke haben Flüchtlinge in der Unterkunft am Kielweg in Diepholz bemalt. Die Stühle sollen in mehreren Gebäuden in der Stadt öffentlich aus- beziehungsweise aufgestellt werden.

Inge Kock hat diese Aktion ins Leben gerufen. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Flüchtlingspatin in Diepholz – unter anderem in der Kleiderkammer an der Hinterstraße. Auf die Idee zur Stuhl-Bemalung in Diepholz brachte sie die Aktion „Kulturstühle“ in Göttingen.

Die Diepholzerin besorgte alte Stühle – teils gespendet von der Kreuzkirchen-Gemeinde Sankt Hülfe-Heede. Auch Farben wurden von Bürgern zur Verfügung gestellt. Inge Kock: „Die Flüchtlingssozialarbeit des Diakonischen Werkes unterstützt das Projekt. Die Stadt Diepholz erteilte die Erlaubnis, die Mal-Aktion in der Unterkunft am Kielweg zu starten.“

Im Wintergarten des ehemaligen Wohnhauses schwangen die Flüchtlinge nun mit großem Eifer die Pinsel.

Die Aktion brachte nicht nur eine Beschäftigung in ihren tristen Alltag, sondern soll auch das Thema Flüchtlinge in Diepholz weiter ins Bewusstsein bringen.

Fröhliche Stimmung unter den Flüchtlingen in der Diepholzer Unterkunft am Kielweg: Sie bemalten dort alte Stühle, die in öffentlichen Gebäuden in der Stadt aufgestellt werden sollen. Rechts: Initiatorin Inge Kock.

Nach den Plänen von Inge Kock sollen die Asylbewerber ihre Kunstwerke in öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Klinik, Landkreis und Kirchen aufstellen. Die Stühle sollen dort symbolisieren: „Hier ist ein Platz für Menschen aus anderen Kulturen.“

Die Asylbewerber zeigten sich bei der Motivwahl ideenreich. Ein Flüchtling aus Afghanistan, der Pianist ist, bemalte beispielsweise einen weißen Stuhl mit Notenschlüsseln und Klaviertastatur. Mit den Farben der deutschen Flagge – Schwarz-Rot-Gold – zeigten einige der beteiligten Asylbewerber ihre Verbundenheit zu ihrer jetzigen Heimat.

Ob die Institutionen dem Aufstellen der Stühle zustimmen, ist noch unklar. Inge Kock hat sie noch nicht gefragt.

27 junge Männer machten mit bei der Kunst-Aktion. Die meisten leben in der städtischen Unterkunft am Kielweg, andere kamen aus der Unterkunft an der Engen Straße auf Einladung von Inge Kock hinzu. Deutsch sprechen fast alle schon recht gut. Sie stammen aus Afghanistan und Pakistan.

Nach der künstlerischen Betätigung versammelten sich einige in der Küche des Hauses. Dort waren die Flüchtlinge aus Afghanistan mit der Zubereitung des Abendessens an der Reihe. Es gab ein typisches Gericht aus ihrem Land: Reis mit Rosinen, Nüssen, Möhren und Hühnerfleisch. Ihr Wunsch: „Wir können noch ein paar Töpfe gebrauchen.“ Wer welche spenden möchte, kann diese mittwochs von 15 bis 17 Uhr in der Kleiderkammer an der Hinterstraße 15 in Diepholz abgeben.

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