„Es ist mehr zerbrochen als nur Glas“

Diepholzer gedenken Judenverfolgung

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Bei der Gedenkveranstaltung am Abend auf dem jüdischen Friedhof.

Diepholz - Es war nur eine kleine Gruppe, die sich Mittwoch am frühen Abend auf dem jüdischen Friedhof an der Schlesierstraße/Eacke Pommernstraße einfand. Aber der Grund ihrer kurzen Zusammenkunft war ein wichtiger: Im Gedenken an die Reichspogromnacht hielten Diepholzer inne, um der Ereignisse 1938 zu gedenken. Eingeladen hatte, wie schon seit 2009, die SPD.

In einer kurzen Ansprache erinnerte Ortsverbandsvorsitzender Ingo Estermann daran, dass in jenen Zeiten „mehr zerbrochen ist als nur Glas“. Nämlich vor allem die vielen Menschenleben, die die Zeit des Nationalsozialismus zerstört habe.

Das Unheil machte auch vor Diepholz nicht halt. Von 1774 bis 1938 war der Friedhof mit den Verstorbenen aus den Reihen der jüdischen Diepholzer Mitbürger belegt. Im November 1938 wurden die Gabsteine zertrümmert und später als Schotter für den Straßenbau an der Lüderstraße verwendet. Nach 1945 herrschte lange Schweigen, bis 1994 bei Straßenbauarbeiten vor der Mühlenkampschule Grabsteinreste gefunden wurden. Initiativen aus der Bevölkerung und dem Rat bewirkten, dass ein Mahnmal unter Verwendung von Grabsteinresten auf dem jüdischen Friedhof entstand. 

Estermann schlug einen Bogen in die heutige Zeit. „Wir müssen verhindern, dass Menschen an die Schaltstellen kommen, die die Menschenwürde mit Füßen treten.“ Um eben das zu verhindern, was in jenen Zeiten passierte und für das der Friedhof mit seinem Gedenkstein ein Mahnmal ist.

Wie sehr der zunehmende Populismus in aller Welt die Menschen beschäftigt, das wurde in den Gesprächen am Rande der kleinen Gedenkveranstaltung deutlich.

Ingo Estermann freute sich gleichwohl, dass sich die Gedenkveranstaltung etabliert habe. Dennoch: Von den anderen Parteien waren keine Vertreter gekommen, obwohl dies, wie Estermann betonte, „keine SPD-Veranstaltung“ sei.

Nicht zuletzt erinnerte die Runde an den Diepholzer Ehrenbürger Günter Roberg, der 2014 verstarb. Auch er, der als Jude die Verfolgung miterlebt hatte, war bei der Einweihung des Denkmals am 9. November 1997 dabeigewesen. 

sr

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