Einkaufsgemeinschaft gegründet / Zoomania-Boykott

Kino-Betreiber bündeln Kräfte

Diepholz/Vechta - Von Anke Seidel. Drei von fünf Kino-Betreibern im Landkreis Diepholz hatten im April 2015 gestreikt: Sie hatten in ihren vier Kinos den Bundesstart des Disney-Films „The Avengers: Age of Ultron“ boykottiert, weil der Verleih ihnen neue Konditionen diktiert hatte – sprich die Verleihgebühren von 47 auf 53 Prozent angehoben. Mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen sollten die Kino-Betreiber also an Disney zahlen.

„Das ist der Großstadtsatz“, erläutert Gunnar Schäfers, der in Diepholz das Central-Kino und in Vechta die Schauburg Cineworld betreibt. Für Kinos in Großstädten – zumeist Ketten – ist der Satz von 53 Prozent längst Alltag.

Schäfers und seine Kollegen hatten es nicht beim Boykott belassen, sondern sich von einer Wirtschafts- und Marketingberatung informieren lassen. Zehn Kinobesitzer mit insgesamt 15 Lichtspielhäusern haben sich jetzt in einer Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen: die E.G. Kino GmbH & Co. KG mit Sitz in Vechta. Sie deckt einen enormen Einzugsbereich ab, denn ihre Mitglieder betreiben Kinos in Uelzen, Salzwedel, Cloppenburg, Rendsburg, Verden, Walsrode, Osterholz-Scharmbeck, Papenburg und dem Emsland – aber auch in Lohne, Vechta, Diepholz und Quernheim.

Bisher gibt es in Deutschland nur wenige vergleichbare Gemeinschaften, in denen Betreiber kleiner Kinos ihre Kräfte bündeln. Die E.G. Kino starte bewusst nur mit zehn Mitgliedern, sagt Schäfers. So sei es in der Anfangsphase leichter, schnell und einmütig Entscheidungen zu treffen. Drei Kinobesitzer in den Landkreisen Diepholz und Hoya sind nicht dabei. Doch in der Zukunft sollen weitere Betreiber hinzukommen, denn die E.G. Kino will gemeinsame Marketing-Strategien entwickeln – und mehr Besucher in die Kinos locken. „Gemeinsam generieren wir jetzt schon 1,7 Millionen Tickets“, sagt Schäfers. Bundesweit sind es 121,7 Millionen. Die neue Strategie ist ein Projekt, das zu den Förderkonditionen der Filmförderanstalt passt. Deshalb unterstützt sie die Gründung des Verbunds mit 37 500 Euro.

Grundsätzlich boykottieren die Kinobetreiber nicht alle Disney-Filme. „Wir prüfen bei jedem Film, ob es Sinn macht, den Film zu zeigen“, sagt der E.G.-Sprecher Schäfers, „und bei Star Wars machte es Sinn“, blickt er auf die Weltraum-Legende auf der Kino-Leinwand. Allerdings mussten die Kinobetreiber den Film zu den neuen Konditionen ausleihen, hatten am Ende also weniger Geld in der Kasse. Anders als „Star Wars“ sei der jetzt anlaufende Disney-Film „Zoomania“ kein „Mega-Blockbuster“. Der Familienfilm wird in den Kinos der E.G.-Mitglieder nicht zu sehen sein – in Diepholz und in Quernheim also auch nicht. Sowohl Gunnar Schäfers als auch Quernheims Kino-Chef Karl-Heinz Meyer haben für Alternativen gesorgt. „Bei uns laufen 13 verschiedene Filme über Ostern, fünf davon sind Familienfilme“, sagt Meyer.

Rubriklistenbild: © dpa

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