Florian Butt bittet um Material zu der Mühle in Sankt Hülfe

Geschichten um ein Stück Geschichte sammeln

Die Mühle Sankt Hülfe in historischer Ansicht, Besonderheit war ihre Doppelwindrose zum Verdrehen der Kappe.

Diepholz - In dem Jahr, als Gotthold Ephraim Lessing starb und acht Jahre vor der Französischen Revolution, also im Jahr 1781, war sie schon da und tat ihre Arbeit in Diepholz. Die Rede ist von einer Ölmühle, die der Schreibfedernfabrikant Friedrich Wilhelm Schröder durch einen holländischen Mühlenbauer in Sankt Hülfe errichten ließ.

Die Ausmaße der Mühle waren so gewaltig, dass sie eine der größten ihrer Zeit war. Das Geschäft florierte, bis 1863 die Mühle komplett niederbrannte. 1865 baute der Müller Fritz Grelle dann auf den Grundmauern die heutige Mühle, die etwas kleiner war, als reine Kornwindmühle wieder auf.

Und genau um diese Windmühle geht es Florian Butt aus Syke. Der 29-Jährige sucht im gesamten Kreisgebiet Personen, die noch Fotos und Unterlagen zu dieser Mühle haben und ihm diese zur digitalen Reproduktion leihweise zur Verfügung stellen. Grund dieses Aufrufes: Er möchte die Geschichte der Mühle so lückenlos wie möglich in Bild und Text festhalten. Und das ist nur der Anfang.

„Ein befreundeter Berufskollege und Mühlenbautechniker wird die Mühle zusammen mit mir in den nächsten Wochen genau unter die Lupe nehmen, sie komplett vermessen und ein Konzept für eine mögliche Sicherung und eine spätere Sanierung ausarbeiten“, berichtet Butt. „Außerdem wird anhand der aufgenommenen Daten eine ungefähre Kostenaufstellung für eine Erhaltung ausgearbeitet werden. Ob es zu einer Wiederherstellung im Originalzustand kommen wird, zeigt sich in der Zukunft, zunächst geht es an die geschichtliche Rekonstruktion, aber wir haben auch den noch weit entfernten Wunsch auf eine Komplettierung des Bauwerks.“

Die ehemalige Holländerwindmühle in der Diepholzer Landgemeinde Sankt Hülfe steht schon seit über 50 Jahren still und der Zahn der Zeit hat massiv an ihr genagt, eine Sanierung des über 150 Jahre alten Bauwerks ist bis dato aus Kostengründen noch nicht erfolgt.

Der Eigentümer Lars Oldewage ist jedenfalls sehr an der Erhaltung interessiert und hat auch schon selbst ein paar grundlegende Sicherungsmaßnahmen am Dach vorgenommen, ein Abbruch des Mühlenkörpers kommt für ihn jedenfalls nicht in Frage. „Es wäre wirklich sehr schade drum, ihn einfach abzubrechen“, so Oldewage. Allerdings muss für eine solche Konzeption erst einmal genügend historisches Material zusammengetragen werden, um auch Rückschlüsse auf den Betrieb und die damalige technische Ausstattung führen zu können.

Florian Butt ist Müller und ein absoluter Mühlentechnik- und -fan. Er möchte eine Motormühle im Bereich Bramstedt restaurieren, ist an der Beschaffung von historischer Mühlentechnik und deren Einbau in der Wassermühle Neubruchhausen beteiligt und leitet auch eine Arbeitsgruppe zur Übernahme, Einlagerung und Weitervermittlung von historischen Müllereimaschinen an umliegende und interessierte Mühlen. Außerdem sammelt er Fotos, Unterlagen, technische, sowie bauliche Zeichnungen und alles Weitere, was mit den Mühlen im Landkreis zu tun hat.

Zudem bot er Oldewage auch in allen Punkten seine Unterstützung und Mithilfe am Projekt an. Alle weiteren Vorgehensweisen würden dann besprochen, wenn der Fall eintritt, weitere Schritte in Richtung Restaurierung und deren Finanzierung zu gehen. „Ein Erhalt der Mühle lohne sich allemal. Die Windmühle in Sankt Hülfe ist eine der interessantesten Mühlen im gesamten Kreisgebiet, da sie eine so wechselvolle Geschichte hinter sich hat, wie wenige Andere.

Außerdem ist sie eine der letzten Zeugen ihrer Art im Stadtgebiet von Diepholz“, berichtet Florian Butt. Nach mehreren Besitzerwechseln und Pächtern, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Sägewerk in der Mühle eingerichtet, welches zunächst von einer Dampfmaschine, ab 1910 von einem Sauggasmotor und zuletzt schließlich mit einem Elektromotor betrieben wurde. Das alte Horizontalsägegatter ist heute noch vorhanden.

Auch den Mühlenbetrieb hatte man gänzlich auf Motorkraft umgestellt, als Kappe und Flügel durch Sturm- und Brandschäden abgängig wurden. Bis 1958 wurde der Mahlbetrieb aufrecht erhalten, dann nur noch für den Eigenbedarf geschrotet und man bereitete noch ein paar Jahre Saatgetreide auf. Ein Großteil der Technik verschwand nach der Betriebseinstellung, aber der allerletzte Betriebszustand lässt sich heute noch an den verbliebenen Maschinen erkennen.

Wer noch historische und auch aktuellere Fotos, Unterlagen, Zeichnungen oder ähnliches von der Mühle hat, kann sich mit Florian Butt unter Telefon 04242/60476 oder per E-Mail an butt.muehlen@gmail.com in Verbindung setzen.

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