Vorbehalte gegen Grippeschutz-Impfungen sind auch im Landkreis spürbar

Kleiner Pieks kann Leben retten

Landkreis   Diepholz - Die Töne des Herbstes sind nicht nur das Rauschen bunter Blätter, das Sausen von Wind und das Prasseln des Regens. Regelmäßig gesellt sich auch das Niesen, Husten und Schniefen der Menschen hinzu. Herbstzeit ist eben auch Erkältungs- und Grippezeit. Aus diesem Grund werden jedes Jahr Grippeschutz-Impfungen angeboten. Doch laut Daten-Analyse der Kaufmännischen Krankenkasse, entwickeln sich die Deutschen zu einem Volk von Grippeschutz-Impfmuffeln. Die Tendenz nehme in den vergangenen sechs Jahren weiter ab. Aber warum?

Dr. Ulrike Weiss, Leiterin des Teams für Infektionsschutz beim Landkreis Diepholz, kennt einige Gründe, die ihr regelmäßig genannt werden, wenn sie und ihre Mitarbeiter über Grippeschutz-Impfungen aufklären. „Ein Argument lautet: ,Durch die Impfungen werde ich krank". Das ist Unfug“, stellt Weiss klar. Es könne sein, dass man sich danach etwas schlapp fühle, fröstele oder Schmerzen um die Einstichstelle empfinde. Doch das sei positiv zu sehen. „Das zeigt, dass das Immunsystem reagiert und diese Symptome sind oft nach zwei Tagen vorbei. Es ist eine normale Reaktion des Körpers.“

Oft glauben auch Leute, die anfangen zu husten und zu niesen, sie hätten sich nun eine Grippe eingefangen. Dies seien aber eher Anzeichen einer Erkältung, ein Virus-Infekt, gegen den die Impfung nicht schütze. „Eine Grippe wird durch ein anderes Virus als die Erkältungen verursacht und verläuft ganz anders, sie trifft einen wie ein Hammer. Der Patient hat auf einen Schlag hohes Fieber, liegt bis zu zwei Wochen flach und ist so geschwächt, dass er kaum in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Gerade deswegen sollte man sich impfen lassen. Nicht nur, um sich selbst zu schützen, sondern auch um das Virus nicht an sein Umfeld weiterzugeben.“ Die echte Grippe führt laut Bericht der Krankenkasse in Deutschland zu 10 000 bis 20 000 Todesfällen im Jahr. Nach Hochrechnungen des Robert-Koch-Instituts gab es 2015/2016 geschätzte 4,1 Millionen grippebedingte Arztbesuche, 16 000 Patienten kamen ins Krankenhaus.

„Daher sollten sich vor allem Risikogruppen unbedingt einmal jährlich gegen Grippe impfen lassen“, rät Weiss. Dazu zählen über 60-Jährige, chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches sowie Pflegepersonal. „Gerade Menschen, die sich um andere kümmern – egal ob beruflich oder privat – also etwas Gutes tun wollen, sollten daran denken, damit sich dieses Gute nicht ins Gegenteil verkehrt“, so Weiss. „Vermutlich möchte kein Elternteil seine Kinder anstecken oder jemand, der seine alten, kranken Eltern oder Großeltern versorgt, sie dieser Gefahr aussetzen. Denn ansteckend ist man leider oft schon einen Tag vor Ausbruch der Erkrankung.“

Ein weiteres Vorurteil sei, dass Impfen nichts nütze. „Auch das kann man so nicht sagen“, erklärt Weiss. Eine Impfung schütze nicht zu 100 Prozent, sondern etwa zu 60 bis 70 Prozent. Aber der Verlauf sei dann oft leichter. Zudem verändern die Viren jedes Mal ihre Genetik. Darum gibt es jedes Jahr einen neuen Impfstoff, den die Wissenschaftler so entwickeln, dass er etwa gegen drei oder vier verschiedene Viren-Stämme schützt. Hat sich ein völlig neuer Stamm gebildet, kann es natürlich auch passieren, dass die Impfung nicht oder nicht so gut wirkt.

Wichtig sei auch, dass man keine allgemeingültige Regel für alle Menschen aufstellen könne, betont Weiss. Jeder Körper reagiere anders. Dennoch empfiehlt sie die Impfung, besonders zu dieser Jahreszeit, denn „in der Weihnachtszeit geht es erfahrungsgemäß richtig los mit der Grippewelle. Darum ist nun ein guter Zeitpunkt, sich impfen zu lassen, denn es dauert etwa 14 Tage, bis der Schutz sich im Körper aufgebaut hat.“

Wer einer der Risikogruppen angehört, solle in jedem Fall Rücksprache mit seinem Arzt halten.

Von Julia Kreykenbohm

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