BBS Europaschule in Syke kann zwei Räume und Lehrkräfte bereitstellen

Kompetenzzentrum: Kleiner Start 2018?

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Diepholz/Syke - Von Anke Seidel. 2927 Quadratmeter Fläche würden gebraucht, um alle Vorschläge und Ideen für das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit zu verwirklichen – ohne das Internat. Diese Zahl nannte Erster Kreisrat Wolfram van Lessen während der Sachdarstellung im Schulausschuss. Das Volumen würde Baukosten in Höhe von etwa fünf Millionen Euro bedeuten.

„Vergessen Sie diese Zahl gleich wieder“, riet van Lessen den Ausschuss-Mitgliedern. Denn das Ziel ist eine preiswertere Lösung. Genau die scheint bereits in Sicht: Die BBS Europaschule Syke könne 2018 zwei erste Räume für das Kompetenzzentrum anbieten, sagte der Erste Kreisrat. Das habe BBS-Direktor Horst Burghardt bereits angeboten. „Er hat auch die entsprechenden Fachlehrer“, hieß es. Das bestätigte Barbara Groeneveld als Vertreterin der BBS Europaschule im Ausschuss.

Damit könnte das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit punktgenau mit dem neuen Pflegeberufe-Reformgesetz starten – elementare Basis für das neue Zentrum. Wie Oliver Netzband als Fachdienstleiter Bildung erläuterte, soll das Gesetz gestuft in Kraft treten – und der erste Ausbildungsjahrgang am 1. Januar 2018 beginnen. Eine Beschlussempfehlung für den ersten Baustein des Kompetenzzentrums an der BBS Europa-Schule gab es im Schulausschuss nicht – wohl aber viel Anerkennung für die Ideen-Skizze der Kreisverwaltung.

Zufrieden zeigte sich insbesondere Frank Seidel (SPD), der schon im Februar im Schulausschuss endlich Engagement für das Kompetenzzentrum gefordert hatte – schließlich sei der Beschluss dafür schon im September 2014 gefasst worden (wir berichteten). Die Verwaltung dagegen hatte mit dem fehlenden Reformgesetz argumentiert. Denn auf dieser Basis soll die Ausbildung zur Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege-Fachkraft zusammengelegt werden.

Den Entwurf habe das Bundeskabinett Mitte Januar 2016 beschlossen, erklärte Oliver Netzband in Diepholz. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung liege ebenfalls vor. Geplant sei der einheitliche Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Es sei auch eine dreijährige hochschulische Pflegeausbildung vorgesehen: „Das neue Studienfach wird den wissenschaftlichen Stand zur Pflege vermitteln.“ Danach würden die Fachkräfte den Titel mit akademischem Grad führen. Die dreijährige (in Teilzeit höchstens fünfjährige) Ausbildung umfasst demnach mindestens 4600 Stunden, davon 2100 Stunden als theoretischer und praktischer Unterricht durch die Pflegeschule – in diesem Fall also das Kompetenzzentrum – und 2500 Stunden praktische Ausbildung. „Die staatliche oder staatlich anerkannte Pflegeschule trägt die Gesamtverantwortung für die Koordination des Unterrichts mit der praktischen Ausbildung“, erläuterte Netzband. Pflegeschulen und Träger der praktischen Ausbildung würden Kooperationsverträge schließen.

Wie schon Frank Seidel zollte der Ideen-Skizze auch Hans-Werner Schwarz (FDP) Anerkennung. Er befürchtete aber auch: „Es wird nicht alles so glatt laufen, wie es uns vorgestellt worden ist.“ Die Strategie der kleinen Schritte auf dem Weg zum Kompetenzzentrum, sprich ein zeitnaher Start an der BBS Europaschule, war auch für Dieter Engelbart (CDU) der richtige Weg: „Es macht wenig Sinn, ein tolles Gebäude zu bauen und nachher womöglich keine Schüler zu haben.“

Eine Frage allerdings beschäftige sowohl die Politiker als auch die Vertreterin der BBS Europaschule: „Gibt es Gespräche mit den Alexianern?“ Sie betreiben bekanntlich eine eigene Krankenpflegeschule in Eydelstedt. „Selbstverständlich“, antwortete Erster Kreisrat van Lessen. Grundsätzlich sei man mit den Alexianern ständig im Gespräch.

Die Ideen-Skizze:

Aus fünf inhaltlichen Bausteinen besteht die Ideen-Skizze für das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit, die Erster Kreisrat Wolfram van Lessen vorstellte:

Ausbildung: Hochschule (Studium Pflegefachkraft), Pflegeschule (Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege), Fachoberschule Gesundheit und Pflege, Berufliches Gymnasium Gesundheit und Pflege (beide bestehen bereits an der BBS Europaschule Syke), Berufsfachschulen Pflegeassistenz sowie Hauswirtschaft mit Schwerpunkt persönlicher Assistenz (bestehen bereits an der BBS Europaschule Syke), „Internat“ (beispielsweise für Auszubildende mit ausländischen Wurzeln und speziellem Qualifizierungsbedarf).

Fort- und Weiterbildung: Für professionelle Pflegekräfte (allgemein und speziell als Alleinstellungsmerkmal des Kompetenzzentrums), Supervision, Einzelcoaching für Fachkräfte – mittelfristig aucch für pflegenahe Berufe wie Arzthelferinnen, Fort- und Weiterbildung für pflegende Angehörige und Ehrenamtliche mit Basis- und Aufbauschulungen sowie Einzelcoaching für pflegende Angehörige.

Beratung: Senioren- und Pflegestützpunkt, Kranken- und Pflegekassen sowie sonstige Beratungsstellen (beispielsweise für Krebspatienten) sowie Hospizdienste.

Selbsthilfe: Gruppen für pflegende Angehörige oder für Betroffene selbst, Erfahrungsaustausch für Fachkräfte, interkultureller Runder Tisch für ausländische Pflegekräfte.

Prävention: Info-Angebote der Krankenkassen, Rentenversicherungsträger oder der Volkshochschule sowie vergleichbaren Institutionen.

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