Seit Dezember 1050 Asylbewerber neu im Kreis

Flüchtlingsstrom ebbt ab

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Der Flüchtlingsstrom ebbt ab, auch in der Erstunterkunft in Twistringen. Dennoch warten allein in Niedersachsen mehr als 10000 Asylbewerber auf Weiterleitung in die Kommunen.

Landkreis Diepholz - Noch keine hundert Tage her, da tourten ganze Kolonnen durch den Landkreis. Ganze Busladungen mit Menschen aus Syrien, aus dem Irak, aus Afghanistan, und überall kletterten sie aus den Fahrzeugen, vor allem im Nordkreis Diepholz, in Stuhr, in Weyhe, in Syke. Und niemand wusste, wohin mit all diesen Flüchtlingen, und wie sie warm über den Winter bringen.

Doch die Bustouren werden rarer. Was sich im Februar schon abzeichnete, das lässt sich jetzt auch mit Zahlen belegen. „Die Lage hat sich entspannt, zurzeit jedenfalls,“ sagt Klaus Speckmann vom Fachbereich Ordnung und Sicherheit des Landkreises.

Nach Speckmanns Angaben sind in den vergangenen dreieinhalb Monaten 1050 Flüchtlinge in den Gemeinden des Landkreises angekommen, die meisten davon schon im Dezember. Eine mächtige Zahl, gewiss, aber zu Auswüchsen mit Zeltunterkünften oder mit Sporthallen, die kurzerhand in Wohnungen unterteilt werden mussten, wie andernorts, hat der Zustrom nicht geführt. „Auf die Einrichtung von Großunterkünften für bis zu hundert Personen konnte bisher verzichtet werden, auch wenn diese Pläne in manchen Kommunen zwischenzeitlich schon konkrete Züge angenommen hatten,“ so der Fachbereichsleiter. Man habe die Menschen dezentral unterbringen können, in einigen Unterkünften mit bis zu zehn Flüchtlingen, aber immer noch dezentral. Die gegenwärtige Flaute beim Zustrom trage weiter zur Entspannung bei. „Je mehr Zeit, desto besser für die Städte und Gemeinden.“

Doch auch wenn im beginnenden Frühling 2016 weitaus weniger Flüchtlinge als erwartet die Grenze zur Bundesrepublik passieren – ausgestanden ist der Zustrom noch nicht. Allein in den niedersächsischen Erstunterkünften warten noch mehr als 10.000 Menschen auf die Weiterfahrt in ihren Aufnahmeort. „Je nachdem welche Quoten die einzelnen Landkreise schon erfüllt haben, und welche sie noch erfüllen müssen, dürfte davon etwa ein Kontingent von rund 300 bis 400 Personen auf den Landkreis Diepholz entfallen,“ sagt Speckmann. Rein rechnerisch bedeutet das für einwohnerstarke Gemeinden wie Stuhr und Weyhe jeweils einen Anteil von rund 60 Menschen, für die Stadt Syke etwa 50, und für Bruchhausen-Vilsen, Bassum und Twistringen etwa 25 bis 40. Aufgenommen haben diese Kommunen in den vergangenen dreieinhalb Monaten etwa das Dreifache.

Das Land Niedersachsen hat derweil die dramatischen Prognosen von Anfang Dezember noch nicht zurückgenommen. Allerdings wird der Erfüllungstermin beinahe wöchentlich nach hinten verschoben. Hieß es zunächst, der Kreis habe 2500 Flüchtlinge bis Ende März aufzunehmen, so ist jetzt von Ende Juli die Rede. Demzufolge hätte die Region zwischen Moordeich und Wagenfeld noch ein Kontingent von mehr als 1500 offen.

Zwischenzeitlich veränderte sich die Nationalität der Flüchtlinge spürbar. Standen vor einem Jahr noch die Balkanländer mit allen voran Serbien (30 Prozent) an der Spitze, so wurden Kosovo und Co. inzwischen vom Nahen Osten abgelöst. Die Balkanländer machen den Landkreis-Erhebungen zufolge weniger als fünf Prozent aus, Syrier liegen mit 33 Prozent vor dem Irak (30 Prozent) und Afghanistan (22 Prozent). Der Zustrom aus Afrika ebbt dagegen weiter ab. „Wenn wir mal eine Gruppe von zehn Menschen aus Eritrea verzeichnen, dann ist das schon viel,“ sagt Speckmann.

Eine Ausnahme bildet der Zustrom unbegleiteter Minderjähriger, von denen etwa hundert im Landkreis Diepholz gestrandet sind. „Da spielt Nordafrika weiterhin eine Rolle als Herkunftsland.“

Vorübergehend werden eine Reihe dieser jungen Leute in Twistringen im Erstaufnahmelager untergebracht. „Da ist zurzeit Platz,“ sagt Speckmann, „Ende März wird das Erstaufnahmelager geschlossen.“

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