Wohnungslosen-Hilfe „Arche“: Neuer Standort in Diepholz eröffnet

„Gute Räumlichkeiten für Mitmenschlichkeit“

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Die „Arche“ ist jetzt in den früheren Räumen der Kreissparkassen-Filiale Diepholz-Süd untergebracht.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Freiwillig ist die „Arche“ nicht umgezogen. Doch an der Dr.-Wilhelm-Kinghorst-Straße in Diepholz hatten Nachbarn erfolgreich juristische Schritte gegen die ihnen unliebsame Einrichtung der Wohnungslosenhilfe eingeleitet. Nun hat die „Arche“ einen anderen Standort. Am Montag weihte Bethel im Norden die neuen Räume am Vossen Reitweg 13 / Ecke Lüderstraße ein. In der früheren Kreissparkassen-Filiale Diepholz-Süd sind nun der Tagestreff, die Beratungsstelle und den Dienst des Dezentralen Stationären Wohnens untergebracht.

„Die Arche ist ein Ort der Begegnung für Menschen, die alleinstehend und von Armut betroffen sind“, erklärte Luise Turowski aus der Geschäftsführung von Bethel im Norden bei der Begrüßung der Eröffnungs-Gäste aus Politik, Kirche und anderen sozialen Einrichtungen. Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen können in der „Arche“ Kontakte knüpfen, pflegen und sich wohlfühlen. Sie bekommen dort Unterstützung und fachliche Beratung – beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen –, können im Internet surfen, einen Kaffee trinken und haben eine Möglichkeit zum Duschen.

Bei der Eröffnung der „Arche“ für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen sprach Dunja McAllister (rechts) vor Gästen aus sozialen Einrichtungen und Politik ein Grußwort. 

„Wir haben pro Tag etwa 30 bis 35 Gäste im Tagestreff und in der Beratungsstelle“, sagte Helga Holthaus, die das dreiköpfige „Arche“-Team in Diepholz leitet. Zudem betreut die Einrichtung noch 21 Menschen im „dezentralen stationären Wohnen.“ In Diepholz gibt es die „Arche“ seit mehr als 20 Jahren. Sie ist nicht nur für Menschen in der Kreisstadt, sondern auch in der Region zuständig. Daher beteiligen sich auch umliegende Kommunen an der Finanzierung. 45 Prozent übernehmen sie gemeinsam, 45 prozent der Kosten trägt das Land Niedersachsen, die verbleibenden zehn Prozent Bethel im Norden (ein Unternehmensbereich der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel). 

Ursprünglich war die „Arche“ an der Lüderstraße. Doch wegen Baufälligkeit des inzwischen abgerissenen Fachwerk-Gebäudes zog die Einrichtung in eine ehemalige Arztpraxis an der Dr.-Wilhelm-Kinghorst-Straße um. Dort aber gab es „Unstimmigkeiten mit den Nachbarn“, wie es Luise Turowski ausdrückte.

„Das ist armselig“

Die Schirmherrin von Bethel im Norden, Dunja McAllister, fand für das Vorgehen von Anwohnern gegen die Beratungsstelle emotional-deutlichere Worte: „Wenn Nachbarn das Baurecht bemühen, um Menschen auszugrenzen, ist das armselig.“ Sie sei aber froh, dass die Wohnungslosenhilfe dadurch in Diepholz nicht obdachlos geworden sei, sagte die Juristin und Ehefrau des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister in ihrem Grußwort zur „Arche“-Eröffnung. Am neuen Standort täten sich auch neue Perspektiven auf.

An der Ecke Vossen Reitweg / Lüderstraße fällt der Tagestreff mehr ins Auge als in der Seitenstraße, ist mitten im „Sozialraum“.

Vor dem Grußwort der Schirmherrin hatte Pastorin Julia Dietz von der benachbarten St.-Michaelis-Kirchengemeinde einen Segen gesprochen. Als Nachbarin hatte sie nicht wie traditionell üblich Brot und Salz dabei, sondern Kaffee und Schokolade. „Es wäre das Schönste, wenn wir diese Einrichtung gar nicht bräuchten“, meinte sie.

Heiner Richmann überbrachte als stellvertretender Landrat die Glückwünsche des Landkreises Diepholz. „Ein sozialer Abstieg kann vielfältige Gründe haben und ist nicht immer selbst verschuldet“, betonte Richmann. Die „Arche“ biete „gute Räumlichkeiten für Mitmenschlichkeit“.

Der Diepholzer Bürgermeister Dr. Thomas Schule meinte in seinem Grußwort: „Eine lebendige Stadtgesellschaft zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie Räume für alle Menschen bietet.“ Er lobte den neuen Standort der „Arche“ als „viel besser wahrnehmbar.“ Vom „Arche“-Team bekam Schulze – beziehungsweise die Stadt Diepholz – ein Lob für die gute Zusammenarbeit.

Klaus Priesmeier, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz, blickte aus biblischer Sicht auf die „Arche“, mit der laut Altem Testament die Tiere vor der Sintflut gerettet worden waren. Der Erbauer Noah sei der „erste Seenotretter“ gewesen.

Die vielfältig ehrenamtlich engagierte Diepholzerin Inge Rostek, die auch dem „Arche“-Team hilft, gratulierte ebenfalls zur Eröffnung.

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