Regelmäßig überprüft das Gesundheitsamt das Gewässer

Einmal Rundum-Check für den Dümmer, bitte!

+
Die Check-Liste muss bei jeder Probenentnahme gründlich abgearbeitet werden.

Lembruch - Von Julia Kreykenbohm. Es ist 9 Uhr morgens. Dicke grauen Wolken hängen über dem Dümmer See, der Wind weht – aber es regnet nicht. „Zum Glück“, sagt Bianca Möbius und steigt aus dem Auto, mit dem sie ausnahmsweise bis an den Gastronomiebetrieb „Bar dü Mar“ heranfahren darf.

Doch selbst wenn es wie aus Kübeln gießen würde, müssten sie und ihr Kollege Andre Lühr herkommen, denn sie sind nicht am Dümmer, um einen gemütlichen Spaziergang zu machen, sondern um zu arbeiten. Möbius und Lühr sind als Gesundheitsaufseher beim Gesundheitsamt Diepholz angestellt.

Der Kofferraum wird aufgeklappt. Darin befindet sich alles, was die beiden für eine Wasserprobenentnahme brauchen: Eine Kiste mit verschiedenen Behältern, Messgeräten und – ganz wichtig – Wattstiefel. „Die sind auch der Grund, warum wir zu zweit unterwegs sind“, erklärt Möbius lächelnd, während sie in die olivfarbenen Stiefel schlüpft. „Wenn sie mit Wasser volllaufen, kommt man nicht mehr vorwärts.“

Der Termin für die Proben-entnahme steht schon lange fest. Vor Beginn der Saison, also am 15. Mai, wird ein Plan erstellt, wann in welchem Gewässer Proben entnommen werden. Und diese Termine sind auch einzuhalten. Da der Dümmer ein EU-Badegewässer ist, ist das Gesundheitsamt in der Pflicht, sich darum zu kümmern. EU-Badegewässer kann ein See nur werden und bleiben, wenn er von vielen Menschen genutzt wird. Davon hat der Landkreis Diepholz fünf Stück.

Bedächtig watet Möbius in den See hinein, bis sie bis knapp zu den Knien im Wasser steht. „Wir haben auch schon mal Proben vom Steg aus genommen, aber uns dann dafür entschieden, sie genau dort zu entnehmen, wo sich die Gäste hauptsächlich aufhalten.“ Die Gesundheitsaufseherin blickt prüfend in das Wasser. „Man sieht schon, dass da etwas ist. Der See ist sehr trüb.“ Das kann ein Hinweis auf Algen sein. Auch Blaualgen sind am Dümmer sowie vielen anderen Badegewässern ein Thema, auch wenn sie zurzeit keine Gefahr darstellen.

Möbius lässt die Secci-Scheibe, eine Art Metallring an einem Drahtseil, in den Dümmer sinken, um die Sichttiefe messen zu können. Danach nimmt sie das Litermaß und schöpft etwas Wasser ab. Das wird eine Algenprobe werden, der noch eine Lösung zugegeben wird, damit sie stabil bleibt.

Danach befestigt Möbius eine sterile Flasche an der sogenannten Probe-Entnahmestange und taucht sie ins Wasser ein. „Diese Art der Probenentnahme soll garantieren, dass wirklich nur reines Gewässer und kein Eintrag von der Oberfläche, wie zum Beispiel Vogelkot, eingefangen wird.“

Danach geht es zurück zum Wagen, wo ein erster Check vor Ort erfolgt. Mit einem Messgerät wird sowohl die Leitfähigkeit des Wassers sowie sein PH-Wert ermittelt. „Ist die Leitfähigkeit zu hoch, weiß man sofort, dass etwas mit dem See nicht stimmt. Ein zu hoher PH-Wert sagt hingegen, dass die Algenblüte begünstigt wird.“ Wie schon der Sichttest vermuten ließ, ist das an diesem Tag der Fall. Ein normaler Wert liegt zwischen sechs und neun. Möbius und Lühr messen 9,69.

Danach wird die Temperatur gemessen. Ist sie hoch, sind das optimale Bedingungen für Algen und Mikroorganismen – sprich Bakterien.

Möbius und Lühr nehmen ein Klemmbrett mit einer Check-Liste in die Hand, tragen die Werte ein und arbeiten sich Punkt für Punkt vor. Manches ist gar nicht so leicht zu beurteilen. Bei der Rubrik „Färbung“ begutachten die beiden Gesundheitsaufseher kritisch das Wasser im Litermaß. „Ist das jetzt mattgelb oder trübgelb. Nein, eher grüngelb, oder?“ Sie müssen lachen.

Nächster Punkt: Sichtbare Verschmutzung. Dazu gehört Müll oder auch Schaum. Da gibt es einen klaren Haken: Am Dümmer ist alles sauber. Auch die Geruchsprüfung fällt zur Zufriedenheit der beiden Experten aus. „Wenn der See voller Blaualgen ist, würde man das riechen. Da hängt so ein fischig-fauliger, jauchiger Gestank in der Luft. Es gab ein Jahr, da konnte man das bis zum Parkplatz riechen.“

In der Kategorie Algenwachstum, bei der die Skala von eins bis zehn geht, vergibt Möbius eine Zwei, weil „ein paar Partikel zu sehen sind“. Zudem muss sie angeben, aus welcher Richtung der Wind weht und ob Badegäste anwesend sind.

Nach einer knappen Stunde sind sie und Lühr mit der Probenentnahme fertig und packen zusammen. Sie werden jetzt noch zu zwei weiteren Stellen fahren, zum Badestrand Seestraße und Birkenallee in Lembruch. Alle zwei Wochen kommen sie in der Saison, die am 15. September endet, um erneut Proben zu nehmen. Doch auch die Samtgemeinde ist nicht untätig und überprüft den Dümmer dreimal pro Woche. Fällt den Mitarbeitern etwas auf, melden sie sich sofort beim Gesundheitsamt.

Ein paar Meter weiter sind Spaziergänger stehen geblieben und lesen sich das Schild durch, auf dem Informationen zum Dümmer See stehen. Auch zu den Blaualgen. Die vorhin entnommene Algenprobe werden Möbius und Lühr noch am selben Tag zur Auswertung ins Labor schicken. Die Probe in der sterilen Flasche, die die Mikrobiologie enthält, kommt ebenfalls dorthin. Die Ergebnisse liegen nach wenigen Tagen vor. Ist die Belastung zu hoch, werden die Badenden gewarnt oder auch mal ein Badeverbot ausgesprochen.

Alles, was Möbius und Lühr über das Binnengewässer zusammengetragen haben, kann man im Niedersächsischen Badegewässer-Atlas online nachlesen.

www.apps.nlga.niedersachsen.de/eu/batlas/

Mehr zum Thema:

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Klaus Allofs' Erfolge

Klaus Allofs' Erfolge

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall auf Diepholzer Umgehungsstraße

Schwerer Unfall auf Diepholzer Umgehungsstraße

Twistringer GUT zufrieden mit Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

Twistringer GUT zufrieden mit Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

Weihnachtliche Kulturtage: Wintersonne sorgt für Hochbetrieb

Weihnachtliche Kulturtage: Wintersonne sorgt für Hochbetrieb

Kinder-„Dingsda“ zur Eröffnung

Kinder-„Dingsda“ zur Eröffnung

Kommentare