Freie Wählergemeinschaft will Wolfspopulation begrenzen

„Kreistag Diepholz soll ein Zeichen setzen“

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Grauwolf-Nachwuchs erkundet sein Revier. Die Wählergemeinschaft fürchtet, dass die Population auch im Kreis Diepholz weiter ansteigen wird.

Landkreis Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. So geht es nicht weiter, die Politik muss handeln. Das meint zumindest die Freie Wählergemeinschaft (FWG) im Landkreis Diepholz. Das Thema: der Wolf. In einem Schreiben richten sie sich jetzt direkt an den Kreis und bringen den Antrag ein, dass dieser sich „in vielfältiger Weise auf unterschiedlichen Ebenen der Politik“ dafür einsetzt, dass „geeignete Maßnahmen für eine strikte Begrenzung der Wolfspopulation ergriffen werden.“ Unter „geeignete Maßnahme“ fällt auch der Abschuss der Tiere.

„Wir wollen nicht, dass der Wolf komplett verschwindet“, betont Heinz Riedemann von der FWG. „Aber wir möchten, dass man sich schon jetzt darüber klar wird, was man tun will, wenn die Population zu groß wird.“ Dafür soll während der Sitzung des Kreistages im September der Anstoß gegeben werden, wünscht sich die FWG.

Anfang Juli sei bekanntgeworden, dass sich in Niedersachsen ein weiteres Wolfsrudel angesiedelt habe . Damit sei die Zahl der in Niedersachsen umherstreifenden Rudel auf acht gestiegen, schreibt die Wählergemeinschaft. „Während von Naturschützern und der niedersächsischen Landesregierung dieser Anstieg begrüßt wird, verbinden viele Menschen im Lande diese Entwicklung mit Angst und Furcht. Sie werden von der Landespolitik derzeit nicht ernstgenommen, so dass sie sich bei dieser Entwicklung alleingelassen fühlen“, heißt es weiter.

Besonders die Halter von Nutztieren, die bisher auf Weidehaltung gesetzt hätten, sehen sich mit einer Gefahr konfrontiert, die sie auf Anraten von Wolfberatern zwar mit dem Bau von kostenträchtigen Zäunen einschränken, aber nicht gänzlich beheben könnten. Hier bestehe nicht nur Beratungs-, sondern entschiedener politischer Handlungsbedarf.

Dieses Problem kann Schäfer Matthias Dreyer aus Rehden bestätigen. Seit der Wolf zurück ist, hat er nicht nur mehr Arbeit, sondern auch viel mehr Kosten, die ihm nicht komplett erstattet werden. Da Hütehunde mit der beste Schutz vor dem Wolf seien, hat er sich acht davon angeschafft. Die Kosten, die die Vierbeiner im Jahr verursachen, liegen bei ungefähr 4.000 Euro, die ihm niemand ersetzt.

Eine Begrenzung der Wolfspopulation hält er für sinnvoll und glaubt, dass auch viele seiner Kollegen das so sehen werden. „Sollte die Goldenstedter Wölfin einen Partner finden und Junge bekommen, werden die Flecken, wo bislang noch keine Wölfe gesehen wurden, verschwinden und der Druck auf die Schäfer wachsen.“ In Schweden werde solch eine Begrenzung seines Wissens nach schon praktiziert. „Die haben sich eine Obergrenze gesetzt, und wenn es mehr Wölfe gibt, werden die geschossen. Dafür zahlen die Schweden dann immer eine Strafe an die EU.“

Sollte nichts passieren, fürchtet Dreyer um den Beruf des Schäfers, der unter diesen Bedingungen immer unattraktiver werde. „In 20 Jahren wird es nur noch halb soviele Schäfereien geben“, vermutet er. Man müsse etwas tun, bevor Schaden und auch Wut zu groß werden.

Diese Haltung vertritt auch die Wählergemeinschaft. Sie schreibt: „Von Wölfen geht, weil sie Fleischfresser sind, eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Wildtiere, Nutztiere und Menschen aus. Bei den freilebenden Tieren (Wild), deren Bestand ohnehin rückläufig ist, so dass viele Arten auf der roten Liste stehen, sind in besonderer Weise die Jungtiere gefährdet.“ Die Nutztiere seien, weil sie auf umzäunten Flächen gehalten werden, für den Wolf eine leichte Beute, da sie nicht fliehen könnten.

Der Mensch passe zwar nicht in das Beuteschema des Wolfes, doch gibt es keine Garantie dafür, dass er, vor allem wenn ein anderes Nahrungsangebot fehlt oder der Mensch sich „falsch“ verhält, nicht angegriffen wird.

Nicht allein die reale Bedrohung durch den Wolf gelte es zu beachten, sondern, ähnlich wie bei Schlangen, sei die gefühlte Bedrohung ernstzunehmen, die dazu führen könne, dass man sich beim Spaziergang im Wald nicht mehr unbeschwert bewegen mag und entspannen könne oder dass man Kindern Einschränkungen beim Spielen in der Natur auferlege. „Welche verantwortungsbewusste Kindergärtnerin mag noch unbeschwert mit ihrer Gruppe zu einem Waldspaziergang aufbrechen, wenn sie weiß, dass sich in der Nähe ein Wolfsrudel angesiedelt hat?“, fragt die Wählergemeinschaft in ihrer Mitteilung. Konkrete Fälle aus dem Kreis Diepholz seien bislang jedoch noch nicht an sie herangetragen worden.

Märchen, die im Kulturgut verankert seien, offenbarten diese Ängste, die sich auch durch intensive Beratung und Beschwichtigung nicht beseitigen ließen. Da Wölfe in Niedersachsen keine natürlichen Feinde haben und derzeit nicht bejagt werden, werde sich ihre Population – ähnlich wie bei den Krähen – rasant vermehren.

Bei vergrößerter Population und erschwertem Zugang zum Nahrungsangebot steige sogar die Gefahr, dass der Wolf nach neuen Nahrungsquellen Ausschau halte. „Spätestens, wenn das erste Kind eines Waldkindergartens ,versehentlich’ oder wegen ,falschen’ Verhaltens von einem Wolf angegriffen wurde, wird sich auch bei vielen, die bisher eine blauäugige Sichtweite auf den Wolf haben, die Meinung ändern“, ist sich die Wählergemeinschaft sicher.

Daher solle der Kreistag Diepholz Zeichen setzen, die uneingeschränkte Vermehrung und Ausbreitung des Wolfes missbilligen und sich in Verbindung mit anderen Ebenen der Politik für eine strikte Begrenzung der Wolfs-population einsetzen, so die Forderung der Partei.

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