636. Diepholzer Großmarkt

Als Festredner macht Patrick Döring eine gute Figur

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Patrick Döring, ehemaliger Generalsekretär der FDP, machte als Redner beim Frühschoppen des 636. Diepholzer Großmarktes eine gute Figur. 

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Es gab schon prominentere Redner bei den Frühschoppen des Diepholzer Großmarktes. Aber es gab schon auch viel, viel schlechtere. Patrick Döring, früherer Generalsekretär der FDP, machte am Freitag als Redner in „Kochs Zelt“ eine gute Figur und amüsierte 300 geladene Gäste nicht ohne Tiefgang.

„Diepholzer wollen mit ihren Nachbarn Großmarkt feiern und sich nicht in Lederhosen in München rumdrücken“, spielte Döring auf das beginnende Oktoberfest an und bezeichnete Diepholz als „das Herz Niedersachsens“. Nach so viel freundlichen Worten sprach Patrick Döring auch ernste Themen an: Alle Berufe seien gleich viel Wert und dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, beispielsweise. Für politische Diskussionen forderte der 43-Jährige, dass wieder Kompromisse in den Mittelpunkt rücken und nicht das Auseinanderdividieren: „Wer in einer Diskussion anderer Meinung ist, ist noch kein Volksverräter.“ Politik sei „Raufen nach Regeln.“

Amüsiert von der Festrede beim Frühschoppen des 636. Diepholzer Großmarktes waren die etwa 300 geladenen Gäste.

Patrick Döring – von 2012 bis 2013 FDP-Generalsekretär – blickte zurück auf den kürzlich verstorbenen liberalen Bundespräsidenten Walter Scheel, der außerhalb der Politik mit dem Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ bekannt geworden war. Welches Lied würden heutige Politiker wohl singen?, fragte Döring. Für den SPD-Politiker Sigmar Gabriel schlug er den Schlager „Heute so, morgen so“ vor, für Gregor Gysi „Moskau, Moskau“.

Amüsiert konnten die Gäste nach der Rede traditionell das Niedersachsenlied und das Lied „Wir sind Diepholz“ singen – begleitet von den Sülter Musikanten aus Stemwede.

Dann überreichte Bürgermeister Dr. Thomas Schulze dem Festredner eine Diepholzer Gans.

Zu Beginn des Frühschoppens hatte Schulze die Gäste aus Politik, Institutionen und der Wirtschaft begrüßt auch aus dem Kreis Vechta und den Diepholzer Nachbarkommunen.

„Der Diepholz-Taler, den Sie am Eingang erhalten haben, wurde zum ersten Mal von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vereins für Persönliche Hilfen erstellt“, erklärte der Bürgermeister.

Bei seiner Rede war er zunächst launig: „Auf dem Diepholzer Großmarkt könne bei Männern drei Themen zu Missverständnissen führen: Trinken, Frauen und Geld.“ Er erläurterte das an witzigen Geschichten. Doch Schulze äußerte sich auch etwas verärgert.

Dazu holte er aus: „Das letzte Jahr wurde in Diepholz durch viele Bauprojekte geprägt. Investitionen in der Innenstadt finden unter komplizierten Rahmenbedingungen – wie Planungsrecht, Nachbarschaftsrecht, Bodenbeschaffenheit und Wettbewerbssituation – statt. Vor allem erfordern sie einen erheblichen finanziellen Aufwand und bedeuten große finanzielle Risiken. Damit die Projekte überhaupt umgesetzt werden können, engagieren sich viele Menschen aus dem Stadtrat, der Verwaltung, der Investoren und weitere Betroffene persönlich mit großem Engagement“, sagte Schulze.

Dann spielte er kritisch auf die „Diepholzer Holzmännchen“ an, ohne sie zu nennen: „Das Bedrucken von Plakaten, das Drucken von Zetteln mit vermeintlich schlauen Hinweisen, so sympathisch die ein oder andere Aktion auch sein mag, hatte und hat keinen Einfluss auf die tatsächliche Umsetzung von Projekten.“

636. Diepholzer Großmarkt - der Freitag

636. Diepholzer Großmarkt - die Eröffnung

Vor dem Hintergrund, dass sich die Macher der „Diepholzer Holzmännchen“ immer noch nicht zu erkennen gegeben haben, sagte Schulze: „Das demokratische und soziale Miteinander in unserer Stadt lebt davon, dass sich Menschen als Persönlichkeit und mit ihrem Gesicht für oder gegen ein Projekt bekennen und sich engagieren.“

Vor dem Servieren der Erbsensuppe brach die Stadt mit einer Tradition und ließ noch einen Redner zu Wort kommen. Der Ratsvorsitzende der polnischen Partnerstadt Starogard Gdanski, Jaroslaw Czyzewski, sprach seinen Dank aus – übersetzt von der Diepholzerin Hildegard Jung.

Bürgermeister Dr. Thomas Schulze dankte dem scheidenden Vorsitzenden des städtischen Marktausschusses, Werner Scharrelmann, der bei der Kommunalwahl nicht wieder kandidiert hatte: „Viele Neuerungen beim Großmarkt – im Großen wie im Kleinen – hätte es ohne Dich nicht gegeben.“

Den Großmarkt-Besuchern gab Schulze mit auf den Weg: „Seien Sie nett zueiander!“

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